Erzgebirger schreibt Buch über Norwegen

Ben Albrecht aus Floßplatz hat eineinhalb Jahre auf einer Farm in Skandinavien verbracht. Diese Erfahrung hat er nun zu einer Geschichte verarbeitet - und das könnte erst der Anfang sein.

Floßplatz.

Heavy Metal, das war wohl der Auslöser. Warum, das weiß Ben Albrecht nicht mehr so genau. Doch er war damals fasziniert von der harten Musik - und dazu passte Norwegen sehr gut. Denn auch dort gibt es eine einschlägige Szene. Und irgendwie strahlte das Land für ihn etwas Besonderes aus. Vor sieben Jahren war der Floßplatzer nach Skandinavien aufgebrochen. Die Ausbildung zum Physiotherapeuten gerade in der Tasche, ungebunden und voller Sehnsucht beschloss er, in Norwegen auf einer Farm anzuheuern. Aus der Idee wurden eineinhalb erfahrungsreiche Jahre mit Höhen und Tiefen - und viel Inspiration für sein weiteres Leben. Nun hat Ben Albrecht seine Erlebnisse während dieser Zeit zu Papier gebracht und als Buch veröffentlicht.

"Norwegen in Gummistiefeln" heißt das Erstlingswerk. Ein Exemplar liegt auf dem Küchentisch in der Floßplatzer Wohnung, in der Ben Albrecht heute mit seiner Frau wohnt. Draußen fließt die Zschopau durchs Tal, die Luft ist eisig kalt, doch in der Küche glimmt es gemütlich im Ofen. Fast ein wenig Norwegen-Stimmung, wenn man an die langen Winter im Norden denkt. Es war damals das erste Mal, dass der heute 29-Jährige von daheim fortging. Sein neues Zuhause wurde die kleine Gemeinde Vinstra, rund 250 Kilometer nördlich der Hauptstadt Oslo. Dort lebte Ben Albrecht bei einer Gastfamilie und arbeitete auf deren Hof. Die Tiere versorgen, pflegen, füttern, ausmisten - das war fortan der Alltag, in dem der Erzgebirger Erfüllung fand: "Ein einfaches Leben, Natur und Verbundensein mit der Farm und den Tieren", beschreibt Albrecht die Erfahrung.

In seinem Buch schildert der Autor autobiografisch die Erlebnisse und verbindet sie zu einer runden Geschichte. Darin stecken nachdenkliche und amüsante Anekdoten, etwa die Ankunft in Vinstra im Februar und sogleich der erste Schreck: Niemand war - entgegen der Verabredung - da, um ihn abzuholen. Auch das Handy der Gastmutter war aus. Aber kurz darauf kam doch der erlösende Anruf, dass sie unterwegs sei. Es war einer von vielen Momenten, in denen Ben Albrecht Gelassenheit kennenlernte.

"Ich wusste nicht, was mich erwartet", sagt er. Umso mehr habe ihn die Weite der Gegend beeindruckt. "Man hört Geräusche der Natur, es gibt keine Stadt rundherum, keine Zäune, die Tiere laufen frei." In diesem Umfeld zu leben und zu arbeiten, sei überwältigend gewesen, sagt Ben Albrecht. Ab und zu sei er auch unterwegs gewesen, habe den bekannten Geirangerfjord und Finnmark, den nördlichsten Bezirk des Landes, besucht. "Karges Land, Felsen und Wasser - es war beeindruckend." Der Floßplatzer hatte dort eine weitere Farm besucht und eine andere Freiwillige getroffen.

Begegnungen mit den Menschen - das ist ebenso ein wichtiger Teil in Ben Albrechts Norwegen-Geschichte, die schließlich einen Wendepunkt fand. "Ich wollte tatsächlich dort bleiben", sagt der Autor. Er hätte in seinem gelernten Beruf als Therapeut arbeiten können. Doch es kam anders, wie er in seinem Buch tiefgehend beschreibt. Nach eineinhalb Jahren kehrte er nach Deutschland zurück, dann fing er an, seine Geschichte aufzuschreiben. Wie kam es zu der Idee? Noch in Norwegen hatte er Arbeitsberichte verfasst, die Familie, Freunde und Kollegen interessiert gelesen haben. Die positiven Rückmeldungen haben ihn ermutigt, mehr und mehr Erlebnisse zusammenzutragen, bis klar war: daraus kann eine Geschichte werden. "Das war auch ein großer Verarbeitungsprozess", sagt der Autor. Deshalb hat er sich viel Zeit genommen.

Im Sommer dieses Jahres stand das fertige Skript schließlich. Pünktlich, denn so konnte Ben Albrecht es seinen norwegischen Gasteltern überreichen, die zu seiner Hochzeit ins Erzgebirge gekommen waren. "Ich habe viel gelernt durch das Schreiben. Das wichtigste war, geduldig zu sein", sagt der 29-Jährige. "Mal konnte ich seitenweise schreiben, mal brauchte ich eine Stunde für einen einzigen Satz." Zumal er einen Großteil der Geschichte verfasst hat, während er in den vergangenen Jahren erneut in der Ferne war und wechselnd auf Öko-Farmen, etwa in Schweden gearbeitet hat.

Nun hat der Autor die ersten 100 Exemplare seines Werkes im Selbstverlag veröffentlicht. Schon die Hälfte davon ist verkauft. Und Ben Albrecht kann sich durchaus vorstellen, weiterzuschreiben - vielleicht Gedichtbände oder über seine nachfolgenden Reisen und Erfahrungen. Er hat noch viel zu erzählen.

Lesung Ben Albrecht trägt heute, 19.30 Uhr im Salon der Knappschaftsklinik Warmbad aus seinem Buch "Norwegen in Gummistiefeln" vor. Erhältlich ist es für 16,99 Euro.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...