Großes Geschäft mit Unterhaltungswert

Am 26. August wird der Tag des Toilettenpapiers gefeiert. In einer Wolkensteiner Firma geht das Tagesgeschäft trotzdem weiter. Dort werden die Rollen mit fast 50 Motiven bedruckt.

Wolkenstein.

Dem Gros der Erzgebirger dürfte die Farbe egal sein. Oder ob es mit Bildern oder Texten bedruckt ist. Entscheidend ist die richtige Beschaffenheit. Saugfähig, wasserlöslich, antibakteriell, meistens mehrlagig, manchmal parfümiert. Reißfest, aber trotzdem weich muss es sein. Und am wichtigsten: zur rechten Zeit (in ausreichender Menge) am rechten Örtchen. Manche wickeln es sich um die Hand, manche falten es zusammen. Toilettenpapier - so selbstverständlich wie unentbehrlich.

Dass sich mit Rollen mit Unterhaltungswert trotzdem ein gutes Geschäft machen lässt, zeigt ein an der Heinzebank in Wolkenstein ansässiges Unternehmen. Die Firma Paper + Design GmbH Tabletop bedruckt Toilettenpapier mit bunten Symbolen, Figuren, Texten und Mustern. Zur aktuellen Kollektion gehören Designer-Rollen mit knapp 50 verschiedenen Motiven: etwa Klopapier mit aufgedrucktem "Bitte setzen!"-Hinweis, mit Elchen, Pinguinen, Eulen und Fischen, mit Herzchen, Melonen, Skifahrern, Fußbällen, Sudoku-Rätseln, Stacheldraht, anatomischen Zeichnungen und Weihnachtsmännern. Jede Rolle (dreilagig, 200 Blatt) ist in einer Geschenkklarsichtbox verstaut. Preis (im Onlineshop): 3,89 Euro.


Das 1999 gegründete Unternehmen an der Heinzebank beschäftigt 230 Mitarbeiter. Mit der Herstellung von Papierservietten und -tischdecken, Pappbechern, Dekorkerzen, Untersetzern, Partytellern, Streichholzschachteln, Taschentüchern und bedrucktem Toilettenpapier hat sich die Firma zu einem Marktführer der Branche entwickelt.

Pro Jahr werden etwa 2000 bis 3000 verschiedene Artikel in mehr als 750 Designs gefertigt. Der Verkauf erfolgt in über 80 Länder. Top-Märkte sind West- und Nordeuropa, die USA, Kanada und Australien. Nach Osteuropa, Südamerika und Asien wird ebenfalls geliefert. In Elfenbeinküste, Ghana und Südafrika sitzen weitere Abnehmer.

Der Anteil des Toilettenpapier-Geschäfts am Gesamtumsatz des Unternehmens aus dem Erzgebirge liegt nach Firmenangaben bei etwa vier Prozent. "Im Schnitt rund 210.000 Rollen werden pro Jahr produziert", sagt Anja Weinhold, Mitarbeiterin für Kommunikation und Marketing bei Paper + Design. Schwerpunkt sei eindeutig die Herstellung von Servietten (80 Prozent). Dahinter folgt die Tischdeckenproduktion (14 Prozent).

Die meisten Motive für das Designer-Toilettenpapier, das in der Regel als Geschenk-, Scherz- oder Werbeartikel verkauft wird, seien in der Firma entstanden, "entworfen von kreativen Mitarbeitern", sagt Anja Weinhold. In der Beliebtheitsskala ganz oben rangiert Klopapier mit Hochzeitsmotiven ("Wedding"). Dahinter folgt die mit Dollar-Noten bedruckte Rolle. Komplettiert wird die Top 3 vom Motiv "Cactuses".

Fast jedes Jahr kämen neue Motive hinzu, dafür fielen andere aus der Kollektion. Auch Vereine oder Firmen kommen mit Vorschlägen. Theoretisch könnten auch Privatpersonen ein Motiv in Auftrag geben. Allerdings müsse für ein solches "Private Label" eine bestimmte Mindeststückzahl produziert werden, damit sich das Geschäft mit Unterhaltungswert auch lohne.


Krepppapier in der DDR

Am 26. August wird der Tag des Toilettenpapiers gefeiert. Dieser ist auch als "Toilet Paper Day" bekannt und dient dazu, an die alltägliche Nützlichkeit und Unentbehrlichkeit des Klopapiers zu erinnern.*

Archäologische Funde im ältesten Salzbergwerk der Welt, dem sogenannten Salzberg bei Hallstatt, lassen vermuten, dass in der Bronzezeit Pestwurzen-Blätter auch als Toilettenpapier verwendet wurden.

Toilettenpapier wurde zuerst im 14. Jahrhundert in China produziert. Das perforierte Papier auf Rollen, wie wir es heute kennen, stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. 1890 stellte die Scott Paper Company Toilettenpapier auf Rollen her.

In Deutschland gründete Hans Klenk 1928 in Ludwigsburg die erste Toilettenpapierfabrik Hakle. Damals bestand eine Rolle aus 1000 Blatt rauen Krepppapiers. 1958 verbreitete sich im Westen Deutschlands - aus Amerika kommend - das weichere Tissue-Papier. 1972 wurde das zweilagige, 1984 das dreilagige Klopapier eingeführt. In der DDR blieb Krepppapier lange die einzig verfügbare Sorte.

Zwischen 2,5 und 3 Milliarden Rollen Toilettenpapier werden laut einer Schätzung pro Jahr in Deutschland verbraucht. (fp)

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