Die Krise als Chance, Tourismus neu zu definieren

Geschäftsführerin Patrizia Meyn spricht im Interview über die Situation der Schlossbetriebe in der Pandemie

Augustusburg/Scharfenstein.

Die Sehenswerten Drei in Augustusburg, Scharfenstein und Lichtenwalde erleben coronabedingt eine Durststrecke. Doch es gibt positive Zeichen, wie Patrizia Meyn, Geschäftsführerin der Schlossbetriebe, im Gespräch mit Ingolf Rosendahl erklärt.

Freie Presse: Wie sind die Schlossbetriebe durch die Pandemie gekommen, wirtschaftlich, kulturell und menschlich?

Patrizia Meyn: Mit der Schließung unserer Museen und Einrichtungen wurden wir vor neue Herausforderungen gestellt. Es herrschte Krisenmodus, und jeder Tag brachte Neues. Am härtesten traf es unsere Sonderausstellung "Ausgetrickst", die sehr erfolgreich lief und wo die Besucherschlangen nicht abrissen. Dort kam alles auf einmal zur Ruhe. Unser Schlosshof war leer. Und wir haben schnell festgestellt, wie sehr uns unsere Gäste fehlen.

Welche Folgen haben die Einschränkungen für Ihre Mitarbeiter? Mussten Sie Leute entlassen? Gibt es Kurzarbeit?

Wir hatten unsere Mitarbei ter in die Kurzarbeit geschickt, denn viele Aufgaben hatten sich durch die Volls chließung erübrigt. Ich habe die Ängste der Mitarbeiter gespürt und gleichzeitig, dass der Lockdown für jeden andere Aufgaben mit sich brachte. Entlassen musste ich niemanden. Ich habe in dieser Zeit viel Krisenmanagement bet rieben. Transparenz und Zusammenhalt waren dabei sehr wichtig. Alle Mitarbeiter waren froh, als wir am 4. Mai öffnen durften. Wir sind stärker aus der Krise herausgekommen.

Welche konkreten Folgen haben sich für die Sehenswerten Drei im Einzelnen ergeben?

Wir können die Schließz eit nicht wieder ganz aufholen . Führungen sind nicht in vollem Umfang durchführbar, ebenso fehlen die regelmäßigen Besuche der Schulklassen. Vor allem unsere Pächter haben zu kämpfen. Es fehlen die richtigen staatlichen Überbrückungshilfen für die Jugendherberge. Das Schlosstheater hat über den Sommer geschlossen und führt nun mit weniger Gästen die Aufführungen durch. Dem Restaurant Vitzthum in Lichtenwalde fehlen die Hochzeiten und die Familienfeiern. Da gilt es für alle, auf dieser Durststrecke durchzuhalten. Ich sehe allerdings auch sehr positive Zeichen. Der Inlandstourismus ist in diesem Jahr sehr gestiegen. Viele Menschen machen in ihrer Umgebung Urlaub, in der es viel zu entdecken gibt. Wir sind breit aufgestellt. Bei uns findet der Besucher Geschichtliches, verbunden mit interaktiven Mitmach-Möglichkeiten. Dazu kommen die spannenden Sonderausstellungen. Umfassende Hygienekonzepte, Einlassbeschränkungen, Zeittickets und der Wegfall von Veranstaltungen - das sind die Herausforderungen, mit denen wir uns auseinandersetzen. Trotzdem haben wir in den Museen einen Zuwachs von 7,1 Prozent und in den Gesamtbesucherzahlen gegenüber dem Vorjahr nur 2,73 Prozent weniger Besucher. Unsere Region hat die Chance bekommen, den Tourismus neu zu definieren. Das ist ein Geschenk, das wir alle mit in die Zukunft nehmen können.

Sind digitale Angebote für die drei Objekte geplant, die das Interesse am Besuch wachhalten?

Wir haben vor allem im Bereich der Museumspädagogik viele Live-Webinare als Lehrerfortbildung und Schlossrundgänge angeboten. Dort nehmen wir eine Vorreiterrolle in Sachsen ein. Alle Angebote sind als Webinare auf unserer Homepage zu finden. Während des Lockdowns haben wir nur die Möglichkeit gehabt, über die sozialen Medien zu kommunizieren. Unsere Videoclips haben zu deutlich mehr Beachtung auf den Social-Media-Kanälen geführt. Ich führe auch viel mehr Videokonferenzen durch. Das hilft Zeit zu sparen, die immer knapp bemessen ist.

Mit der Handy-App Schlösserlandkarte sind auch die Sehenswerten Drei dank Rabatt preiswerter zu erleben. Welche Zwischenbilanz ziehen Sie für diese Anwendung?

Es ist eine tolle Werbekampagne für alle sächsischen Schlösser, Burgen und Gärten. Das bringt für Besucher einen Anreiz, andere Gegenden von Sachsen kennenzulernen.

Glauben Sie, dass Sie die Gastronomie wieder komplettieren können? In Augustusburg geht zum Jahresende das Licht aus, in Scharfenstein ist die Küche schon länger kalt.

Unsere gastronomischen Einrichtungen sind teilweise schon 30 Jahre alt. Wir müssen umbauen und sanieren, wobei wir uns noch in der Finanzierungsphase befinden. Es ist eine große Herausforderung, in Corona-Zeiten einen risikofreudigen Gastronomen zu finden. Ich bin in Vertragsverhandlungen mit einem neuen Pächter, der Schloss Augustusburg und Burg Scharfenstein bewirtschaften könnte. Geplant ist die Übernahme im nächsten Jahr. dahl

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