Närrisches Urgestein tritt aus der ersten Reihe zurück

Eckhard Börner hat den Witzschdorfer Fasching entscheidend mitgeprägt. Seine Büttenreden sind jetzt eine Erinnerung.

Witzschdorf.

Er gehört zum Urgestein des Witzschdorfer Faschings, hat den Karnevalsverein mit aus der Taufe gehoben und war für seine außergewöhnlichen Büttenreden bekannt. Nach 38 "Dienst"-Jahren nimmt Eckhard Börner in der kommenden Saison Abschied von der aktiven Vereinsarbeit. "Man muss wissen, wann Schluss ist und den Staffelstab rechtzeitig an Jüngere abgeben", so das Credo des Witzschdorfers.

Missen möchte der einstige Bürgermeister der kleinen Gemeinde und spätere Leiter des Verwaltungsverbandes Wildenstein die Zeit mit Narrenkappe und spitzer Zunge auf der Bühne des Witzschdorfer Gasthofes nicht. "Ich bin für den Fasching aufgegangen", resümiert er aus tiefstem Herzen und schaut auf den großen Aktenschrank im Arbeitszimmer seiner Wohnung. Feinsäuberlich nach Jahrgängen sortiert befindet sich dort alles, was einst in der fünften Jahreszeit zum Schmunzeln, Lachen oder auch zum Nachdenken angeregt hat. Nicht ganz ernst zu nehmende "Orden wider den tierischen Ernst" befinden sich zwischen vergilbten Plakaten, Handzetteln, alten Programmen, Rollenbesetzungen - und den vollständigen Manuskripten seiner Büttenreden. Doch diese entstanden erst später, als der Fasching im Ort schon auf festen Beinen stand, jedes Jahr ein Motto ausgegeben wurde und seine Festrede der Auftakt für ein Faschingsprogramm mit vielen Akteuren war.

Angefangen hatte alles ganz anders. "Im Ort gab es vor 40 Jahren noch einen gemischten Volkschor", erinnert sich Eckhard Börner. Neben Proben und öffentlichen Auftritten trafen sich die Sänger auch jährlich zu einer internen Faschingsfeier, die im Ort schon bald zum Gesprächsthema wurde und auf großes Interesse stieß. "Fasching war ja in der DDR-Zeit wenig verbreitet. Lediglich in der Nachbargemeinde Grünhainichen wurde die Fastnacht gefeiert." Die Gründung des Witzschdorfer Karnevalsvereins WKV war also eher eine Formsache, die Organisation jedoch schon bald eine Herausforderung für Eckhard Börner und die Gründungsmitglieder. "Angefangen haben wir mit zwei Veranstaltungen im viel zu kleinen Saal des Gasthofes. Mitte der 1980er-Jahre gab es nach dem Auftakt am 11.11. sechs Veranstaltungsabende", blickt der 65-Jährige zurück.

Mit feiner Ironie und verstecktem Witz würzten die Witzschdorfer ihr Programm. "Besser das elegante Florett statt des derben Säbels", lautete auch die Devise Börners bei der Erarbeitung seiner mehr als 30 Büttenreden. Natürlich wurde die große Politik mit DDR-Mangelwirtschaft, fehlender Reisefreiheit und Funktionärswillkür auf die Schippe genommen.

Jedes Dorf hat auch sein Unikum, das für einen Faschingsspaß taugt. Unter die Gürtellinie sei kein Witz gegangen. "Das war eisernes Prinzip." Bei aller Kritik am System fand man die Balance zwischen gerade noch Erlaubtem und Anspielungen mit Seitenhieb, ohne persönliche Nachteile zu fürchten oder das Ende des Witzschdorfer Faschings zu riskieren. "Als ungebetene Gäste in Zivil Platz nahmen, unser Programm filmten und gleich in den Wartburg vor dem Gasthof übertrugen, war 1988 das Ende der DDR schon programmiert", sagt Eckhard Börner, lacht und spielt auf seine Büttenrede 1987 an. Mit großen Tönen lobte der Bürgermeister damals die Planerfolge der fleißigen Motorradbauer und den Verkauf ihrer MZ-Maschinen in alle Welt. "Nun haben die Zschopauer auch ihren Betriebsdirektor exportiert", lautete seine Schlussfolgerung, die den Funktionären der Staatssicherheit zu Ohren gekommen war und auf wenig Gegenliebe stieß. Der Hintergrund: Im Spätsommer des Vorjahres war der MZ-Chef von einer Dienstreise aus den Niederlanden nicht zurückgekommen.

Seinen Entschluss aufzuhören will Eckhard Börner nicht noch einmal überdenken. "Ich bleibe im Karnevalsverein und bringe mich auch weiterhin ein. Mehr nicht", legt er sich endgültig fest und hinterlässt wohl einiges Bedauern bei den Narren. Seine Frau Hannelore gehört nicht dazu. "Sie ist nicht zwingend der Faschingstyp und hat all die Jahre viel Geduld mit mir gehabt."

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