Helden aus Computerspiel und Märchen stehen hoch im Kurs

Der Buchsommer hat in der Zschopauer Bibliothek großen Anklang gefunden. Unter den 43 Teilnehmern zeichneten sich bestimmte Trends ab, auch wenn nur rund die Hälfte am Ende ein Zertifikat erhielt.

Zschopau.

Das Strahlen im Gesicht von Angelique Pal ist unverkennbar. Logisch, denn die 23-Jährige hat gerade ihre Ausbildung als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste erfolgreich abgeschlossen. In der Zschopauer Stadtbibliothek, wo sie bereits in den vergangenen drei Jahren praktische Erfahrungen gesammelt hat, ist sie nun fest angestellt. Doch das ist nicht der einzige Grund für ihre Freude, denn die Freibergerin hat im Zuge ihrer Ausbildung den Buchsommer 2019 betreut - und auch dieses Projekt erwies sich als großer Erfolg.

"Diesmal haben 43 Kinder und Jugendliche teilgenommen. Letztes Jahr waren es nur 30 gewesen", freut sich Angelique Pal über die große Resonanz. Zu spüren sei diese immer schubweise gewesen, was mit den Urlaubswellen zu tun hatte. "Gleich zu Beginn der Schulferien kamen viele, um sich Lesestoff für ihre Reisen zu holen. Dann folgte etwa aller zwei Wochen jeweils der nächste Schub", berichtet die Mitarbeiterin der Bibliothek. Dazwischen kamen natürlich auch immer mal wieder Besucher zum Stöbern. Doch deren Alter musste von 11 bis 16 Jahren liegen, um tatsächlich ein Exemplar des Buchsommers ausleihen zu können. 123 neue Bücher, die vorher nicht zum Sortiment gehörten, waren für das diesjährige Projekt angeschafft worden - und weckten mitunter auch das Interesse etwas älterer Kundschaft. Aber die musste von Angelique Pal bis zum Ende des Buchsommers vertröstet werden.

"Einige haben schon gedrängelt. Sie standen nach dem letzten Tag gleich vor der Tür", berichtet die 23-Jährige, die mit der Auswahl der Bücher offenbar voll den Geschmack der Jugend getroffen hatte. Die Trends, an denen sich die Bibliothek bei der Bestellung orientiert hatte, machten auch um die Zschopauer Region keinen Bogen. "Bücher, die mit dem Spiel Minecraft zu tun hatten, waren fast ständig verliehen", berichtet die Projektleiterin. Neben Comics seien auch Disney-Märchen sehr gefragt. Dabei handelt es sich nicht etwa um Klassiker wie "Die Schöne und das Biest" oder "Schneewittchen", sondern um deren moderne Ableger "Das Biest in ihm" sowie "Die Schönste im ganzen Land". "Darin werden die Geschichten zu bestimmen Figuren erzählt, die vor dem eigentlichen Märchen spielen", erklärt Angelique Pal. Ebenso trug der Jugendroman "Die Buchspringer" dazu bei, die Fantasie der jungen Leser anzuregen und künftig öfter mal in der Bibliothek vorbeizuschauen. "Wir haben Kinder dazu gewonnen, die vorher noch keine Lesekarte bei uns hatten", freut sich die Mitarbeiterin über neue Anmeldungen. Wieder einmal hat der Buchsommer seinen Zweck erfüllt, auch wenn nicht alle Kinder am Ende ein Zertifikat erhielten. Das gab es nur für die 22 Teilnehmer, die innerhalb der Ferien mindestens drei Bücher gelesen und in ihrem Logbuch vermerkt hatten.


Alles dreht sich um Minecraft

Nils Jehmlich (13, Scharfenstein): Minecraft ist nicht nur ein Spiel, das ich gern auf dem Handy spiele. Auch viele meiner Bücher haben damit zu tun. "Ich, der Creeper", "Ich, der Schleim" und "Das Handbuch für alle Minecrafter" waren in den Ferien dran. Bei den ersten beiden handelt es sich um Kreaturen aus dem Spiel. Der Schleim würde gern ein Mensch werden, bis er merkt, dass er es als Schleim doch besser hat. Und Creep will unbedingt die Explosions-Weltmeisterschaft gewinnen. Das ist eine große Herausforderung - genau wie das Spiel selbst, denn man braucht immer verschiedene Ressourcen, um etwas aufzubauen und zu entwickeln. Zeit zum Lesen bleibt aber trotzdem jeden Abend. Wenn's Spaß macht, dann auch mal gleich 400 Seiten am Stück. (anr)


Fasziniert von Fantasiewelt

Chiara Hilgendorf (14, Weißbach): Weil ich erst in der dritten Ferienwoche vom Buchsommer erfahren habe, kam meine Anmeldung ziemlich spät. Aber ich lese sowieso viel und gern, weil es so interessant ist. Dabei kann man in andere Welten eintauchen, am liebsten in die der Fantasie. Deshalb habe ich diese Bücher gelesen: "Die Schönste im ganzen Land", "Das Herz der Zeit" und "Die Buchspringer". Das letzte war das Schönste. Dabei geht es um ein Mädchen, das auf eine Insel kommt und dort erfährt, dass sie in Bücher springen und dort die Helden treffen kann. Das Schwierige ist, dass sie sich dabei nicht in die eigentliche Handlung einmischen darf. Aber natürlich schafft sie das irgendwie. Eine tolle Geschichte, an der ich sogar im Urlaub jeden Tag gelesen habe. (anr)


Im Bann der Schattenbande

Norik Soltau (12, Zschopau): Wenn ich spannende Bücher sehe, dann will ich auch wissen, wie die Geschichte ausgeht. So ist es mir auch bei der Schattenbande gegangen, über die ich in diesem Sommer drei Bücher gelesen habe: "Die Schattenbande hebt ab", "Die Schattenbande in Gefahr" sowie "Die Schattenbande und die große Verschwörung". Es geht dabei um vier Jungen, die noch zu preußischen Zeiten in Berlin leben. Sie sind aus einem Waisenhaus ausgebrochen und erleben viele Abenteuer. Dabei haben sie es meistens ganz schön schwer, aber zum Glück gibt es ja noch Madame Fatale. Sie ist Besitzerin eines Varieté-Theaters und hilft den Jungs. Das war so interessant, dass ich drei Kapitel pro Tag gelesen habe. Zeit zum Reisen und Baden blieb trotzdem noch. (anr)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...