Sport-Fotograf: Beim Enduro muss der erste Versuch sitzen

Am Wochenende beginnt die Meisterschaft. Neben einer stattlichen Streitmacht an Stollenrittern aus dem Erzgebirge ist auch Peter Teichmann beim ersten Kräftemessen der Saison wieder mit dabei.

Zschopau/Uelsen.

Seine Tasche hatte Peter Teichmann schon am Mittwochabend gepackt. Klamotten für jedes Wetter. Den Kulturbeutel sowie den Rucksack mit der Ausrüstung: zwei Kameras, drei Objektive, darunter auch das große Tele, ein Blitzlicht, mehrere Akkus, Laptop und noch etwas Kleinkram. Am Donnerstagmorgen machte sich der Zschopauer dann auf den Weg nach Uelsen. Einmal quer durch Deutschland. Gut 600 Kilometer sind es bis in die niedersächsische Kleinstadt an der holländischen Grenze. "Ich will vor den Teams da sein, um mir in Ruhe alles ansehen zu können. Wie die Fahrer laufe auch ich die Sonderprüfungen vorher ab, um mir die interessantesten Stellen zu suchen. Licht, Schatten, Hintergrund müssen ebenfalls passen. Und diesmal gibt es ja eine neue Strecke", erläutert der 38-jährige Sportfotograf.

In der sandigen Grenzregion fällt am Wochenende der Startschuss zur Internationalen Deutschen Enduro-Meisterschaft. 280 Stollenritter aus Deutschland, Schweden, den Niederlanden und der Schweiz treffen sich zum ersten Kräftemessen des Jahres. Fast 50 Fahrer kommen aus dem Erzgebirge oder starten für eins der drei Teams aus der Region.


Damit stellen die Zschopauer Sturm-Truppe, der MC Mittleres Erzgebirge/Enduro Fleischer und die Sherco-Academy des Flöhaers Marcus Kehr zusammen knapp ein Fünftel des gesamten Feldes, das heute und morgen um Punkte in der Deutschen Meisterschaft, im Pokal sowie im Damen-Cup und den Senioren-Klassen um Punkte kämpft. Angeführt wird die stattliche Streitmacht aus dem Erzgebirge von Andreas Beier und Edward Hübner. Die beiden Haudegen aus dem Team Sturm haben die Titelverteidigung in den Klassen E 1 und E 2 im Visier.

"Der Auftakt gehört zu den wichtigsten Terminen der Saison. Es ist die erste Möglichkeit, Teams und Fahrer in den neuen Outfits und mit neuen Motorrädern zu fotografieren", verweist Teichmann auf die zahlreichen Foto-Sessions im Fahrerlager, bevor die Maschinen in den Parc fermé kommen. Obwohl auch diese Arbeit längst zur Routine gehört, ist die diesjährige Ausgabe der Uelsener Geländefahrt eine ganz Besondere. "Ich bin zum zehnten Mal hier. 2005 hat mich Harald Sturm zum ersten Mal mitgenommen, um Fotos für das Team zu machen", erinnert sich der Zschopauer.

Der Beginn seiner großen Leidenschaft liegt aber noch ein paar Jahre mehr zurück. "Das Fotografieren habe ich von meinem Vater. Er ist Fotograf. Und die Begeisterung für den Geländesport bekommt man als Zschopauer in die Wiege gelegt", so Teichmann. Ende der 1990er-Jahre habe sein Vater dann gesagt "So, mach mal allein", erinnert sich der 38-Jährige an seine ersten Schnappschüsse am Streckenrand. "Damals mussten die Bilder noch entwickelt werden, und ich war jedes Mal gespannt, ob sie was geworden sind."

Nach seiner Ausbildung zum Mediengestalter stieg Teichmann in die Werbeagentur seiner Eltern ein. Seinem Hobby ging er weiter nach, heute ist es längst zu einem seiner beruflichen Standbeine geworden. Denn nach den ersten Fotos fürs Team Sturm kamen Anfragen von anderen Fahrern und Teams: Autogrammkarten, Poster, Sponsorenmappen, Präsentationen im Internet. Es folgten Aufträge für Fachzeitschriften.

Neben den Fotos tauchten dann auch erste Rennberichte, Fahrerporträts und andere Texte Teichmanns in Motorsportmagazinen auf. Die Arbeit führte ihn ins Ausland, zu Europa- und Weltmeisterschaftsläufen in nahezu ganz Europa. Seit einigen Jahren berichtet er auch in der "Freien Presse" in Wort und Bild über den in der Region hoch im Kurs stehenden Sport. Seit 2008 kümmert sich der Zschopauer zudem um den Enduro-Auftritt des Deutschen Motor Sport Bundes im Internet.

"Seither habe ich keinen Meisterschaftslauf in Deutschland verpasst", sagt der Enthusiast und muss dabei an den 24. März 2013 denken: "An diesem Tag kam unser Sohn Moritz zur Welt. Ich war bei der Geburt dabei." Der an diesem Tag angesetzte DM-Lauf in Dahlen war wegen Wintereinbruchs abgesagt worden. "Das hast du geschickt eingefädelt", hätten einige Fahrer gewitzelt, berichtet der Familienvater.

Glücksmomente erlebte Teichmann auch im Motorradgeländesport. "Der WM-Sieg von Maria Franke 2017 in Zschopau oder der EM-Triumph Marco Neuberts 2016 in Holland", zählt der Fotograf zwei Beispiele auf. Beim Husarenstreich seines Freundes Marcus Kehr beim WM-Lauf 2010 in Polen, bei dem der deutsche Rekordmeister Rang 3 belegte, war Teichmann ebenfalls mit der Kamera dabei.

Unvergessen bleibe auch der Novemberkåsan, eine legendäre Zuverlässigkeitsfahrt mit Tages- und Nachtprüfung in Schweden. "Der Sieger kam nachts gegen halb zwei ins Ziel, der Fünfte erst um sechs. Die Stimmung im Wald war unbeschreiblich", berichtet der Erzgebirger. Eine Sternstunde sei auch die Einladung zur "Trophy des Nations - Onore al Capitano" im vergangenen Jahr in Italien gewesen. "Dort waren die weltbesten Motorradgeländefahrer der 1970er- und 1980er-Jahre bei einem Seniorenwettbewerb am Start." Peterhansel, Farioli, Auriol, dazu Sturm, Weber, Cyffka ... "Alles Helden aus meiner Kindheit", schwärmt der Enduro-Fan.

Zu den Höhepunkten zählt Teichmann auch die Begegnungen mit Dario Agrati: "Er ist mein berufliches Vorbild." Der 67-jährige Offroad-Fotograf aus Italien hat etliche Enduro-Bücher herausgebracht und zählt zu den weltweit Besten des Metiers. "Von ihm habe ich schon viel gelernt und eine Menge wertvoller Tipps bekommen", sagt Peter Teichmann. "Denn als Fotograf beim Enduro habe ich im Gegensatz zum Motocross, wo die Fahrer alle paar Minuten wieder vorbeikommen, oftmals nur eine Chance."

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