Glosse: Fernreise mit Attraktionen

Wer die Herbstferien für eine Fernreise nutzen möchte, muss gar nicht so weit weg.

Vom Borstendorfer Oberdorf ins Unterdorf zum Beispiel benötigen Autofahrer ab Montag statt zwei Minuten fast eine Stunde. Dank einer kurzfristig angesetzten Straßenbaumaßnahme und der damit erforderlichen Vollsperrung der Ortsdurchfahrt ist für die nächsten 14 Tage keine rollende Rochade durchs Schachdorf möglich. Und die offizielle Umleitung über Eppendorf, Großwaltersdorf, Mittelsaida, die Bundesstraße 101, Pockau-Lengefeld, Wünschendorf, Börnichen, Waldkirchen und Grünhainichen kann getrost als halbe Weltreise bezeichnet werden. Da die Ortsdurchfahrt in Leubsdorf ebenfalls gesperrt und die ausgeschriebene Ausweichstrecke über Borstendorf nun für zwei Wochen dicht ist, können die Mittelsachsen ebenfalls die XXL-Schleife durchs wunderschöne Erzgebirge nutzen.

Jenen, deren Fernweh damit nicht gestillt ist, sei als Zugabe eine Tour von Großolbersdorf nach Scharfenstein zu empfehlen. Denn auch dafür ist ein stattlicher Umweg mit vielen Sehenswürdigkeiten erforderlich. Eine besondere Attraktion wartete in dieser Woche auf der B 174 auf die motorisierten Weltenbummler, wo das verkehrgeplagte Hohndorf seine Blütezeit erlebte.

Seit Anfang der Woche ließ die Bußgeldstelle des Landratsamtes an ihren beiden stationären Blitzern den Straßenbelag erneuern, was den Verkehrsfluss durch den Großolbersdorfer Ortsteil prima anstaute und zu mitunter recht langen Wartezeiten führte. Als dann auch noch die Ampelanlage an der Baustelle ausfiel und der Verkehr fast gänzlich zum Erliegen kam, schossen rechts und links des Superstaus fliegende Händler wie Pilze aus dem Boden. Kaffee, Rätselhefte, Räuchermänner, Bratwurst, Zeitschriften, Gartenzwerge, Zuckerwatte, Fischbrötchen, Stundenlutscher. Es gab nichts, was es nicht gibt für die im Stau stehenden Fahrzeugführer aus nah und fern. Zwischen Zschopau und Hohndorf boten ein Friseur, ein Tattoo-Studio und eine Physiotherapeutin ihre Dienste an. Weiter oben standen Hüpfburgen und ein Karussell. Am Ortseingang hatten Schnellzeichner ihre Staffelei aufgebaut. Für ein Porträt konnten sie sich hier viel mehr Zeit lassen als sonst auf der Karlsbrücke in Prag.

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