Hamburger baut auf Burg eine ganze Zirkuswelt auf

Oliver Schaffer bereitet in Scharfenstein eine ganz besondere Schau vor. Im Mittelpunkt stehen dabei Playmobil-Figuren.

SCHARFENSTEIN.

Mit einem Raubtierwagen fing alles an. Gerade mal drei Jahre war Oliver Schaffer alt, als ihm seine Eltern das Spielzeug der damals noch jungen Firma Playmobil schenkten und nicht ahnen konnten, was sie bei ihrem Jungen für eine Leidenschaft auslösten - Leidenschaft für die faszinierende Welt des Zirkus, die es damals noch gab, und für Playmobil, mit dessen Figuren sich Oliver Schaffer die bunte Welt der Manege in sein Kinderzimmer holte. Heute ist der Hamburger Deutschlands größter Sammler des System-Spielzeugs und Botschafter des Unternehmens Geobra Brandstätter mit Sitz in Zirndorf. Seinen "Zirkus Oliver" aus Kindertagen gibt es immer noch, auch wenn sich vieles in und neben dem Zirkuszelt verändert hat. Am 4. März heißt es "Manege frei" zur Sonderausstellung auf Burg Scharfenstein.

Bis dahin liegt noch ein Stück Arbeit vor dem 38-Jährigen. In mehr als 20 Kisten sind rund 5000 Einzelteile auf der Erlebnisburg angekommen, aus denen die bunte Welt der Artisten, Clowns und Tierdomteure entstehen wird. "In zehn Tagen müsste das zu schaffen sein", rechnet sich Oliver Schaffer selbst vor. Erfahrungen hat er dafür ausreichend. Seine bislang 24 Ausstellungen wurden weltweit von rund drei Millionen Besuchern bewundert.

Geboren und aufgewachsen in Kiel, wurde aus dem ersten Raubtierwagen schon bald eine große Zirkusstadt. "Mein Vater musste mir ein Zirkuszelt basteln, denn das gab es im Playmobil-Sortiment damals nicht", erinnert er sich. Dort installierte der Playmobil-Fan kleine Walkman-Lautsprecher und ließ bei donnernder Parademusik sein Zirkusvölkchen aufmarschieren. Jedes Jahr gab es eine neue Aufführung, und immer waren es 90 Minuten, die sich seine Eltern wieder und wieder anschauen durften. "Meinen Vater musste ich manchmal wecken", blickt der Sammler zurück und lacht. Die Zeitspanne legte damals die Kassette seines Rekorders fest, auf der aktuelle Zirkusprogramme akkurat aufgezeichnet wurden. "Vermutlich wären sonst die Vorstellungen noch ausführlicher gewesen."

Als Teenager verlor Oliver Schaffer das Interesse für seinen Playmobil-Zirkus. 1989 siedelte der 19-Jährige nach Hamburg über, wurde Musicaldarsteller und bekam ein Engagement am Hamburger Operettenhaus. Die Playmobil-Figuren wären sicher heute noch auf dem Dachboden der elterlichen Wohnung, hätte ihn nicht 2002 ein Anruf in seine verspielte Kinderwelt zurück geholt. Die Marketingabteilung von Playmobil interessierte sich für ihn und seinen "Zirkus Oliver". Das Unternehmen feierte zwei Jahre später sein 30-jähriges Jubiläum und vermutete in seinen 15 Kartons die größte Zirkus-Sammlung Deutschlands. "Durch welche Recherche die Zirndorfer auf mich gestoßen sind, weiß ich bis heute nicht."

Oliver Schaffer gehörte zu zehn ausgewählten Sammlern, die das Unternehmen für eine Sonderschau in Speyer ausgewählt hatte. Im Gespräch mit renommierten Sammlern musste er jedoch feststellen, dass sein Zirkus einige figürliche Mängel aufwies. "Da hat mich dann doch der Ehrgeiz gepackt." Sein Zirkus war gut angekommen, weitere Ausstellungsangebote folgten und schon bald auch die erste Einzelschau im Theatermuseum Iserlohn. Den Erfolg sieht Oliver Schaffer, der inzwischen die Bühne verlassen hat und als Casting-Agent weltweit unterwegs ist, im Thema Zirkus. "Hier finden alle Figuren der fast 50 Playmobil-Themen ihren Platz, das Thema interessiert Mädchen und Jungen gleichermaßen und spricht auch ihre Eltern an." Seinen "Ritterschlag" bekam der Sammler und Kurator 2009, als ihn Post aus Paris erreichte. Die Direktion des Louvre wollte seine Sammlung als Sonderschau in dem in einem Flügel untergebrachten Musée des Arts Décoratifs ausstellen. Oliver Schaffer traute seinen Augen nicht. "Ich dachte immer, man muss erst gestorben sein, ehe man ins Louvre kommt", konstatiert er. Der Blick über seine Playmobil-Figuren auf den Eifelturm habe auch seine Eltern mächtig stolz gemacht. "Von seinen Nickerchen während meiner Zirkusvorstellungen als Kind wollte mein Vater nichts mehr wissen."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...