Praktikum im Grünen hilft gegen Sitzungsstress

Die meiste Zeit verbringt Alexander Krauß im Büro und in Konferenzen. Ein Abstecher in die Dittersdorfer Baumschule tat dem Bundestagsabgeordneten gut - nicht nur in körperlicher Hinsicht.

Dittersdorf.

Sollte Alexander Krauß irgendwann einen neuen Job suchen, steht ihm die Tür der Dittersdorfer Baumschule immer offen. "Er kann gern bei uns anfangen", sagte deren Geschäftsführerin Evelyn Naue schmunzelnd, nachdem sie den CDU-Bundestagsabgeordneten am Donnerstagvormittag eine Stunde lang als Praktikanten erlebt hatte. Schon die Kluft des 43-jährigen Schneebergers, der kurz darauf zur nächsten Sitzung nach Dresden musste, sorgte bei Naue für Staunen: "Wie er in seinen Gummistiefeln kam, war schon beeindruckend."

Nicht nur mit seiner Ausstattung verschaffte sich der ungewöhnliche Praktikant Respekt, sondern auch mit seiner Leistung. Denn bevor sich Krauß auf den Weg gen Landeshauptstadt machte, hatte er 50 Quadratmeter des Jungpflanzenbereichs mit einer Hacke vom Unkraut befreit. "Jetzt weiß ich auch, was sich da in meinem eigenen Garten so breit gemacht hat. Es ist die Vogelmiere", so Krauß. Obwohl dem viel beschäftigten Politiker auch in Zukunft daheim kaum Zeit bleiben wird, etwas gegen dieses Unkraut zu unternehmen, freue er sich zumindest mit seinem Sohn: "Der hat Bohnen angebaut und kann immer wieder etwas ernten."

Über die Pflege von Sanddorn, Zierkirsche, Eberesche und Rotbuche hat Alexander Krauß am Donnerstag viel dazu gelernt. "Das sind echte Experten für Nachhaltigkeit", lobte er die insgesamt 18 Mitarbeiter der Baumschule, mit denen er sich nicht nur über Pflanzen austauschte. "Mich interessiert, was den Menschen hier wichtig ist und was sie bewegt", so der Bundestagsabgeordnete. Dabei ging es weniger ums schnelle Internet, das in Dittersdorf und den anderen Amtsberger Ortsteilen im Rahmen eines sachsenweiten Pilotprojekts realisiert wird. "Wir brauchen eh nur Fax und Festnetz", erklärte Evelyn Naue, für die der Klimawandel ein viel wichtigeres Thema ist: "Seit 31 Jahren bin ich inzwischen hier, aber dass der Zufluss zu unserem Bewässerungsteich zum zweiten Mal in Folge austrocknet, habe ich zuvor noch nie erlebt." Auch darüber, wie schwierig sich die Suche nach Nachwuchs gestaltet, wurde gesprochen. Schließlich ist der Weg bis zur nächsten Berufsschule in Wurzen weit. Doch es gibt auch Hoffnung: Einer der Mitarbeiter sei aus dem IT-Bereich zur Baumschule gewechselt.

Ob Alexander Krauß den Beruf wechselt, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall genoss er sein Praktikum, das vom Deutschen Baumschul-Verband initiiert worden war: "Wenn man den ganzen Tag in Sitzungsräumen verbringt, tut die Zeit an der frischen Luft gut." Kurz darauf standen bereits wieder wichtige Gespräche für ihn an.

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