Radwege: Erzgebirger machen mobil

Ins Freibad, zur Schule oder zur Arbeit: Damit Radfahrer auch im südlichen Teil von Mittelsachsen bessere Bedingungen bekommen, arbeiten zehn Orte nun an einem eigenen Konzept.

Neuhausen/Sayda.

Zehn Orte im südlichen Teil des Nachbarlandkreises fühlen sich in der aktuellen mittelsächsischen Radverkehrskonzeption zu wenig berücksichtigt. Deshalb lassen sie nun ein eigenes regionales Radwegekonzept erstellen, das auf spezielle Bedürfnisse zugeschnitten sein soll, die etwa die Geografie des Erzgebirges mit sich bringt.

Ziel ist, die Orte für den Radverkehr nahtlos miteinander zu verknüpfen. Dazu haben sich die Bürgermeister von Brand-Erbisdorf, Bobritzsch-Hilbersdorf, Weißenborn, Lichtenberg, Mulda, Großhartmannsdorf, Dorfchemnitz, Sayda, Neuhausen und Rechenberg-Bienenmühle getroffen.


Im Dezember hatte der Kreistag die sogenannte fortgeschriebene touristische Radverkehrskonzeption für Mittelsachsen ab 2018 beschlossen. Darin dreht es sich um bestehende Routen, Fahrbahnzustände und -oberflächen sowie den Bedarf an weiteren Verbindungen. Insgesamt erstreckt sich das mittelsächsische Radwegenetz über 270 Kilometer. Rund 5,6 Millionen Euro seien erforderlich, um Lücken im Netz zu schließen, sagte Vize-Landrat Lothar Beyer (CDU) Ende vergangenen Jahres.

"Das novellierte Konzept hat aus unserer Sicht den Akzent vorwiegend im nördlichen Landkreis gesetzt", sagt Martin Antonow (parteilos), Oberbürgermeister von Brand-Erbisdorf, stellvertretend für die zehn Orte. Vermutlich habe man sich sehr am Radwegekonzept des Freistaates orientiert. Thomas Schurig, parteiloser Bürgermeister von Dorfchemnitz, drückt es deutlicher aus: "Man könnte meinen, die Planung höre hinter Freiberg auf."

Auf Nachfrage im Landratsamt widerspricht Pressesprecher André Kaiser dieser Ansicht: "Im Konzept des Landkreises wurden alle Kommunen berücksichtigt. Ziel war die Verdichtung der Routen des Sachsen-Netz Rad durch Kreisradrouten. Die Kommunen untersetzen dieses Konzept durch regionale Routen." Dafür hätten sie den Kreis gebeten, so Kaiser, die Trägerschaft zu übernehmen.

In dem neuen Plan "sollen Vorschläge zu Streckenführungen für den touristischen sowie den Alltags-, Schüler- und Berufsradverkehr einschließlich der Anbindung an die Nachbarregionen und Landkreise sowie grenzübergreifend erarbeitet und abgestimmt werden", heißt es auf der Webseite des Landkreises. Im Konzept sollen notwendige Ausbaustandards festgelegt, eine Kostenschätzung, eine Prioritätenliste für die Umsetzung sowie Vorschläge für Standorte von Rastplätzen und deren Ausstattung gemacht werden. Das rund 47.000 Euro teure Konzept entsteht in einem Dresdner Planungsbüro; spätestens im Dezember 2020 soll es fertig sein.

"Im Prinzip ist es ein Schubladen-Konzept für künftige Investitionen", fasst Antonow zusammen. Je nach finanzieller Situation könne eine Kommune auf Grundlage des Konzeptes sofort investieren und dort bauen, wo es am nötigsten ist.

Ideen haben die Bürgermeister schon parat: Für Thomas Schurig hat eine Radverbindung von Dorfchemnitz nach Mulda Priorität. "Dann könnten die Kinder sicher mit dem Rad nach Mulda ins Bad fahren", sagt er. "Der alte Bahndamm ist dafür ideal. Er hat ein gleichmäßiges Gefälle, der bauliche Untergrund ist komplett da, und ein großer Eingriff in die Natur ist es auch nicht", argumentiert er für die etwa vier Kilometer lange Strecke.

Auch Michael Funke (parteilos), Bürgermeister von Rechenberg-Bienenmühle, hat schon Vorstellungen: Neben den Kurzanbindungen zu den bestehenden Radrouten in der Gemeinde seien zwei neue geplant. "Zum einen möchten wir den Muldentalradweg, der aktuell auf der Staatsstraße 185 und weiterfolgend Richtung Mulda verläuft, gern neben die Straße bringen. Der Radweg auf der S 185 ist viel zu gefährlich und wird entsprechend auch nicht so genutzt." Die andere Idee sei eine Radwegverbindung entlang der Bundesstraße 171 von Clausnitz nach Bienenmühle und weiter nach Rechenberg.

In Brand-Erbisdorf, sagt Antonow, seien die Anbindung nach Großhartmannsdorf und die Verbindung von Langenau und Brand-Erbisdorf schon lange in der Diskussion. Weiter wolle er sich nicht hinauslehnen, schließlich sollen auch die Bürger Ideen einbringen. Frauenstein beteiligt sich aus Kapazitätsgründen nicht am Konzept, sagt Bürgermeister Reiner Hentschel auf Nachfrage. Zum Beispiel will die Stadt bereits Fördergelder der Europäischen Union für die Mountainbike-Strecke 8000er-Blockline an Land ziehen.

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