Neuanfang nach Aus von Online-Plattform

Seit Jahren hat Dawanda vielen kleinen Anbietern als Verkaufsplattform gedient. Nun ist Schluss - für die Verkäufer ist das jedoch auch eine Chance.

Marienberg.

Richtig überraschend ist das Aus nicht gekommen, meint Katja Gradt. Die Rübenauerin handelt auf Dawanda unter dem Namen Leomaxi nicht nur selbst Gehäkeltes, sondern auch entsprechende Anleitungen. Verkauft hat sie so auf der Online-Plattform seit 2009 schon fast 11.000 Produkte. Die veröffentlichten Zahlen von Dawanda hat sie schon länger mit Sorge betrachtet. "Sowohl die anderen Händler als auch ich haben natürlich gehofft, dass dieses Szenario noch abwendbar ist", sagt die Händlerin. Doch das war es offenbar nicht - die beliebte Seite gibt es nicht mehr.

Dawanda ist eine Handelsplattform für Handgemachtes. Bastler können dort eigens hergestellte Produkte und Utensilien zum Selbermachen verkaufen. Dazu legen sie sich einen eigenen Shop auf der Seite an und stellen ihre Produkte ein. Neben Dawanda gibt es zum Beispiel noch Makerist und Palandu. Diese Seiten finanzieren sich über Provisionen - verdienen also an jedem verkauften Artikel mit. Bei Dawanda stagnierten die Zahlen zuletzt immer wieder, weshalb man sich nun zum Rückzug aus dem umkämpften Markt entschied.

Eine Katastrophe ist das für Katja Gradt nicht. Mit ihren Häkelanleitungen hat sie sich inzwischen ein zweites Standbein aufgebaut. "Schlecht ist es für das Geschäft mit meinen Meerjungfrauendecken. Die liegen jetzt alle hier rum und finden keine Käufer mehr." Neue Abnehmer versucht sie auf der deutlich größeren und internationaleren Plattform Etsy zu finden. Dawanda empfiehlt seinen Händlern diesen Schritt, hilft sogar beim Umstieg. Bei über 500 Artikeln ist dies für die Verkäuferin aber keine leichte Aufgabe. Zwar kann sie ihre Produkte mit wenigen Klicks übertragen, dennoch müssen viele Details manuell angepasst werden. "Ich habe aber alle Produkte retten können", sagt Gradt.

Denn ein Umstieg auf eine andere Plattform bedeutet auch, dass zahlreiche Kunden verloren gehen. Das weiß auch Annett Voigt. Seit einem Jahr ist sie selbstständig, hat inzwischen unter dem Namen Wichtelino einen eigenen Laden in Marienberg eröffnet, in dem sie Stoffe und Nähzubehör verkauft. Neben einem Umstieg zu Etsy und einer neuen Verkaufsplattform namens Dohero versucht sie auch, ihre Kunden für den eigenen Onlineshop zu gewinnen. Ihre zahlreichen Kunden von Dawanda dorthin zu bewegen, wird aber kein leichtes Unterfangen. "Wie wir das schaffen können, wird sich noch zeigen", sagt die Verkäuferin, die vom Aus der Berliner Internetseite überrascht wurde: "Ich war geschockt. Über Jahre habe ich mir dort einen Namen gemacht, erst seit Kurzem liefen die Geschäfte fast von allein."

Für die Entscheidung von Dawanda hat Annett Voigt wenig Verständnis: "Es wäre wirklich interessant zu wissen, wieso die Seite geschlossen wurde." Unzufrieden ist sie auch mit der Kurzfristigkeit der Ankündigung. Die Pressemitteilung über die Schließung kam am 30. Juni - nur zwei Monate vor dem gestrigen, endgültigen Aus. Viel zu wenig Zeit sei das, um sich ein neues Standbein aufzubauen, so Annett Voigt.

Auch Katja Bewer ist mit der Kommunikation von Dawanda unzufrieden. "Ich habe darüber auf Facebook erfahren. Ich dachte erst, das seien Fake-News. Als Händlerin hätte ich das doch als erstes erfahren sollen", sagt sie. Auch sie wechselt nun zu einem eigenen Shop. "Ich habe den Verkauf immer nur als Beiwerk für meine Workshop-Kunden betrieben", meint die Drebacherin. Der Umstieg auf eine eigene Seite bedeutet für sie viel Arbeit und eine große Herausforderung. Dennoch, so meint Katja Bewer, sehe sie in dem Neuanfang auch eine echte Chance.


Alternativen zu Dawanda

Etsy ist der internationale Marktführer, wenn es um den Verkauf von Selbstgemachtem geht. Viele sehen die enorme Größe des Angebotes aber auch als Problem.

Dohero wird bald als neue Plattform an den Start gehen. Nach dem Aus von Dawanda kündigte Stoffwelten.de den Start der Plattform an.

Palandu ist eine weitere Alternative aus Deutschland. Im Gegensatz zu anderen Shops werden hierbei zunächst alle Produkte auf Handarbeit geprüft.

Makerist bietet vor allem Produkte zum selbst basteln. Verkauft wird trotzdem über externe Händler, die ihre Produkte dort anbieten.

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