Mit Einfühlungsvermögen und Mut gegen die Einsamkeit

Stollenaktion: Für Sindy Dienelt war das Jahr anspruchsvoll. Neben Corona meisterte die Leiterin des Ambulanten Pflegedienstes in Zschopau noch eine weitere Herausforderung.

Zschopau.

Zwar fällt Susi Decker das Hören inzwischen schwer. Auf den Mund gefallen ist die 91-Jährige aber längst nicht. "Toll, wie ihr uns unterstützt", sagt sie mit strahlendem Gesicht und überreicht dem Personal des Ambulanten Pflegedienstes Zschopau ein Stollen-Dankeschön von "Freie Presse" und der Zschopauer Bäckerei Nestler. Das Team der Sozialbetriebe Mittleres Erzgebirge kümmert sich um die betreute Wohnanlage, in der auch Susi Decker zuhause ist. "Früh und abends helfen sie mir beim Anziehen, bei der Pflege und beim Essenmachen", berichtet die Rentnerin, für die die Besuche der Pflegerinnen eine wichtige Rolle spielen: "Sonst wäre ich ja ganz allein."

Auch nachmittags kann sich die 91-Jährige oft über Geselligkeit freuen. "Wir organisieren auch Veranstaltungen mit Kaffee, Live-Musik oder Spielen", erklärt Sindy Dienelt. Dass sie den Stollen stellvertretend für das gesamte Team in Empfang nimmt, hat seinen Grund. Schließlich ist die 32-jährige Herolderin seit August die Leiterin des Zschopauer Pflegedienstes. Und als solche steht sie vor großen Herausforderungen. Damit ist einerseits die Corona-Pandemie gemeint, die für drastische Einschränkungen sorgte - unter anderem fällt das Nachmittagsprogramm seit Oktober aus. Andererseits hat Sindy Dienelt nun deutlich mehr Personal zu koordinieren, denn die betreute Wohnanlage wurde erst in diesem Jahr von einem anderen Pflegedienst übernommen.

"Insgesamt kümmern wir uns jetzt um 300 Klienten", sagt die Leiterin. Auch die Anzahl der Mitarbeiter (47) hat sich etwa verdoppelt - Veränderungen, die Einfühlungsvermögen erforderten. "Es sind viele Leute dazugekommen. Und jeder hat seinen eigenen Charakter, mit dem man anders umgehen muss", sagt die Herolderin, die sowohl Patienten als auch Mitarbeiter meint. Die Pandemie erfordert besondere Sensibilität im Umgang mit Menschen, aber auch Mut. Anfangs habe es durchaus Bedenken im Team gegeben. "In so eine Situation muss man erst hineinwachsen", meint Sindy Dienelt.

Inzwischen ist die Betreuung von positiv getesteten Klienten mit Spezialbrille, Mundschutz, Schürze und Handschuhen Routine. "Aber zum Glück hatten wir nur vereinzelt Corona-Fälle", betont die Leiterin, die viel Zeit im Büro verbringt. Dort erstellt sie die Dienst- und Tourenpläne, denn auch außerhalb der Wohnanlage freuen sich hilfsbedürftige Rentner auf Besuche der Pflegekräfte. Seit Beginn der Pandemie sei die Anzahl der Angehörigen, die nicht selbst helfen können oder wollen, gestiegen. Die Mitarbeiter kümmern sich um Pflege und Hauswirtschaft und geben Zuwendung. "Mit einigen lesen wir auch Zeitung", berichtet Sindy Dienelt, die trotz ihrer Büroaufgaben selbst viele Gespräche führt. Dabei muss sie häufig besorgte Menschen beruhigen. Manchmal - so wie im Fall von Susi Decker - darf sie sie sich aber auch über Lob freuen.

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