Die Welt der Glitzersteine

Die Terra mineralia im Schloss Freudenstein ist eine Erfolgsgeschichte: Mehr als eine Million Besucher hat die Schau angelockt. Nun wird das zehnjährige Bestehen gefeiert.

Freiberg.

Mit 30.000 Besuchern pro Jahr hatten die Gründer der Terra mineralia einst gerechnet. Das hat der frühere Rektor der Freiberger TU, Georg Unland, am Donnerstag eingestanden. Die Zielmarke wurde bei weitem übertroffen. Im Schnitt kamen jährlich an die 100.000. Und so konnte kürzlich im Freiberger Schloss Freudenstein der einmillionste Besucher begrüßt werden, was für die Richtigkeit der Entscheidung spricht, die damals vor allem von Erika Pohl-Ströher und ihrer Familie getroffen wurde.

Die berühmte Sammlerin, die im Januar 100 Jahre alt geworden wäre, gab einen großen Teil ihrer Mineralien, die sie über Jahrzehnte hinweg zusammengetragen hatte, an die Bergakademie. Von dieser Sammlung, so Unland, existierten seinerzeit nur Gerüchte. "Jeder Mineralienfreund hatte mal von ihr gehört, aber niemand hatte sie je gesehen", erzählt er. Der Autor Rainer Bode, der mit Erika Pohl-Ströher wegen eines Buchprojektes Kontakt hatte, erfuhr von ihr, dass sie plane, Teile der Sammlung an amerikanische Universitäten zu verkaufen. Er informierte Unland darüber, dieser rief Pohl-Ströher an und man kam ins Gespräch. "Nur Geld hatten wir keins", schmunzelt Unland heute.

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Dass es dennoch mit der Mineralienschau in Freiberg etwas wurde, lag wohl an der Chemie zwischen den beiden Verhandlern, und daran, dass mit dem Schloss Freudenstein eine passende Lokalität zur Verfügung stand. Freistaat und Freiberg arbeiteten zusammen. Für 32 Millionen Euro wurde das Schloss saniert und die weltweit geachtete Ausstellung integriert. Zum 100. Geburtstag von Erika Pohl-Ströher und dem zehnten Jubiläum der Terra mineralia eröffnet am 17. April die Sonderausstellung "Gesucht und gefunden". Dem voran geht am Dienstag ein Festakt in der Alten Mensa, zu dem auch Ministerpräsident Michael Kretschmer erwartet wird.

Übrigens: Bisher hat noch niemand versucht, etwas aus dem Museum zu stehlen. Nur ein geistig Verwirrter schaffte es einmal, Türen zu passieren, die nicht zugänglich sein sollten.


"Gesucht und gefunden"

Vom 17. April bis 25. August ist die Sonderausstellung "Gesucht und gefunden" in der Terra mineralia zu sehen. Gezeigt werden 160 Minerale, die in Sachsen entdeckt und bestimmt wurden. Dabei handelt es sich um originale Stücke, teils aus dem 16.Jahrhundert. 60 Prozent stammen aus der Mineralogischen Sammlung der Bergakademie, 40 Prozent aus der Senckenberg Naturhistorischen Sammlung Dresden. Freibergs Kustos Andreas Massanek und der Ausstellungskurator Klaus Thalheim stellen heraus, dass die meisten Exponate vorher nie zu sehen waren und danach wieder ins Depot gehen. (wjo)


Mehr als ein Museum

Klaus-Dieter Barbknecht, Rektor der TU Bergakademie, strich heraus, dass es sich bei der Terra mineralia nicht um ein Museum im herkömmlichen Sinne handelt. "Die Terra mineralia ist eine Ausstellung, die der Forschung dient", sagte er. Über 3500 Mineralien, Edelsteine und Meteoriten sind zu sehen. Sie alle

seien Bausteine des Lebens und der Technik. Als vor 15 Jahren der Vertrag zwischen der Bergakademie und Erika Pohl-Ströher unterzeichnet wurde, habe man eine Chance ergriffen, die so kaum wiederkommen dürfte.

Georg Unland, ehemaliger Rektor der TU, erinnerte sich daran, dass die Möglichkeit, die Sammlung universitär zu nutzen, ein wesentliches Argument bei den Verhandlungen gewesen ist. Auch die Tatsache, dass man ein Schloss bieten könne, war nicht ohne Belang. "Freudenstein war damals der wohl größte Taubenschlag von Freiberg", so Unland. Das habe sich nun glücklicherweise geändert.

Gerhard Heide, Direktor der Geowissenschaftlichen Sammlungen der TU Bergakademie, gesteht, dass er schon damals der glücklichste von allen Beteiligten gewesen sei. "Denn ich habe nichts machen müssen." Er konnte vielmehr zusehen, wie die Dinge vor seinen Augen gediehen. Professor Heide erinnerte daran, dass mit den Sammlungen im Werner-Bau bereits gelehrt und geforscht wurde, bevor die Terra mineralia dazu kam. Lehre, Forschung und das Vermitteln an die Öffentlichkeit seien damit vorangekommen.

Christina Seifert, Museumspädagogin der Terra mineralia, hebt diese Vermittlung hervor. "Mit den Mineralinos stehen wir im Geiste von Erika Pohl-Ströher." Mineralogie komme an den Schulen nicht vor. 50 Prozent aller Besucher seien Erwachsene, die andere Hälfte stets Familien oder Gruppen mit Kindern. Denen wolle man das Wissen weitergeben. (wjo)

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