Dicker Heinrich erhält Besuch vom eisigen Nikolaus

Auf dem Zschopauer Weihnachtsmarkt konnten sich die zahlreichen Besucher über einige Neuheiten freuen. Dazu gehörte auch ein Künstler aus Berlin, der einen Eisblock zum Leben erweckte.

Zschopau.

Für die meisten Besucher des Zschopauer Weihnachtsmarktes hätte das Wetter kaum besser sein können. Der angekündigte Niederschlag blieb aus. Und die Temperaturen erinnerten an Winter, ohne dass Hände und Füße zu erfrieren drohten. Während die meisten das Programm, die Bratwurst und den Glühwein also genossen, schaute Stefan Lehwald mitunter etwas skeptisch drein. "Optimal wären null Grad Celsius oder etwas darunter", sagte der 42-Jährige, der extra aus Berlin angereist war. Aus der Hauptstadt verschlug es ihn zum ersten Mal nach Zschopau - allerdings nicht als Besucher, sondern als Künstler. Aus einem Eisblock wollte er eine beeindruckende Figur entstehen lassen, was trotz der schwierigen Bedingungen auch gelang.

Anfangs dürfte sich so mancher Betrachter noch gefragt haben, was dieser 1,20 Meter hohe und 150 Kilogramm schwere Eiswürfel im Hof von Schloss Wildeck zu suchen hatte. Doch als Lehwald zur Kettensäge griff, wich die Verwunderung dem Staunen. Dass keine leichte Aufgabe auf ihn wartete, war dem Bildhauer sofort bewusst: "Bei meiner Ankunft waren es etwa zehn Grad Celsius. Viel kälter ist es nicht geworden." Eiskunst lässt sich da nur schwer umsetzen - vor allem, was die Liebe zum Detail angeht. "Im Eis gibt es haarfeine Kanäle. Bei zu hohen Temperaturen schmilzt alles schnell weg, was etwas absteht."

Hinzu kam, dass Lehwalds Säge rasch ihren Geist aufgab. "Sonst lässt sie mich nie im Stich", nahm es der Künstler gelassen, dem diesbezüglich die milde Witterung zugute kam. So konnte er auch mit seinem Messer und anderen Werkzeugen das nicht benötigte Eis Schicht für Schicht abtragen. Und allmählich wurde dabei deutlich, dass es sich bei der Figur um einen Mann in einer Kutte handeln musste. Von unten beleuchtet, wurde er mit einbrechender Dunkelheit von Minute zu Minute eindrucksvoller.

Auf die Folter spannen wollte Lehwald sein Publikum nicht. Wer fragte, erfuhr, dass er gerade am Bischof Nikolaus feilt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn statt des groben Werkzeugs hielt der Künstler nach etwa eineinhalb Stunden dünne Messer in der Hand, um an den feineren Konturen zu arbeiten. Fast hatte es den Eindruck, als blicke der ebenfalls bärtige Lehwald dabei in einen Spiegel. Doch ganz so urig wie der alte Mann vor ihm war der Berliner dann doch nicht. Im Gegensatz zum Gesicht konnte Lehwald am Hirtenstab nicht zum allerletzten Feinschliff ansetzen. "Das würde er nicht überstehen", so die Erklärung.

Nach gut dreieinhalb Stunden stand direkt neben dem Dicken Heinrich dann der eisige Nikolaus in voller Pracht. "Wegen des Wetters ist der Kerl ziemlich massiv geblieben", sagte Lehwald fast schon entschuldigend. Doch für die meisten Betrachter war ein nahezu perfektes Kunstwerk entstanden, das trotz der Schmelze auf unzähligen Handyfotos erhalten bleibt. Bewundernswert war auch die Tatsache, dass der Bildhauer keine Handschuhe trug. Eigentlich habe er drei Paar mit, aber bei diesen Temperaturen seien sie nicht erforderlich gewesen. Ebenso wenig brauchte Lehwald hinterher Stärkung. Nur einen Kinderpunsch genehmigte sich der von der Stadt engagierte Künstler, um sich vor der Rückfahrt nach Berlin dann doch noch etwas aufzuwärmen.

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