Ein Spiegelbild der menschlichen Gefühlswelt

Die Galerie im Pfarrhaus in Jöhstadt zeigt in ihrer neuen Ausstellung erstmals Plastiken. Ein Wagnis - umso mehr, da in den kleinen Räumen ein Großer der Zunft einen angemessenen Rahmen bekommen soll.

Jöhstadt.

Mit dem schlichten und zugleich doch so großen Wort "Mensch" ist die neue Ausstellung überschrieben, die seit dem Wochenende in der Galerie im Pfarrhaus in Jöhstadt zu sehen ist. Aber Worte waren sowieso nicht so sein Ding, schon gar nicht viele Worte. Bildhauer Fritz Böhme bevorzugte stattdessen die Kommunikation über seine Figuren. Und derer gibt es scheinbar unzählige. Bewahrt und verwaltet werden sie seit dem Tod des Hohndorfers vor sechs Jahren von seiner Frau Hannelore. Sichtlich berührt eröffnete sie am Wochenende gemeinsam mit Kurator Roland Buschmann aus Streckewalde die Ausstellung, die aus Platzgründen nur einen kleinen Teil eines riesigen Konvoluts zeigen kann.

Doch Größe - zumindest die in Zentimetern oder auch Metern gemessene - war für Fritz Böhme in seiner Arbeit nie ein Maßstab. Und sie ist es auch nicht für die Ausstellung. Sie schafft mit den kleinen und großen Figuren aus Holz und Stein, ergänzt durch Fotos des Künstlers und einigen wenigen seiner Zitate, dennoch ein gelungenes Bild des Künstlers Fritz Böhme und seines Anspruches an Kunst, der vielfach ein kritischer war.


"Vermeintliche Bildhauerkunst", in der es "vorwiegend und vordergründig um Kunstfertigkeit" geht, mochte er ebenso wenig wie "sinnentleerte Moderne, wo das künstlerische Objekt ohne ein darum geredetes Wortgeflecht sprachlos bleibt". Künstlerische Kompromisse hat er nie gemacht, auch lukrative Aufträge stattdessen abgelehnt. Für ihn war die Bildhauerei eine Sprache - der Versuch, "mit dreidimensionalen Formen ein Lebensgefühl zu vermitteln". Und das gelang ihm auf eindrucksvolle Weise.

Verletzungen und Verzweiflung finden sich in den meist nur schemenhaften Gesichtern ebenso wie Trost und Hoffnung- und mitunter auch herzerfrischender Humor wie bei seiner Figur "Ihr könnt mich", bei der eine propere Frau ihren Betrachtern keck ihr entblößtes Hinterteil entgegenhält. Auch deshalb gehört die Kunst Fritz Böhmes für seinen langjährigen Freund und Wegbegleiter Reinhold Lindner zur "ganz großen Kunst". "Wo sonst findet man in der Gegenwart noch Kunst, die den Menschen auf so direkte Art und Weise anspricht", würdigt der langjährige Kulturjournalist aus Augustusburg das Lebenswerk des gebürtigen Glauchauers, der dafür zu Lebzeiten unter anderem mit dem renommierten Max-Pechstein-Preis und dem Ernst-Rietschel-Preis geehrt wurde.

Die Ausstellung "Mensch" ist bis zum 6. Oktober in der Galerie im Pfarrhaus in Jöhstadt zu sehen. Geöffnet ist mittwochs und samstags jeweils von 15 bis 17 Uhr sowie sonntags nach den Gottesdiensten. Kontakt: 037343 21729 oder 037343 2309.

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