Erzgebirgsengel jetzt ein Popstar

Kathrinchen Zimtstern ist ein kleiner gedrechselter Flade-Engel aus Olbernhau. Sie ist aber auch die Titelheldin von zwei erfolgreichen Büchern. Nun wird sie als Musical-Star auf einer Dresdner Bühne gefeiert.

Olbernhau/Dresden.

Kerstin Drechsel, die Chefin der Werkstätten Flade in Olbernhau, ist in diesen Tagen schwer zu kriegen. Mehrfach pendelte sie zwischen Dresden und Olbernhau, dann wieder liest sie Kindern in ihrer Werkstatt Abenteuergeschichten vor. Und zwar die von Kathrinchen Zimtstern. Das ist ein nicht mal vier Zentimeter kleiner Engel, der in ihrer Werkstatt in Handarbeit entsteht. Kathrinchen ist aber auch die Titelheldin von zwei Büchern mit jeweils 24 Geschichten, die der gebürtige Freiberger Sebastian Backstein zu Papier gebracht hat. Die ersten Abenteuer bereits 2003, als ihn in Spanien während eines studentischen Praktikums in der Weihnachtszeit das Heimweh packte.

Schon seit 2012 gehen Kerstin Drechsel und Bastian Backstein, der heute im Kommunikationsbereich eines großen Unternehmens im Rhein-Main-Gebiet arbeitet, jedes Jahr in hiesige Grundschulen, Kindergärten und Bibliotheken und lesen die ungewöhnlichen Geschichten von Kathrinchen vor. An mehr als 100 Schulen wurden die Bücher verschenkt, zum Vorlesen und damit sie damit arbeiten. Oft reisen Kindergruppen sogar mit Bus oder Bahn nach Olbernhau, um sich hier Kathrinchens Abenteuer anzuhören. Schließlich war das mutige Mädchen ja sogar in Afrika und auf dem Affenfelsen in Gibraltar.

Kerstin Drechsel ist in diesem Advent besonders stolz auf ihre kleine Heldin. Denn nun kennt man sie auch in Dresden. Anfang des Monats hatte die Geschichte vom verschwundenen Engelchen im Kabarett Breschke & Schuch als Musical Premiere und wurde vom Publikum mit anhaltendem Beifall gefeiert. Bei zwei Veranstaltungen waren Kerstin Drechsel und Buchautor Backstein mit dabei. "Toll, was die Dresdner aus meinem Stoff gemacht haben", sagt Backstein. Er verrät auch, dass das dritte Buch mit Abenteuergeschichten des kleinen Engels bereits fertig ist. "Alarm am Weihnachtshimmel" soll im Herbst 2019 erscheinen - wiederum im Husum-Verlag. Für Kerstin Drechsel ist das Musical "eine grandiose Inszenierung". Sie habe ein paar Tage gebraucht, um die Eindrücke aus den Vorstellungen zu verarbeiten. Manchmal wecke sie nachts auf mit einem der Lieder im Ohr.

Eigentlich war mit Kerstin Drechsel zunächst gar kein Musical, sondern nur eine CD geplant gewesen, berichtet der Dresdner Jazz-Musiker Michael Winkler, der im Stück unter anderem den blasenden Pflaumentoffel gibt. "Doch dann fragten wir uns, warum nicht gleich ein Musical?" Er klapperte mit der Idee etliche Bühnen ab. Schließlich fand er im Kabarett Breschke & Schuch offene Ohren, das sich mit neuen Formaten mehr in Richtung Kleinkunstbühne profilieren will. In dem Musical für Kinder und Erwachsene haben altbekannte Lieder zum Teil neue witzige Texte erhalten, aber es gibt auch jede Menge neue Songs, die die sechs Schauspieler und Musiker äußerst temperamentvoll auf die Bühne bringen - von lateinamerikanischen Reggaeklängen bis zu poppigen Variationen altbekannter Weihnachtslieder. Aus Santa Claus wird im Stück gleich mal Sauna-Klaus und sogar Affen aus Gibraltar spielen mit und helfen Kathrinchen, den Weg zurück in seine Heimat, das Erzgebirge, zu finden. Alle Akteure spielen mit einer Leidenschaft und einem Temperament, die auch das erwachsene Publikum anstecken. Für das gibt es auf der Kabarettbühne natürlich zudem ein paar besondere Gags.

Bastian Backstein und Kerstin Drechsel haben sich bereits die nächsten Ziele gesetzt. Sie würden die Musical-Variante gern auf einer hiesigen Bühne sehen. "Mir als gebürtigem Freiberger wäre das Freiberger Theater natürlich am liebesten", sagt der 37-Jährige. Drechsel könnte sich aber auch die Stadthalle Chemnitz oder das Annaberger Theater als Bühnen in der Vorweihnachtszeit gut vorstellen. "Ich merke bei den Gesprächen mit Verantwortlichen aber auch, dass man Dinge aus dem Erzgebirge sofort in die Folklore-Schublade einordnet und die ist den Verantwortlichen offenbar nicht so erfolgversprechend. Dabei ist gerade die Dresdner Inszenierung ja alles andere als eine folkloristische", sagt die Unternehmerin. Auf einer CD gibt es die Lieder aus dem Musical bereits. Gunther Emmerlich liest die Einleitung.

Weitere Vorstellungen des Musicals gibt es am 11. und 12. Dezember jeweils 10 und 15 Uhr, am 16. Dezember 11 und 15 sowie am 23. Dezember 11 und 14 Uhr. Karten können unter Ruf 0351 4904009 oder im Internet bestellt werden. Kindergarten- und Schulgruppen erhalten Tickets zu Sonderkonditionen für 6 Euro pro Person. www.kabarett-breschke-schuch.de

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