In Zschopau gibt es die erste Rheuma-Praxis im Erzgebirge

Trotz Zulassungsbeschränkung hat die Kassenärztliche Vereinigung die Niederlassung einer zusätzlichen Fachärztin gewährt. Der Grund: ein erhebliches Defizit an ambulant tätigen Rheumatologen.

Zschopau.

Ein Glücksfall für die Stadt und die ganze Region: In Zschopau hat sich eine Rheumatologin niedergelassen. Bei der Praxis an der Gabelsberger Straße handelt es sich um eine Rheumatologische Schwerpunktpraxis - die einzige im Erzgebirgskreis. Dass es Katerina Vladova-Dickel, eine Fachärztin für Innere Medizin/Rheumatologie, die zuletzt als Oberärztin im Bethanien-Krankenhaus im Chemnitzer Zeisigwald tätig war, ausgerechnet in die Motorradstadt verschlagen hat, liegt an der Verkettung von gleich mehreren glücklichen Umständen. Denn eigentlich wollte die 43-jährige Medizinerin nur "irgendwohin ins Erzgebirge". Von Zschopau habe sie zwar gehört, in der Stadt gewesen sei sie bis vergangenen Sommer aber nie.

Katerina Vladova-Dickel stammt aus Bulgarien und lebt seit 2000 in Deutschland. Von Leipzig, wo sie das in ihrem Heimatland begonnene Medizinstudium fortsetzte und erfolgreich beendete, hatte es die angehende Ärztin zunächst ins Fränkische verschlagen. Nach der Ausbildung zur Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie in Nürnberg führten sie 2009 Liebe und Beruf nach Chemnitz. Ihr Mann Thomas Dickel ist Neurochirurg im Chemnitzer Flemming-Krankenhaus. Nachdem Arbeitsumfang und -intensität in den vergangenen Jahren derart zugenommen hätten, dass dem Ärzte-Ehepaar kaum noch Zeit für das Familienleben und die beiden Kinder geblieben sei, sollte eine Veränderung her - eine eigene Praxis. Aber wo?

"Auf der Suche nach einem geeigneten Ort sind wir im Sommer zwei Wochen durchs Erzgebirge gefahren, das mir richtig gut gefällt. Dabei waren wir auch in Zschopau", berichtet Vladova-Dickel. Bei einer Tasse Kaffee im Schloss Wildeck sei sie mit einer Mitarbeiterin der Stadtverwaltung ins Gespräch gekommen, der sie von ihrem Vorhaben erzählte. Die Frau sei sofort begeistert gewesen und sagte, sie kümmere sich. In der Tat. Nur wenige Tage später lud Oberbürgermeister Arne Sigmund die Rheumatologin aus Chemnitz zu einem Gespräch nach Zschopau ein. Darin rührte der OB die Werbetrommel für die Stadt und stellte zudem den Kontakt zu Dr. Johannes Werner her. Der alteingesessene Internist und Hausarzt ist 2018 in den Ruhestand gegangen, womit dessen Praxisräume an der Gabelsberger Straße zum Jahresende frei wurden. Am 27. Dezember war Schlüsselübergabe, am 2. Januar öffnete Vladova-Dickel ihre Praxis.

Doch eigentlich hätte sich die Spezialistin für Rheumatologie gar nicht in der MZ-Stadt niederlassen dürfen. Denn für das Fachgebiet fachärztlich tätiger Internisten besteht im Erzgebirgskreis eine Zulassungsbeschränkung. "Da allerdings unter den bedarfsplanungsrelevanten Stellen kein ambulant tätiger Facharzt mit Schwerpunkt Rheumatologie vertreten war, gewährte der Zulassungsausschuss die zusätzliche Niederlassung einer entsprechenden Fachärztin im Sonderbedarf", so die Pressesprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen, Katharina Bachmann-Bux.

Denn bei der rheumatologischen Versorgung im Zuständigkeitsbereich der KV-Bezirksgeschäftsstelle Chemnitz besteht aktuell ein erhebliches Defizit an ambulant tätigen Rheumatologen. Im gesamten Bereich sind laut Bachmann-Bux lediglich zehn niedergelassene Fachärzte für Innere Medizin mit Schwerpunkt Rheumatologie tätig - für insgesamt 1.439.951 Einwohner (Stand: Juni 2018).

Wie groß der Bedarf ist, zeigten schon die ersten Tage in der neuen Schwerpunktpraxis in Zschopau. "Mehr als 400 Patienten haben sich bereits einen Termin geholt", sagt Katerina Vladova-Dickel, die, obwohl sie die einzige niedergelassene Rheumatologin im Kreis ist, sich keinesfalls als Einzelkämpferin sieht. "Ich werde eng mit meinen ehemaligen Kollegen im Bethanien-Krankenhaus Chemnitz sowie den Kliniken und mit anderen Ärzten in der Region zusammenarbeiten. Nur so ist eine gute Betreuung der Patienten möglich."


"Was man nicht erklären kann, sieht man gern als Rheuma an"

Als Rheuma oder Rheumatismus werden umgangssprachlich schmerzhafte Erkrankungen an Rücken, Gelenken und Knochen sowie Muskeln, Sehnen und Bändern bezeichnet, die oft mit funktioneller Einschränkung einhergehen. Betroffen sein können Knochen (Gelenk- und Knochenrheuma), Muskeln und Gewebe (Weichteilrheuma) sowie Organfunktionen (Stoffwechselstörungen, Gicht). Es gibt 200 bis 400 einzelne rheumatische Erkrankungen, die sich im Beschwerdebild, dem Verlauf und der Prognose sehr unterscheiden können.

Bei vielen Erkrankten ist das Immunsystem gestört, woraufhin der Körper eigene Strukturen wie die Gelenkinnenhaut angreift. Die Grenzen zwischen den Erkrankungen sind oft fließend, weshalb sie kaum zu überblicken und schwierig zu diagnostizieren sind. Eine Redewendung besagt: "Was man nicht erklären kann, sieht man gern als Rheuma an."

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