Samuel im Doppelpack: Das Leben ist eine Achterbahn

Ein Schauspieler und ein Sänger bescheren dem Publikum in Zschopau einen ganz besonderen Abend. Mit lockeren Gesprächen, Musik und einer Portion Nachdenklichkeit.

Zschopau.

Ein ganz besonderer Abend mit zwei besonderen Männern: Am Montagabend saßen zwei Samuels in grauen Ohrensesseln auf einer Bühne vor dem Altar der Zschopauer St. Martinskirche nebeneinander. Samuel Koch, der 2010 in Thomas Gottschalks Fernsehshow "Wetten, dass ...?" schwer verunglückte und seitdem querschnittsgelähmt ist, und Samuel Harfst, ein deutscher Singer und Songwriter, der mit seinen Liedern über Glauben und Liebe in keine Schublade passen will. Der eine las aus seinen drei Büchern; der andere präsentierte Lieder aus seinen bisher acht Alben.

Die Idee, die beiden nach Zschopau einzuladen, hatte der Gemeindepädagoge des Kirchenbezirkes Marienberg, Matthias List. "Ich habe im Bekanntenkreis von der Konzertlesung erfahren und daraufhin im November vergangenen Jahres einfach mal eine Anfrage an das Management der beiden gestellt, die schnell positiv beantwortet wurde", berichtet List.

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Der Abend in Zschopau war eine Mischung aus Konzert, Lesung und Plauderrunde. Zwei Freunde unter sich, mögen viele gedacht haben. Beide plauderten, lachten, hinterfragten und stellten in Frage. Neben entspannten und lockeren Gesprächen über Familie und den Alltag gab es auch Passagen, die mit Samuel Kochs Unfall zu tun hatten. Er, der frühere ambitionierte Geräteturner, arbeitet heute als Schauspieler in Mannheim. Er erzählte aus seiner Zeit in der Reha, den Schwierigkeiten im neuen Alltag und den Gedanken. "Das Leben ist wie eine Achterbahn - es geht bergauf und bergab. Und gerade das ist das Schöne", sagte Samuel Koch. Dabei regte er mit seinen Aussagen zum Nachdenken an und lockerte die Situation mit seinem Humor auch gleich wieder auf.

Samuel Harfst umrahmte die Konzertlesung musikalisch mit Titeln aus seinen Alben. Mit den gefühlvollen und vom Glauben geprägten Liedern unterstrich er die Aussagen seines Namensvetters. Der deutsche Sänger und Liedermacher hat es vom Straßenmusiker in die Werbung und kurze Zeit später ins Vorprogramm von Whitney Houston geschafft.

Koch war bereits vor seinem Unfall ein Fan seiner Musik, wie er bekannte. Befreundet sind die beiden, seit Harfst Koch in der Schweizer Rehaklinik besuchte. Bereits seit 2013 touren Samuel und Samuel durch Deutschland und haben seither mehr als 100 Konzertlesungen gestaltet, wie Tourmanager Christian Detlefsen berichtete.

Als genialen Abend bezeichnete Norbert Braumüller aus Wolkenstein die zweistündige Veranstaltung: "Es war weder ein typisches Konzert, noch eine typische Lesung. Begeistert war ich auch von dem großen Interesse. 750 Menschen an einem Montagabend in einer Kirche sind bemerkenswert."

Für ihre Tochter kaufte Heike Liebsch aus Börnichen nach der Konzertlesung das neue Buch von Samuel Koch. "Sie ist schwer krank und hat schon die beiden ersten Bücher gelesen. Die Bücher machen ihr Mut. Sie brennt darauf, dass ich ihr von der Konzertlesung erzähle", so Heike Liebsch, die sich mit Samuel Koch noch gemeinsam fotografieren ließ.

Begeistert war auch Matthias List. "Ich habe beide sehr lebensnah und echt erlebt. Eine so erfolgreiche Veranstaltung macht Mut, mal wieder etwas zu organisieren", so der Gemeindepädagoge.

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