Nach 30 Jahren in der Verwaltung: Stadtsprecherin sagt adieu

Gisela Clausnitzer hat seit der Wende alle wichtigen politischen Entscheidungen auf Kreisebene an vorderster Stelle miterlebt. Nun geht die Pobershauerin in den Ruhestand. Ein Augenblick, um zurückzublicken.

Marienberg.

Die Arbeit hat ihr immer Freude bereitet und sei Teil ihres Lebens, sagt Gisela Clausnitzer. Doch nun sei die Zeit gekommen, einmal nicht nach dem Terminplan zu leben. Marienbergs Stadtsprecherin und Referentin des Oberbürgermeisters geht in den Ruhestand. Am gestrigen Donnerstag hat sie zum letzten Mal ihr Büro im Rathaus zugeschlossen. Nun blickt sie auf 30 Jahre in den politischen Schaltzentralen und auf unvergessliche Momente zurück.

Dabei hatte es sich die gebürtige Pobershauerin nie träumen lassen, überhaupt einmal in der Verwaltung zu arbeiten. "Mein Traumberuf? Ich wollte unbedingt Schneiderin lernen, Geld mit meinen Händen verdienen, kreativ sein und in der Mangelwirtschaft zugleich meiner Familie und auch anderen Menschen helfen." Tatsächlich wurde ihr Wunsch auch Wirklichkeit. Die politische Wende allerdings erlebte Gisela Clausnitzer beruflich als Verkäuferin in einem Konsum in ihrem Heimatort, in dem sie seit der Geburt ihrer Tochter Kristin zunächst aushilfsweise gearbeitet hatte. Als der Laden und ein weiteres Fachgeschäft, in dem sie anschließend kurzzeitig tätig war, schließen mussten, bewarb sie sich um eine freie Stelle in der Kreisverwaltung. "Es wurden Mitarbeiter gesucht. Ich saß damals im Gemeinderat Pobershau. Und das Ehrenamt hat mir Spaß gemacht." Zudem hatte sie parallel bereits ein Seminar für Kommunalpolitik in Bayern gemeinsam mit ihrem Ehemann Rolf belegt. "1990 waren wir dort ziemliche Exoten, aber wir wurden mit offenen Armen empfangen."

Gisela Clausnitzer wurde angestellt - zunächst im Schulamt Marienberg, danach in der Finanzhauptverwaltung. Es seien verrückte Zeiten voller Umstrukturierungen gewesen. Parallel schloss sie ihr Studium zur Verwaltungsbetriebswirtin ab. Es folgten 1994 der Wechsel ins Kommunalamt, 2002 wurde sie Büroleiterin von Landrat Albrecht Kohlsdorf. "Ich habe in der Kommunalpolitik vieles miterlebt und mitgestaltet", sagt die Pobershauerin. Beide Kreisreformen - 1994 zum Mittleren Erzgebirgskreis und 2008 zum Erzgebirgskreis - zählen dazu. Das Angebot, unter dem neuen Landrat Frank Vogel das Referat Kreistag zu übernehmen, schlug sie aber aus, übernahm stattdessen eine Stelle bei der Stadtverwaltung Marienberg - als Referentin des Oberbürgermeisters.

Seither fungierte Gisela Clausnitzer als Stadtsprecherin, organisierte Ministerbesuche, kümmerte sich um öffentliche Termine, die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und den Partnerstädten sowie um das Amtsblatt. "Rückblickend war es das Beste für mich, in die Stadtverwaltung wechseln zu können", sagt sie. Besonders gut in Erinnerung bleibt ihr der Besuch von Bundespräsident Joachim Gauck in Marienberg, für dessen Empfang sie 2014 mit zuständig war. Auf Vorschlag von Gisela Clausnitzer wurden zudem Oberbürgermeister a. D. Thomas Wittig aus der Bergstadt mit dem Preis "Bundeswehr und Gesellschaft" in Berlin gewürdigt, wo sie Ursula von der Leyen, damalige Verteidigungsministerin und heutige EU-Kommissionspräsidentin, kennenlernte. Auch alle vier sächsischen Ministerpräsidenten nach der Wende hat die Erzgebirgerin persönlich erlebt.

Marienbergs jetziger Oberbürgermeister André Heinrich würdigt zum Abschied ihre Arbeit. Sie habe hervorragend nach außen gewirkt und auch an langen Tagen, die nicht selten waren, nie auf die Zeit geachtet. Die Nachfolge der Pobershauerin tritt nun Katja Rosenbaum an.

Und Gisela Clausnitzer? Sie möchte ihre neu gewonnene Freizeit nutzen, um wandern zu gehen und zu reisen. "Ich liebe Italien und Südtirol, würde auch gern noch einmal Rom besuchen." Doch ganz oben auf dem Zettel steht: so viel wie möglich Zeit mit Freunden und Familie verbringen. Denn das war in ihrem intensiven Berufsleben nicht immer möglich.

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