Königsfliegenpilz macht sich rar

Wie giftig der Pilz wirklich ist, hängt von seinem Standort im Erzgebirgswald ab.

Zschopau/Marienberg.

Bewusstseinsstörungen, Wahnvorstellungen, Euphorie und Psychosen - das sind Begleiterscheinungen einer Vergiftung mit dem Königsfliegenpilz. Bei der Einnahme kommt es zu Magen-Darm-Störungen und Kreislaufversagen. Bei großen Mengen tritt Atemlähmung ein, die zum Tot führen kann. Wer die Vergiftung überlebt, kann sich hinterher an nichts mehr erinnern, berichtet der Rübenauer Biologe Kay Meister.

Verantwortlich dafür sind psychotrope Stoffe wie Muscarin. Auch Ibotensäure gehört zum Gift-Cocktail, den der Pilz beinhaltet. Schon 3,5 Milligramm/pro 1 Kilogramm Körpergewicht wirken tödlich. Das haben Wissenschaftler in Tierversuchen festgestellt. "Nach einer bis zwei Stunden tritt bei Ratten der Tod ein. Das geht relativ schnell", sagt Meister.

Wie viel sich von dem Gift letztlich im Pilz befindet, lässt sich nie mit Bestimmtheit sagen. Denn die Inhaltsstoffe sind vom Standort abhängig. "Ein Königsfliegenpilz kann an einer Stelle deutlich mehr Giftstoffe enthalten als an einer anderen." Der Königsfliegenpilz wächst in der Zeit von Juli bis Oktober in den Erzgebirgswäldern. Kay Meister spricht von einer typisch erzgebirgischen Art. Denn der Pilz bevorzugt saure Böden und lebt in Symbiose mit Fichten. Beides ist im Erzgebirge zu finden. Aber auch im Harz und im Thüringer Wald kommt der Königsfliegenpilz vor. Er ist bräunlich, trägt auf dem Hut Flocken wie der richtige Fliegenpilz und weist die typisch knollenförmige Verdickung am Fuß auf. Zudem trägt er eine Manschette.

Verwechslungsgefahr besteht mit dem Grauen Wulstling und dem Perlpilz - einem beliebten Speisepilz. Wichtiges Unterscheidungsmerkmal: Beim Aufschneiden befindet sich unter der Huthaut des Königsfliegenpilzes eine gelbe Linie. Die ist beim Perlpilz rot und beim Grauen Wulstling grau, erklärt der Biologe. Trotzdem gebe es immer wieder Vergiftungsfälle.

Der Name des Pilzes werde mitunter aus der früheren Verwendung zum Abtöten von Fliegen hergeleitet. In süßer Milch gekocht, ging dessen Gift auf die Flüssigkeit über. Einige Fliegen, die von dem Gebräu gekostet haben, seien allerdings nach einigen Stunden wieder aufgewacht. Auch Schamanen in Nordrussland hätten den Pilz früher massiv als Kultdroge eingesetzt.

Heute befindet sich der Königsfliegenpilz im Erzgebirge auf dem Rückzug. "Die symbiotische Lebensgemeinschaft ist gestört. Die Fichte braucht den Pilz nicht mehr unbedingt, um Nährstoffe aufzunehmen, weil das Angebot zu groß ist. Eigentlich kein gutes Zeichen", befindet Kay Meister.

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