So war das Wetter 2020

Die Hobbymeteorologen Dirk Christoph und Jens Weißbach haben sich die vergangenen zwölf Monate angesehen. Es war mal wieder warm und trocken.

Olbernhau/Dittersdorf.

Mit einer Jahresmitteltemperatur von 9 Grad Celsius (1,1 Grad zu warm) ist das Jahr 2020 nach 2018, 2019 und 2014 das viertwärmste Jahr gewesen. Bis auf den Mai fielen alle anderen Monate zum Teil deutlich zu warm aus. Gleichzeitig war es das siebente zu trockene und auch zu sonnenreichste Jahr in Folge.

Januar: Den bereits zu warmen Dezember 2019 übertrumpfte der Januar 2020 in Olbernhau deutlich (3,6 Grad). Auch in Dittersdorf war er sehr mild und viel zu trocken. Schnee war Fehlanzeige, es handelte sich um den schneeärmsten Januar seit Messbeginn.

Februar: Trotz noch größerer Temperaturabweichung im Februar (4,4 Grad) gab es in Olbernhau mit maximal 9 Zentimetern die größte Schneehöhe des Jahres. Ein Sturmtief nach dem anderen zog über die Region. Mit 136 Litern pro Quadratmeter fiel so viel Niederschlag in einem Februar wie zuletzt 1961. Hypothetisch, also winterliche Temperaturen vorausgesetzt, hätte das in etwa 1,36 Meter Schneehöhe bedeutet. In Dittersdorf war der zweite Monat sehr mild. Bemerkenswert ist auch dort die Schneearmut. Herausragendstes Ereignis war das Orkantief Sabine am 9. Februar.

März: Ein stabiles Russlandhoch lenkte im März in Olbernhau kalte Festlandluft heran. Dies führte zur zweitkältesten dritten Märzdekade seit vier Jahrzehnten. Die kälteste Nacht des Winters 2019/20 und des Jahres 2020 wurde am 23. März mit minus 9 Grad gemessen. Die klare kalte Luft verschaffte der Sonne die Möglichkeit, fast doppelt so viel zu scheinen wie üblich. In Dittersdorf war der März etwas zu mild, die Niederschlagsmenge lag im Mittel. In der dritten Dekade kühlte es ebenfalls stark ab, es gab zweimal strengen Nachtfrost. Erstmalig seit 1995 lag die Monatsmitteltemperatur wieder unter der eines Februars.

April: Mit 281 Stunden legte der April in Olbernhau bei der Sonnenscheindauer noch eins drauf. Dafür gab es am Morgen des 14. April einen Zentimeter Schnee. Insgesamt legte der Monat mit nur 9,6 Litern pro Quadratmeter den Grundstein für erneute Frühjahrstrockenheit. Auch in Dittersdorf war es extrem trocken. Es handelte sich um den zweittrockensten April seit 2007.

Mai: Der Mai war in Olbernhau der einzige zu kalte Monat des Jahres. Am Abend des 11. Mai hatte sich nach einem kräftigen Schneeschauer nochmals vorübergehend eine dünne Schneedecke gebildet. Die letzte der mit fünf überproportional vielen Frostnächte war erst am 16. Mai überstanden. In Dittersdorf gab es insgesamt 6 Frosttage.

Juni: Ähnlich wie die Eisheiligen im Mai machte in Olbernhau dem Juni nun die Schafskälte zu schaffen. Nur sporadisch gab es schöne warme Tage. Diesbezüglich, aber auch bei Niederschlag und Sonnenschein, hielt sich der Monat statistisch gesehen weitestgehend im normalen Rahmen. Und auch in Dittersdorf entsprach der Juni temperaturmäßig dem Klimamittel. Dabei war er etwas zu trocken.

Juli: Die elf Sommertage verpufften in Olbernhau etwas: Zu sehr gingen die Temperaturen auf und ab. Bis auf 4 Grad sanken die Nachttemperaturen. Dafür war die Trockenheit zurück bei einer zusätzlich überdurchschnittlichen Sonnenscheindauer. In Dittersdorf war der Juli sehr trocken und vergrößerte das Niederschlagsdefizit weiter. Am 12. Juli wurde mit 3,4 Grad in Dittersdorf ein neuer Monatstiefstwert erreicht.

August: Im August platzte der Knoten, der Hochsommer kam nach Olbernhau. Mit 16 Sommer-, davon fünf Hitzetagen über 30 Grad, gab es zwar keine neuen Rekorde. Auch bei der Tageshöchsttemperatur (32,5 Grad) am 9. August nicht. Die 124-prozentige Erfüllung des Niederschlagsolls täuscht ein wenig, resultiert doch fast die Hälfte aus einem 18-stündigen Dauerregen zum Monatsende. In Dittersdorf war der Monat bis auf die letzten beiden Tage viel zu trocken. Erst am 30. endete die Trockenheit mit dem Durchzug des Tiefs "Marlies". Am 26. zog das erste herbstliche Sturmtief "Kirsten" über die Region.

September: Mit einer Hochsommerphase zur Monatsmitte glänzte der September in Olbernhau. Fünf Sommertage, davon vier am Stück, gingen mit einer großen Trockenheit einher, bis kurz vor Monatsultimo erneut 57,4 Liter pro Quadratmeter binnen zwei Tagen vom Himmel prasselten. Der September erwies sich in Dittersdorf wieder als etwas zu warm, und in großen Teilen herrschte Trockenheit vor. Am 25. und 26. fiel der überwiegende Anteil des monatlichen Niederschlages, sonst tröpfelte es nur wenig und selten. Am 18. gab es den ersten Bodenfrost.

Oktober: Einen goldenen Oktober gab es 2020 in Olbernhau nicht. Nur 60 Prozent der üblichen Sonnenscheindauer wurden registriert. Im Gegensatz dazu brachten 98 Liter Regen pro Quadratmeter den vierten Platz der nassesten Oktober-Monate ein. Den dritten Monat in Folge sorgten nur wenige Stunden, diesmal am 14. Oktober, für den Großteil der Monatsmenge. Auch in Dittersdorf brachte der Oktober einen satten Niederschlagsüberschuss, denn mehr als die doppelte Menge des langjährigen Mittels regnete es: besonders viel beim Tief "Gisela" am 14.

November: Deutlich zu mild (1,8 Grad), nur 21 Prozent der normalen Niederschlagsmenge, aber 92 Sonnenstunden: Der November ist in Olbernhau der große Herbstgewinner. Der Monat verlief in Dittersdorf überwiegend ruhig, oft herrschte Hochdruckeinfluss, mit Sonnenschein und tagsüber milden Temperaturen. Nachts kam es oft zu leichtem Frost. Auch in Dittersdorf war der Monat viel zu trocken.

Dezember: Das große Thema im Dezember in der Grenzregion war der Böhmische Wind. Insgesamt beeinflusste er an 20 Tagen weitestgehend das Geschehen. Dennoch wurde der Dezember der elfte zu warme Monat des Jahres. Bemerkenswert auch: Die ersten Eistage des Jahres gab es erst im Dezember, nicht in den Hochwintermonaten Januar oder Februar. In Dittersdorf verlief wie der Monat zu mild und zu trocken. Am Heiligabend überquerte eine Kaltfront die Region und brachte einen Hauch von Winter, sodass leicht weiße Weihnachten das Jahr schließlich beendeten.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.