Gastronomen machen auf Not ihrer Branche aufmerksam

Seit mittlerweile 50 Tagen sind Cafés, Restaurants und Hotels dicht. Ab Freitag dürfen sie unter Auflagen wieder öffnen. Trotzdem protestieren die Inhaber erneut. Warum?

Olbernhau.

Zum dritten und vorerst letzten Mal haben sich am gestrigen Freitag Gastronomen, Hoteliers und Veranstalter aus dem Erzgebirge getroffen, um im Rahmen der Aktion "Leere Stühle" auf die Existenznot der Branche, bedingt durch die Corona-Krise, aufmerksam zu machen. Dazu wurden diesmal auf dem Areal der Saigerhütte in Olbernhau unter dem Motto "Stille im Welterbe" von insgesamt 66 Unternehmen leere Stühle platziert. Die Veranstaltung fand statt, obwohl seitens des Freistaates Sachsen bereits am Vortag in Aussicht gestellt wurde, dass die Unternehmen der Branche ab 15. Mai wieder öffnen und somit Gäste empfangen und bewirten dürfen.

"Dass es jetzt einen Termin gibt, darüber sind wir alle sehr froh. Allerdings braucht die Branche weitere Unterstützung", sagte Heiko Schmidt, Inhaber der Köhlerhütte in Waschleithe, vor den mehreren Dutzend Anwesenden. Dazu zählt er beispielsweise die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 80 bis 90 Prozent rückwirkend ab der Antragstellung, die dauerhafte Einführung von 7 Prozent Mehrwertsteuer für das Gastgewerbe sowie die Erweiterung des Bundeszuschusses "Soforthilfe" auch auf Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern.

Um diesen weiteren Forderungen Nachdruck zu verleihen, wurden die Gastronomen im Vorfeld dazu aufgerufen, Löffel mitzubringen. Diese sollen am kommenden Freitag in Berlin Regierungsvertretern übergeben werden. Dieses "Löffel abgeben" sei aber mehr als bildliche Übergabe der Forderungen an die Politik gedacht, die nun ihrerseits Lösungen dafür anbieten soll.

So groß die Freude über die nahende Wiederöffnung in der Branche ist, so groß ist auch die Unsicherheit über damit verbundene Auflagen, die erst am kommenden Dienstag vom Freistaat beschlossen werden sollen. "Aufgrund des fehlenden Konzepts haben wir also nur Mittwoch und Donnerstag Zeit, die Forderungen umzusetzen", so der Olbernhauer Hotelier Markus Gorny, der sowohl Hotel als auch Restaurant am kommenden Freitag wieder öffnen möchte. "Wichtig ist die Einhaltung der Grundregeln, die alle in der Kinderstube gelernt haben sollten", sagte Landrat Frank Vogel (CDU) dazu. Gleichzeitig forderte er die anwesenden Unternehmer dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. "Jeder Einzelne hat es in der Hand: Wird ,wilde Sau' gespielt, geht die rote Laterne wieder an", warnte der Landrat. Die zu erwartende Nachfrage ist für die Betreiber sehr schwer einzuschätzen. "Die vollen Einnahmen werden wir wohl vorerst nicht erzielen. Daher müssen wir in den nächsten Tagen und Wochen genau beobachten und justieren, denn die Kapitaldecke ist in den vergangenen Wochen dünn geworden", so Olaf Thomann, Direktor des Hotels Kreuztanne im Saydaer Ortsteil Friedebach.

Bei der Protestaktion in Olbernhau waren diesmal auch Touristiker, Wander- und Bergführer dabei. "Tourismus, Gastronomie und Hotellerie brauchen sich gegenseitig", so Karsten Gräning, der stellvertretende Geschäftsführer des Tourismusverbandes Erzgebirge, der für die Branche einen höheren gesellschaftlichen Stellenwert in Sachsen und ganz Deutschland fordert.

"Um das zu erreichen, würde ich mir wünschen, dass die in der jetzigen Krise gezeigte Art des Zusammenhalts in der Branche weiter erhalten bleibt", so Gräning.

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