Rumpelkammer wird zum Bundesamt für Humor

"Ist das noch lustig, oder kann das weg?" Dieser Frage geht Schauspieler Udo Prucha am heutigen Freitagabend im Eduard-von-Winterstein-Theater nach. Die Geschichte der Inszenierung war allerdings nicht nur lustig.

Annaberg-Buchholz.

Es ist endlich so weit: Udo Prucha startet mit seinem Soloprogramm "Lachen und lachen lassen" auf der Studiobühne des Eduard-von-Winterstein-Theaters in Annaberg-Buchholz. Eine Inszenierung, die einen besonders langen Weg hinter sich hat. Schon mehrfach war sie angekündigt und wieder verschoben worden. Mehrfach hat sich auch das Programm verändert. Anfangs noch als Eberhard-Cohrs-Abend konzipiert, spielt der mittlerweile nur noch eine Rolle von vielen in diesem Soloprogramm. Das erlebt am heutigen Freitagabend in seiner dritten Fassung - gestaltet von Regisseur Rolf Voigt - seine Premiere.

Der ist mit fast 80 Jahren immer noch ein Schwergewicht in der ostdeutschen Kleinkunstszene. Dafür stehen bekannte Kabarettnamen wie die Kugelblitze aus Magdeburg, die Kiebitzensteiner aus Halle oder auch die Pfeffermühle aus Leipzig. Und auch im heimischen Theater ist er kein Unbekannter mehr, hat er doch insbesondere mit Udo Prucha schon vielfach zusammengearbeitet - unter anderem bei dem Loriot-Programm "Lassen Sie sofort meine Frau ins Bett" oder auch bei dem Heinz-Erhardt-Abend "Warum die Zitronen sauer sind". Und so sieht es Udo Prucha bei allen Widrigkeiten, mit der diese Inszenierung bisher zu kämpfen hatte, als einen "großen Glücksumstand", dass Rolf Voigt als Regisseur gewonnen werden konnte. Denn viel Zeit zum Proben ist den beiden nicht geblieben. Erst vor wenigen Tagen hat beispielsweise endgültig festgestanden, dass es keinen Bühnenpartner für Udo Prucha geben wird. Ursprüngliche Pläne für Szenen die einst von Helga Hahnemann oder auch vom Komikerduo Rolf Herricht und Hans-Joachim Preil gespielt worden, mussten also wieder gestrichen werden.

Und dennoch findet sich im Archiv des Bundesamtes für Humor noch reichlich Material. Was sich in Jahrzehnten auf dem Dachboden der Unterhaltungskunst in Ost und West angesammelt hat, soll nun entrümpelt werden. Als Archivar - eigens von der Bundeskanzlerin in dieses wichtige Amt berufen - stellt sich Udo Prucha also immer wieder die Frage: "Ist das noch lustig, oder kann das weg?" Seinem strengen Urteil entgeht dabei ein Dieter Hildebrandt genauso wenig wie ein Loriot, ein Heinz Erhardt ebenso wenig wie der schon angesprochene Eberhard Cohrs. Auch an den nicht weniger legendären Schauspieler und Entertainer Peter Frankenfeld wird erinnert - der Liebling von Udo Prucha. Doch nicht nur Fernsehgrößen vergangener Zeiten werden während der Entrümpelungsaktion wieder zutage gefördert. Auch der noch aktive Kabarettist Arnulf Rating beispielsweise kommt zu Wort. Und sogar Bundestrainer Joachim "Jogi" Löw mischt sich ein. Argwöhnisch beobachtet wird das Ganze zudem im Himmel vom ewig grantelnden Marcel Reich-Ranicki, der sich zudem einen Kommentar zur aktuellen Regierungskoalition nicht verkneifen kann.

Eine Vielfalt an Figuren und Charakteren, die zur besonderen Herausforderung wird. Denn sie agieren gewissermaßen im fliegenden Wechsel auf der Bühne. "Man hat zwar keine Zeit, aber man muss sie sich trotzdem nehmen", sagt Udo Prucha. Dem dabei zum einen seine langjährige Erfahrung - er ist mittlerweile der dienstälteste Schauspieler des Ensembles - und zum anderen sein großes Improvisationstalent zugutekommen. Eine Herausforderung, die für ihn aber auch den besonderen Reiz der Inszenierung ausmacht. Als Rahmen dafür hat Ausstatter Martin Scherm ebenfalls eine Legende der Fernsehunterhaltung ausgewählt: "Willi Schwabes Rumpelkammer", die von 1955 bis 1990 im DDR-Fernsehen zu sehen war.

"Lachen und lachen lassen" gibt es erstmals am heutigen Freitagabend ab 20 Uhr auf der Studiobühne zu sehen. Weitere Termine: 12. Februar, 3. und 24. März (Beginn jeweils 20 Uhr); 14. April (Beginn 15 Uhr).

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