Deutsche Marktgilde übernimmt das Zepter beim Wochenmarkt

Ab März wird die Genossenschaft die dienstäglichen Veranstaltungen in Zschopau organisieren. Mehr Händlerbeteiligung und ein breiteres Sortiment sind das Ziel. Die Stadt bekommt aber noch mehr.

Zschopau.

Mit einem mehr oder weniger auf Textilien ausgerichteten Angebot kränkelt der Zschopauer Wochenmarkt seit Jahren. Den Tiefpunkt erreichte die jeden Dienstag stattfindende Veranstaltung im Frühjahr mit der Verlegung auf den Hof von Schloss Wildeck. Zeitweise war an dem weniger attraktiven Standort nur noch ein Händler zu finden. Wegen des ausbleibenden Zuspruchs ist die dem Kanalbau auf der Gartenstraße geschuldete Zwischenlösung ein Vierteljahr später verworfen worden.

Mit der Übertragung der Organisation an die Deutsche Marktgilde will Zschopau nun die Wende einleiten. Ab März soll die Genossenschaft neben dem dienstäglichen Wochenmarkt einen Frischemarkt organisieren, der von April bis Oktober an jedem ersten Samstag im Monat im Schlosshof stattfindet.

Den Vertrag hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung bei drei Enthaltungen abgesegnet. Für die Stadt brechen damit zwar Standgebühren weg, die in guten Jahren bis zu 13.000 Euro einbrachten. Das Hauptamt weist aber auch auf mögliche Ersparnisse auf der Ausgabenseite hin. Künftig erhält die Kommune noch fünf beziehungsweise zehn Prozent ab dem zweiten Vertragsjahr der eingenommenen Nettostandgelder.

Doch was kann die Marktgilde anders machen? "Zaubern können wir auch nicht", schickt Mitarbeiterin Katrin Schiel im Gespräch mit "Freie Presse" voraus. Zumal die Genossenschaft neben der Eröffnung weiterer Supermärkte mit Personalproblemen zu kämpfen habe. "Viele Händler gehen in Rente. Aber damit müssen und werden wir leben."

Ein Trumpf der Marktgilde: Sie besitzt eine große Händlerdatenbank und ist gut vernetzt. "Wir haben bestimmt mehr Kontakte zu Händlern als eine Stadtverwaltung", sagt Katrin Schiel. Die Leiterin der Niederlassung Dresden betreut 32 Städte in einem Gebiet, das bis an die Grenze von Thüringen reicht. In den zurückliegenden Jahren sei die Anzahl langsam, aber stetig gestiegen.

2020 kommt Zschopau dazu. Katrin Schiel hat sich vorgenommen, die Händlerzahl zu erhöhen und damit das Sortiment zu erweitern. Derzeit ist sie noch mindestens drei Tage die Woche auf anderen Märkten unterwegs. Aber in der Winterpause zwischen Januar und März will sie sich bemühen, so viele Händler wie möglich anzusprechen und für Zschopau zu gewinnen.

Katrin Schiel kommt entgegen, dass der Wochenmarkt in der Motorradstadt auf einen Dienstag fällt. "Weil in den anderen Städten die meisten Märkte in der Zeit zwischen Mittwoch und Samstag stattfinden, gibt es da vielleicht noch freie Kapazitäten." Nach ihrer Erfahrung sind die meisten Händler bereit, bis zu 60 Kilometer Fahrt zu einem Markt in Kauf zu nehmen.

Seitens der Stadt habe sie viel Entgegenkommen und Wohlwollen gespürt, berichtet die Niederlassungsleiterin über die zurückliegenden Gespräche. Zugleich freue sie sich über das Angebot der Verwaltung, in Kombination mit dem Frischemarkt im Schlosshof einen weiteren Markt in Eigenregie zu organisieren. Zum Beispiel könnte das ein Teilemarkt für Motorradfans sein.

Der Kontakt zur Marktgilde kam über Christian Vogel, dem Leiter des Zschopauer Kultur- und Tourismusbetriebs, zustande. Gespräche mit der Deutschen Marktgilde hatte es aber auch schon 2016 gegeben, nachdem sich immer weniger Händler an dem von der Kommune organisierten Markt beteiligten.

Mit dem Problem steht Zschopau nicht allein da. Das Fazit zum Abschluss der Saison in Marienberg fiel Ende Oktober ebenfalls nicht sonderlich positiv aus. Die Händlerzahl ist nach Angaben der Stadtverwaltung Marienberg in diesem Jahr erneut rückläufig. Gärtnermeister Konrad Müller aus Gornau hält dem Wochenmarkt in der Bergstadt seit 30 Jahren die Treue. Die Resonanz bereite ihm dabei durchaus Sorgen: "Die Saison war durchschnittlich, das Marktwesen insgesamt entwickelt sich rückläufig." Als Grund nennt er unter anderem die älter werdende Kundschaft, die nicht mehr so mobil sei. (mit rickh)

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