Gäste zwischen Elektroautos und Insektenvölkern unterwegs

Zum Mobilitätstag und Bienenfest haben Besucher in Gelenau moderne Fortbewegungsmittel getestet und Bienenvölker bestaunt.

Gelenau.

Immer wieder wird darüber diskutiert, dass der Verbrennungsmotor ausgedient hat. Die Zukunft, sagen Experten, liege beim Elektroantrieb. Wie diese Zukunft aussehen kann, konnten die Besucher des Mobilitätstages am Samstag in Gelenau auf einen Blick sehen. Elektronisch betriebene Fahrräder, Autos und andere Fahrzeuge konnten auf dem Festplatz bestaunt werden. Es gab auch die Möglichkeit, eine Spritztour zu machen. Und das aus gutem Grund. Denn in Gelenau ist das Thema Elektromobilität gerade besonders im Fokus.

Der Plan: Im kommenden Jahr oder spätestens 2020 soll die Kommune einen neuen Ortsbus bekommen. Der bisherige hat dann ausgedient. Seit mittlerweile fünf Jahren ist der Fiat in Betrieb, und anfangs kleine Mängel werden nun zur immer größeren Herausforderung. "Es gibt massive Probleme mit dem Getriebe, dazu kommt die Wartung. Das wird inzwischen ziemlich teuer für die Gemeinde", sagt Bürgermeister Knut Schreiter. Die Kommune betreibt den Ortsbus-Service gemeinsam mit der Regionalverkehr Erzgebirge GmbH (RVE).

Nun haben die Partner einen Nachfolger gesucht - unter einer Bedingung: "Das Fahrzeug muss einen Elektroantrieb haben, denn die Gemeinde hat eine Vorbildfunktion", so Schreiter. "Es sollen außerdem genauso viele Fahrgäste wie bisher Platz finden, und der Bus muss um enge Ecken kommen", erklärt Schreiter weiter. Dass der neue Bus das kann, wurde bei einer Probefahrt am Samstag durch den Ort deutlich. Einige Passanten reagierten verblüfft, als das Fahrzeug der Marke Nissan ohne Motorgeräusche ziemlich flott durch Gelenau fuhr.

Doch die Meinung zum richtigen Antrieb ist keineswegs einhellig. So erklärte ein junger Mann beim Mobilitätstag, dass er dem Verbrennungsmotor treu bleiben werde. "Ich fahre Diesel, mir kommt kein Elektroauto ins Haus." Anders sah es ein Rentner aus Drebach, der auf den Elektroantrieb schwört. "Ich bin elektroinfiziert", gab Bernd Walther freimütig zu. Er habe zuhause einen Segway, ein Gefährt, auf dem man sich stehend in der Regel in Schrittgeschwindigkeit fortbewegen kann. Auch das Auto von Bernd Walther wird durch Strom angetrieben. "Ich kaufe mir niemals wieder einen Wagen mit Verbrennungsmotor", sagte der 73-Jährige und berichtete von einer Fahrt ins österreichische Linz: "Klar musste ich unterwegs paarmal nachladen, aber einige Ladestationen waren sogar kostenlos. Dadurch habe ich für die ganze Fahrt nur zwölf Euro bezahlt."

Neben Autos und der Frage nach dem richtigen Antrieb gab es am Samstag noch ein weiteres Thema für die Besucher: Bienen, die auf ihre Weise auch sehr mobil sind. Zum sehr gut besuchten Bienentag auf dem Rathausplatz war Imker Steffen Böhm mit seinen summenden Völkern vertreten und präsentierte diese den Besuchern. Sein Resümee fiel jedoch durchwachsen aus: "Das Bienenjahr war durchschnittlich. Hundert Völker hatte ich für drei Wochen in die Lausitz gebracht, damit sie dort Nahrung finden", so der Imker. Er habe allerdings auch enorme Verluste zu verkraften gehabt. "Wenn 70 Prozent der Völker kaputtgehen, ist das nicht mehr normal und schon gar nicht mehr lustig."


Zukunft oder Luxus - Testerlebnisse beim Mobilitätstag

Steffen Mehner kam gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus: "Das ist der Hammer. Ich bin mit einem Hyundai Ioniq Elektro gefahren und total beeindruckt. Das Auto bietet viel Platz und fährt elektrisch." Der ehemalige Gelenauer wohnt schon lange in Bamberg und kommt oft in die alte Heimat. "Die Treibstoffkosten haben sich in den letzten 20 Jahren stark erhöht. Ich überlege jetzt ernsthaft, mir ein Elektrofahrzeug zu kaufen. Gut, dass ich beim Mobilitätstag einmal selbst fahren durfte."

Thoralf Schilde ist über den Punkt der Entscheidung längst hinaus. Der Leipziger kam auf Einladung des Drebachers Thomas Walther zum Mobilitätstag nach Gelenau - mit seinem Hyundai Ioniq Elektro. "Ich nutze das Auto privat und als Firmenwagen und bin vom Konzept überzeugt. Es hat eine Reichweite von 250 bis 280 Kilometern, im Winter nur 30 Kilometer weniger. Das Fahren ist entspannt, an der Ampel lasse ich jeden Porsche stehen, bis er irgendwann aufholt. Das ist einfach die Zukunft."

Daniel Scheffler ist zum ersten Mal mit einem E-Bike gefahren, einem durch eine Elektrobatterie verstärkten Fahrrad. "Das ist eine feine Sache", sagte er. "Aber leider noch totaler Luxus für mich." Viele E-Bikes sind in der Anschaffung teuer mit Preisen im niedrigen viertstelligen Bereich. Daniel Scheffler ergänzte noch: "Ich bin beeindruckt von der Technik, aber leider ist es noch zu teuer. Bei drei Kindern liegen die Prioritäten eben woanders", erklärte der Gelenauer. (dit)

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