Europa fördert knapp 2300 Projekte im Erzgebirge

Annähernd 125 Millionen Euro fließen seit 2014 in den Landkreis. Eine Datenbank im Internet gibt Auskunft, wer profitiert. Dazu gehört auch ein Unternehmen aus Gelenau.

Zschopau/Gelenau.

"Sachsen profitiert in hohem Maße von der EU-Förderung", sagt Staatskanzleichef und Europaminister Oliver Schenk. Der CDU-Politiker verweist auf Projekte, die mit Geld aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert werden. Wie viel Geld dabei wohin in Sachsen geflossen ist, ist im Internet abrufbar - der Freistaat hat eine Projektdatenbank freigeschaltet, die über alle seit 2014 geförderten Vorhaben informiert. Der Erzgebirgskreis ist mit 2288 Projekten vertreten. Damit verbunden sind Investitionen von rund 125 Millionen Euro.

Die Sigma Medizin-Technik GmbH Gelenau ist ein international tätiges Unternehmen. Um neurologische Diagnose-Geräte zu entwickeln und weltweit zu vertreiben, ist das Unternehmen auf Fördermittel angewiesen. Allein für den Besuch von Messen in Shanghai, Dubai und Australien hat die Firma 27.500 Euro erhalten. Weitaus wichtiger sind jedoch die rund 50-prozentigen Zuschüsse für die Weiterbildung von Mitarbeitern, um unter anderem die internationale Zulassung der Geräte voranzutreiben, vor allem jedoch für die Forschungsprojekte.


Momentan arbeitet Sigma als Bestandteil eines Forschungskonsortiums, dem die Universität Dresden angehört, an einem Gerät zur Früherkennung epileptischer Anfälle, damit Patienten mit Medikamenten rechtzeitig gegensteuern und den Anfall verhindern können - ein Projekt mit Millionenaufwand. Das Unternehmen wird die Messtechnik für das Gerät entwickeln, erläutert Geschäftsführer Andreas Parma: "Ein Vorhaben, das wir ohne Unterstützung nicht stemmen könnten. Die Fördermittel minimieren unser finanzielles Risiko", erläutert Geschäftsführer Andreas Parma. Der Zuschuss für Forschungsprojekte betrage zwischen 50 und 60 Prozent. Für das derzeitige Vorhaben kann Sigma eine Rückerstattung von knapp 344.000 Euro beantragen - bei einem Eigenanteil von mehreren Hunderttausend Euro. Zudem sei die Firma zum Erfolg verpflichtet. "Wenn das Vorhaben scheitert, können die Mittel auch zurückgefordert werden", so Parma. (mit jan)

freiepresse.de/euerz


Schwarzer Kunststoff soll sich schon bald recyceln lassen

Eine innovative Technologie wird derzeit in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut im Hilmersdorfer Unternehmen LSA Leischnig Schaltschrankbau Automatisierungstechnik entwickelt. Sie soll dazu beitragen, dass Ressourcen nicht verschwendet werden und die Umwelt geschont wird. "Gegenwärtig ist es nicht möglich, schwarzen Kunststoff beim Recycling zu trennen. Er kann nicht wiederverwertet werden und landet letztlich in der Müllverbrennungsanlage", sagt Geschäftsführer Steffen Leischnig (Foto). Mithilfe der Technologie sollen sich die verschiedenen Kunststoffarten auch trennen lassen, wenn sie den gleichen Farbton aufweisen, wie es bei Schwarz häufig der Fall ist. Der Kunststoff wird laut Leischnig mit einem Laserstrahl beschossen. Aus dem reflektierten Strahlen und dem damit einhergehenden Spektrum kann die Technik ermitteln, um welche Kunststoffart es sich handelt. Angesichts zunehmenden Mülls handelt es sich um eine Zukunftstechnologie. Die EU gab rund 300.000 Euro, davon ging ein Drittel an LSA, zwei Drittel gingen überwiegend an das Fraunhofer Institut. Die Hilmersdorfer Firma wurde schon mehrfach von der EU unterstützt. So entwickelte sie unter anderem Sondermaschinen für die Halbleiterindustrie. (geom)Foto: Kristian Hahn


Von Nullserie bis Werbung

Bei Zabag Security Engineering in Grünhainichen sind seit 2014 insgesamt 40 Projekte und Programme mit rund 145.000 Euro aus den beiden Fonds gefördert worden. So wurde etwa die Herstellung eines neuen elektrohydraulisch angetriebenen Sperrpollers - von der Nullserie über Werbung bis zur Markteinführung - mit knapp 60.000 Euro aus EFRE-Mitteln bezuschusst. Rund 48.000 Euro erhielt der Hersteller von Zugangs- und Sicherheitsanlagen für die Einführung eines neuen Softwaresystems in der Firma. Mit Wendt & Kühn (17 Projekte) und Bäringhaus & Hunger (11) wurden zwei weitere Grünhainichener Unternehmen mit jeweils mehr als 100.000 Euro aus den Fonds bezuschusst. (hd)Foto: M. Degen/Archiv


Auf dem Weg ins Berufsleben

Die vielleicht letzte Chance, den Einstieg in die Arbeitswelt zu schaffen, bietet die Kirchliche Erwerbsloseninitiative Zschopau (Kez) Jugendlichen, die in ihrer beruflichen Entwicklung mehrfach gescheitert sind. Das am 1. März gestartete Jugendwerkstatt-Projekt wird aus dem ESF-Fonds mit knapp 293.000 Euro unterstützt. 13 Jugendliche stehen auf der Liste von Kez-Leiter Thomas Friedemann. Bis Mitte 2020 werden sie in Kez-Werkstätten tätig sein oder in der Küche beim Zubereiten von Mahlzeiten helfen. Hinzu kommt die soziale Komponente: Mitarbeiterinnen erledigen mit den Teilnehmern etwa Behör- dengänge. (mik)Foto: T. Fritzsch/Archiv


Hilfe für Schüler

Die Inklusionsassistentin der Zschopauer Nexö-Oberschule ist für Sybille Berndt unentbehrlich. "Für uns ist ihre Arbeit außerordentlich wichtig, weil sie Lehrer entlastet. Andere Schulen beneiden uns darum", sagt die Schulleiterin. Koordiniert wird die mit ESF-Mitteln geförderte Maßnahme vom Internationalen Bund. Eine weitere Stelle gibt es etwa in der Bebel-Grundschule. Ziel des bis 2021 laufenden Projektes ist es, unter anderem Schüler mit einer Behinderung oder mit sonderpädagogischem Förderbedarf individuell zu unterstützen. In der Nexö-Schule werden 15 bis 20 Schüler einzeln betreut. Zudem gilt es, bei den anderen Schülern Verständnis zu wecken, sagt Sybille Berndt. (mik)Foto: Matthias Degen/Archiv


Weiterbildung der Mitarbeiter

Die Dittersdorfer Physiotherapie von Inka Voigt erhält knapp 9500 Euro als Zuschüsse für Weiterbildungsmaßnahmen für fünf ihrer sieben Mitarbeiter. Sie selbst erwirbt Kenntnisse als Osteopathin. Der Bedarf an Behandlungsmethoden wie manuelle Therapie steige. Die Lehrgänge gehen über mehrere Jahre. "Diese Kurse sind mit mehreren Tausend Euro sehr teuer, allein die Fortbildung zur Osteopathin kostet rund 16.000 Euro. Dazu kommt noch die Lohnfortzahlung für die Weiterbildung. Deshalb ist es für uns extrem wichtig, dass wir wenigstens einen Teil der Aufwendungen gefördert bekommen", erläutert Inka Voigt. "Auch wenn die Rückerstattung bürokratisch sehr aufwendig ist." ( mb)Foto: A. Bauer

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