Drebacher Planetarium zeigt im Jubiläumsjahr verborgene Welten

Unter der Kuppel mit 70 Sitzplätzen findet am Sonntag eine Premiere statt. Spektakuläre Aufnahmen von Himmelskörpern sollen Gäste anlocken. Doch es gibt auch noch andere Glanzlichter.

Drebach.

Im 50. Jahr des Bestehens der Volkssternwarte Drebach möchten die Mitarbeiter des Hauses ihren Gästen in jedem Quartal etwas Besonderes bieten. Die totale Mondfinsternis am 21. Januar dürfte Einrichtungsleiter Jens Kandler in dieser Hinsicht in die Karten gespielt haben. Bei minus 13 Grad Celsius hatten schon gegen 4.30 Uhr die ersten Besucher den Weg in die Einrichtung gefunden, um den Blutmond zu bestaunen. Die astronomischen Glanzlichter dürften sich damit zwar für 2019 erschöpft haben, nicht aber die noch folgenden unter der Kuppel des Planetariums.

Premiere hat am Sonntag das Familienprogramm "Entdecke das Sonnensystem - Zu fernen Welten". Jens Kandler und seine Mitstreiter laden zu einer Reise quer durch das Sonnensystem von der feurigen Oberfläche der Sonne bis zum eisigen Reich der Kometen ein. Himmelskörper mit gewaltigen Vulkanen, massiven Canyons und mächtigen Stürmen lernen die Besucher kennen. "Das Programm beruht auf aktuellen Erkenntnissen der Planetenforschung", sagt Jens Kandler. Um es die nächsten fünf Jahren zeigen zu können, hat die Drebacher Einrichtung für 5000 Euro die Lizenz von Zeiss erworben. "Wir wollen es nicht nur in öffentlichen Veranstaltungen einsetzen, sondern auch Oberschulklassen anbieten", sagt Jens Kandler und hofft auf einen Kassenschlager.

Diesen Nachweis hat "Ein Sternbild für Flappi" schon erbracht. Das Programm für Kinder ab fünf Jahren zählte 2018 mit durchschnittlich 50 Besuchern bei jeder Veranstaltung zu den bestbesuchten Angeboten in dieser Altersklasse. Auch in den bevorstehenden Winterferien legen die Planetariumsmitstreiter den Fokus auf die Geschichte mit der Fledermaus, die sich ihre eigenen Gedanken über den Himmel macht. Unter der Überschrift "Fledermauswochen" soll im Gang zum Planetarium flankierend eine Ausstellung über die Lebensweise der fliegenden Säugetiere berichten.

Bei den Veranstaltungen, die neben Kindern auch Erwachsene ansprechen, sorgt "Im Zauber der Polarlichter" regelmäßig für ausverkaufte Plätze, sagt Jens Kandler, der sich von dem Zuspruch selbst etwas überrascht zeigt. Das Programm wird immer wieder aktualisiert. "Ganz neu hinzugekommen sind von der Alaska-Universität bereitgestellte Ganzkuppel-Aufnahmen."

Im Jubiläumsjahr dürfen sich Planetariumsgäste zugleich über einen Streifen zur Geschichte der Drebacher Einrichtung freuen. Kandler: "Der Film über unsere Sternwarte läuft 30 Minuten, bevor wir den Blick zu den großen Forschungseinrichtungen der Erde lenken." Das Programm "Unser Weg zu den Sternen" soll in jedem Quartal einmal gezeigt werden. Ein Jubiläumsfest bereiten Jens Kandler und seine Mitstreiter für den 11. Mai auf dem Sternwartengelände vor. Das Programm werde aber erst noch erarbeitet.

Die Besucherzahl bewegte sich in den zurückliegenden Jahren auf annähernd konstantem Niveau. 17.571 hat Jens Kandler im vergangenen Jahr bei 466 Veranstaltungen registriert. Die Auslastung liegt damit bei knapp 38 Gästen pro Veranstaltung. 70 Sitzplätze können im Planetarium belegt werden.


Erste Schulsternwarte in Drebach öffnet 1969 ihre Türen

Anlässlich des Schul- und Heimatfestes wurde am 3. Juli 1969 in Drebach die Schulsternwarte der Öffentlichkeit übergeben.

Die ehrenamtliche Leitung hatte mit 26 Jahren Karlheinz Müller inne. Der 2017 verstorbene langjährige Leiter der späteren Volkssternwarte gilt in Drebach als Vater der Astronomie. 1964 war er mit seiner Familie aus dem Kreis Zwickau nach Drebach gezogen. Im folgenden Jahr grün- dete Karlheinz Müller die Schul- Arbeitsgemeinschaft (AG) Fotografie. Daraus ging 1967 die AG Astronomie hervor.

Ein Wendepunkt in seinem Leben war das Jahr 1983. Damals fiel die Entscheidung zum Bau einer größeren Warte mit Kleinplanetarium. Karlheinz Müller legte selbst Hand an und machte sich in Zeiten der DDR-Mangelwirtschaft als Materialbeschaffer verdient. Mit der Genehmigung einer Planstelle durch den Rat des Bezirkes machte der gelernte Landwirtschaftskaufmann 1984 sein Hobby zum Beruf und war fortan bei der Gemeinde angestellt.

Die Sterne standen für Drebach auch günstig, als der Freistaat 1999 einen Fördermittelantrag über 1,9 Millionen Mark bewilligte und im Mai 2000 der Bau des heutigen Planetariums begann. Im Ruhestand hielt Müller der Einrichtung weiter die Treue. Noch bis Ende 2015 hielt er Vorträge im Planetarium.

An Karlheinz Müllers Verdienste erinnert ein Kleinplanet auf einer Umlaufbahn zwischen Mars und Jupiter. Der von Dr. Freimut Börngen von der Thüringer Landessternwarte entdeckte Himmelskörper trägt seit 2000 den Namen "Karlheinz". (mik)

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