Mit Nadel und Faden gegen die Langeweile

Über mangelnde Beschäftigung der Kinder müssen sich drei Mütter aus der Region auch zu Zeiten des Lockdowns keine Sorgen machen. Dem letzten Kurs in der Marienberger Baldauf-Villa sei Dank.

Marienberg.

Kaum zu fassen, aber wahr: "In Nadelarbeit hatte ich mal die Note 4", sagt Sabine Hochmuth. Als Schülerin hätten ihr die nötige Geduld und auch die Liebe für dieses Handwerk gefehlt. Erst als sie selbst Kinder hatte und für den Nachwuchs Zuckertüten filzen wollte, entdeckte sie ihre Leidenschaft für Stoffe und das, was sich damit anfangen lässt. Inzwischen ist aus der Chemnitzerin die "Wollbine" geworden, die in ihrer Kreativwerkstatt und mit Kursen andere für dieses Hobby begeistert. Auch im Fall dreier junger Mädchen aus dem mittleren Erzgebirge ist ihr das gelungen.

"Und die Muttis brauchen ja auch mal Nachhilfe", sagt Sarah Eichler aus Drebach, die mit ihrer Tochter Rosa das letzte kulturelle Angebot der Marienberger Baldauf-Villa vor dem aktuellen Lockdown wahrgenommen hat. Der von Sabine Hochmuth geleitete Mutter-Tochter-Nähkurs bot die Möglichkeit, eigene Fertigkeiten aufzufrischen und die junge Generation an Nadel und Faden heranzuführen. "Die Handarbeit geht ja immer mehr verloren, alles wird immer technischer", findet Sarah Eichler. Und gerade jetzt in der kalten Jahreszeit, in der Corona auch noch die Freizeitbeschäftigung arg einschränkt, sei dies der perfekte Zeitvertreib. "Ja, es macht richtig Spaß", gab die sechsjährige Leni ihrer Mutter Recht. Dabei ist das Nähen gar nicht so einfach.

Allein schon vor Nadeln ist ein gewisser Respekt stets zu spüren, wie "Wollbine" aus Erfahrung weiß. Mit dem Faden das kleine Loch zu finden, erfordere zudem Geduld. Doch ist auch das erledigt, steige von Minute zu Minute der Spaßfaktor. Und auch der Stolz, denn mit jedem Nadelstich nehmen die Figuren mehr und mehr ihre Formen an. Los ging es mit kleinen Vögeln aus Filz, schon bald folgte ein Igel. Anleitungen für anspruchsvolle Arbeiten wollte die Kursleiterin nicht geben. "Da soll jeder selbst drauf kommen, wie man es vom Schnitt her macht", erklärt Sabine Hochmuth, die nur das Handwerkszeug mitgeben will und sagt: "So könnte es gehen."

Dankbar dafür war neben einem Mutter-Kind-Paar aus Lauta auch Sabine Melzer. Die Wolkensteinerin konnte dank des Kurses den gestalterischen Horizont ihrer Tochter Leni erweitern, denn in der Schule geschehe dies nicht mehr so wie früher. Obwohl es das Fach Nadelarbeit nicht mehr gibt, beschäftigt sich die junge Schülerin immerhin im Rahmen des Ganztagsangebots mit Stoffen. "Aber das ist nur ein Nähmaschinen-Kurs." Erst dank der Hinweise und Tipps der "Wollbine" sei die Kreativität von Leni wirklich angeregt worden. "Es geht ja nicht nur ums Annähen von Knöpfen, sondern auch um eigene Ideen und ums Gestalten", so Sabine Melzer.

Aufgrund der Anregungen aus dem zweitägigen Nähkurs haben die drei Mädchen - und womöglich auch ihre Mütter - bis Ende November genug zu tun. Doch geht es ihnen wie Sabine Hochmuth: Es soll erst der Anfang sein. Als die Chemnitzerin mit dem Nähen und Filzen begann, kam sie davon nicht mehr los. "Es hat mich einfach gepackt", sagt die gelernte Kauffrau, für die das Handwerk zum Nebenjob geworden ist. Oft ist sie auf Handwerkermärkten dabei. Auch Kurse zu geben, macht ihr Spaß. Erst recht in Marienberg, denn "Wollbine" hat in Pobershau ihre Kindheit verbracht und dort einst auch geklöppelt.

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