Naschkatzen haben viel zu staunen

Seine mitgebrachten vier Kilo Kuvertüre hat Mathias Rückert beim Schokoladentag nicht ganz aufgebraucht. Fans der süßen Masse kamen dennoch auf ihre Kosten. Und es wurde ein ganz besonderes Rätsel gelöst.

Gelenau.

Die Weihnachtsschau im Depot Pohl-Ströher geht noch bis zum 27. Januar, ein Zwischenresümee zieht Depotleiter Michael Schuster aber schon jetzt: "Wir hatten bis jetzt 10.800 Besucher, das ist in etwa die Zahl wie in den Vorjahren." Am Samstag erlebten die Besucher mit dem Schokoladentag etwas ganz Besonderes, denn sie konnten miterleben, wie Schokolade in Formen gebracht wurde. Dem Chemnitzer Mathias Rückert, Sammler von Schokoladenformen, und seiner Frau Gabriela konnten die Neugierigen dabei ganz genau auf die Finger sehen. "Ich bin kein Chocolatier und habe mir die Technik selbst angeeignet. Als Ausgangsstoff nehme ich Kuvertüre", erzählte der 58-Jährige, der für den Erwerb spezieller Formen auch schon mal längere Fahrten auf sich nimmt.

"Wir sind wegen des Schokoladentages hergekommen, die Verarbeitung haben wir noch nie gesehen", sagten die bekennenden Schokoladenliebhaber Robert und Cornelia Möckel. Sie hatten ihre Kinder Alexa und Julian und deren Großmutter Silke Möckel ins Auto gesetzt und nach Gelenau kutschiert.

Mit vier Kilogramm Kuvertüre war Mathias Rückert nach Gelenau gekommen. Dass diese nicht aufgebraucht wurden, lag laut Michael Schuster am Wetter. "Viele haben sich nicht getraut, mit dem Auto zu fahren, denn es war wieder Eisregen befürchtet worden", vermutete der Depotleiter.

Michael Schuster konnte am Wochenende zudem ein Geheimnis lüften. Gesucht worden war der Schnitzer ganz besonderer Pyramidenfiguren. Das Außergewöhnliche daran ist die dargestellte Kneipenszene mit Trunkenbolden, die sich zuprosten. Als Schnitzer wurde eindeutig Gerhard Lohß aus dem Annaberg-Buchholzer Ortsteil Buchholz identifiziert. Bernd Lahl, Geologe und Sachbuchautor, hatte es an der Darstellung der Figuren erkannt.

Mitgebracht hatte er eine geschnitzte Szene, die einer anderen des Schnitzers der Pyramidenfiguren aufs Haar gleicht. "Zwei Kinder sind dargestellt, die von einem Polizisten beim Apfelmausen erwischt wurden. Ich besitze dieselbe Szene und weiß genau, dass mein Vater sie hat schnitzen lassen. Von Gerhard Lohß", erzählte der Chemnitzer Rätsellöser. Dorit Mühlig hatte die Pyramide als Dauerleihgabe dem Depot zur Verfügung gestellt. Sie kam am Wochenende ins Gelenauer Depot und auch Brigitte Kindermann, die Tochter des Schnitzers, war mit vor Ort.

Gerhard Lohß selbst lebt 92-jährig in einem Pflegeheim, über seinen Werdegang konnte aber seine Tochter Brigitte Kindermann viel berichten: Er lernte mit zehn Jahren das Schnitzen, erlernte den Beruf des Werkzeugschlossers bei der Auto-Union in Zschopau, war Schweißer bei der Wismut, arbeitete als Kupferschmied in Buchholz und viele Jahre als Schnitzer bei der Firma Emil Helbig, Kunstgewerbliche Schnitzereien in Grünhainichen. Das Lebensmotto ihres Vaters sei gewesen, dass es ohne Schnitzen eben doch nicht geht, sagte Brigitte Kindermann.

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