"Kein Ortsteil bleibt auf der Strecke"

Grünhainichens Bürgermeister Robert Arnold über Generationswechsel in der Lokalpolitik, ein großes Ziel und warum ihn Vereine stolz machen

Grünhainichen.

Robert Arnold (parteilos) gehört zu den jüngsten Bürgermeistern Sachsens. Seit über einem Jahr führt der gelernte Techniker für Landbau die Geschicke im Engeldorf und dessen Ortsteilen. Holk Dohle sprach mit dem 31-jährigen Gemeindeoberhaupt von Grünhainichen.

"Freie Presse": Ihr Alter sei kein Hinderungsgrund, sagten Sie, als Sie sich im Juni 2018 nach fünf Monaten als Interimsbürgermeister zur Wahl stellten. Sehen Sie das noch immer so?

Robert Arnold: Ja. Ich habe in dem halben Jahr nach der Berufung des damaligen Bürgermeisters Günther Schneider ins Innenministerium eine Menge Erfahrungen gesammelt und viel gelernt. Ich hatte das Gefühl, dass ich von den Leuten angenommen werde. In Gesprächen mit Bürgern, Vereinen und in Firmen habe ich viel Rückhalt erfahren und Vertrauen gespürt. Deshalb habe ich mich zur Wahl gestellt und es nicht bereut. Im Gegenteil. Die Arbeit als Bürgermeister macht mir nach wie vor sehr viel Spaß. Jeden Tag passiert etwas Neues - Positives, manchmal auch Negatives. So setzt keine Routine ein. Wie in der Wirtschaft tun Generationswechsel auch der Lokalpolitik gut. Für viele Mitmenschen ist gerade das eine Umstellung, da sie ein anderes Bild von einem typischen Bürgermeister haben. Bei einem Termin in einem Kindergarten fragten die Kinder, wo denn der Bürgermeister bleibe. Dabei war ich schon längst da.

Das Projekt Schulneubau steht seit zwei Jahren auf der Tagesordnung beinahe jeder Ratssitzung und nimmt immer konkretere Züge an. Beginnt nun die heiße Phase?

Das kann man so sagen. Der Neubau der Grundschule auf dem Gelände des ehemaligen Freibades Grünhainichen wird auch in diesem Jahr der Schwerpunkt sein. Die Planungen laufen seit Herbst auf Hochtouren. Unsere Bauamtsleiterin trifft sich regelmäßig mit den Ingenieur- und Architekturbüros zur Lagebesprechung, um Probleme rechtzeitig erkennen und so Mehrkosten oder Zeitverzug vermeiden zu können. Im Mai soll der Bauantrag eingereicht werden. Die Ausschreibung der ersten Bauleistungen ist für das zweite Halbjahr 2019 geplant. Bis dahin geht es mit der Baufeldfreimachung weiter. Der Abriss der Gebäude hat bereits begonnen. Dazu kommt ein großer bürokratischer Aufwand. Trotz der Unterstützung durch den Landkreis und die Kommunalaufsicht verschlingt das Projekt ein wahnsinniges Arbeitspensum in unserer Verwaltung. Für Außenstehende ist vieles verwirrend, etwa die zahlreichen Beschlüsse zur Verkehrsplanung. Oftmals sind es auch nur formelle Dinge, um die Förderfähigkeit nicht zu gefährden. Wenn wir aber nicht dran bleiben, verlieren wir unser Ziel aus den Augen. Der Grundschulstandort soll innerhalb des Verwaltungsverbandes erhalten und nachhaltig gesichert werden. Die ersten Einschulungen sind für 2022 geplant.

Für den Neubau der Schule mit Sporthalle sind 8 Millionen Euro veranschlagt. Das Gros soll mit KSP-Fördermitteln finanziert werden. 1,5 Millionen Euro will die Gemeinde aus Eigenmitteln stemmen, jedoch ist ein Kredit über 2 Millionen in drei Jahresscheiben nötig. Gibt es weitere Investitionen?

Große Sprünge sind nicht möglich, trotzdem bleibt kein Ortsteil auf der Strecke. In Borstendorf etwa sind Sanierungsarbeiten in der Kindertagesstätte geplant. Im Hort wird der Sanitärbereich erneuert. In dem zum Jugendklub umgebauten Wohnraum im Obergeschoss der Turnhalle Grünhainichen stehen Sanitär- und Elektroarbeiten an. Im Museum für Erzgebirgische Volkskunst wird eine neue Heizungsanlage eingebaut und das Gebäude trockengelegt. Zudem wird die Erneuerung der Straßenbeleuchtung fortgesetzt und abgeschlossen - in Borstendorf mit dimmbaren, in Grünhainichen und Waldkirchen mit LED-Lampen. Für die Feuerwehr Grünhainichen ist der Kauf eines Tanklöschfahrzeuges und eines Mannschaftstransporters vorgesehen. Die Flöhatalstraße erhält eine neue Decke. Im Ortsteil Waldkirchen sind Fördermittel für die Dachsanierung der Turnhalle beantragt, ebenfalls ist die Wohnraumsanierung geplant.

Apropos Straßenbau: Die Borstendorfer Ortsdurchfahrt (S 235) befindet sich in einem katastrophalen Zustand. Wird sich daran etwas ändern?

Wir wurden kurzfristig vom Landesamt für Straßen und Verkehr (Lasuv) informiert, dass der erste Bauabschnitt der S 235 in Borstendorf noch in diesem Jahr beginnen soll. Das betrifft den Bereich der Eppendorfer Straße/August-Bebel-Straße zwischen Abzweig Kolonieweg und Abzweig Pfarrweg. In nächster Zeit wird es nun Abstimmungstermine zwischen der Gemeinde, dem ZWA, dem Lasuv und dem Ingenieurbüro geben, in dem weitere Einzelheiten zum geplanten Ablauf besprochen werden. Bisher wissen wir zur avisierten Zeitschiene nur so viel, dass die Ausschreibung der Arbeiten im Juni erfolgen soll und der Baubeginn wie schon gesagt noch im Jahr 2019 geplant ist.

Was hat Sie im vergangenen Jahr stolz gemacht?

Das Engagement der Bürger in unserer Gemeinde. Die vielen Initiativen und Veranstaltungen, die dazu beigetragen haben, Grünhainichen als Lebens- und Arbeitsort attraktiver zu machen. In Waldkirchen bringen junge Familien den Park wieder auf Vordermann, in Grünhainichen wurden Ideen gesammelt und zum Teil schon umgesetzt, um den Spieldosenplatz zu verschönern, und die Borstendorfer haben zum Badfest eine dreitägige Sause auf die Beine gestellt, die sich sehen lassen konnte. Zum Freundschaftsspiel des Wildensteiner SV gegen den FC Erzgebirge Aue kamen 900 Zuschauer. Dabei liefen Fußballer aus Borstendorf, Grünhainichen und Börnichen erstmals gemeinsam in einer Mannschaft auf. Die Premiere des lebendigen Adventskalenders war ebenfalls ein großer Erfolg. Überhaupt brachte der Heimatverein viel frischen Wind in die Gemeinde. All das zeugt von einem intakten Vereinsleben. Darauf bin ich stolz.

Fußballer aus Börnichen? Wird die Eingemeindung vorbereitet?

(lacht) Absolut nicht. Börnichen gehört zum Verwaltungsverband - das passt und läuft sehr gut, so wie es ist. Meinerseits wird es da nie Druck geben. Warum sollte man Sachen ändern oder umkrempeln, die gut funktionieren? Wir haben untereinander eine hervorragende Zusammenarbeit.

Am 1. März haben Sie neben Ihrer Tätigkeit als ehrenamtlicher Bürgermeister einen 20-Stunden-Job in der Verwaltung der Gemeinde übernommen. Was sind Ihre Aufgaben?

Ich bin für Kultur, Tourismus und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. An der touristischen Vermarktung unseres Verwaltungsverbandes habe ich schon seit langem großes Interesse und erhalte nun die Möglichkeit, dies auszubauen. So brauche ich nicht mehr zwischen zwei Arbeitsstellen pendeln - sowohl örtlich als auch gedanklich. Es gibt sehr viele Dinge im Verwaltungsverband, die ich ankurbeln möchte.

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