Stadt will Saigerverfahren bekannter machen

Selbst in Olbernhau weiß längst nicht jeder, wie einst Silber vom Kupfer getrennt wurde. Doch das soll sich ändern.

Olbernhau.

Die Stadt Olbernhau will künftig ihre als Welterbe ausgezeichnete Saigerhütte touristisch besser vermarkten und damit das Saigerverfahren stärker in den Mittelpunkt rücken. Es sei schließlich das Alleinstellungsmerkmal, betonte Bürgermeister Heinz-Peter Haustein (FDP) unlängst, als er den Wiederaufbau der Langen Hütte in Aussicht stellte. Das Gebäude war einst Kernstück des Areals und der Ort, an dem gesaigert wurde. Haustein will das Verfahren in Zukunft gern veranschaulichen. Doch was ist das Saigern überhaupt?

Udo Brückner, Geschäftsführer des Tourismusvereins Olbernhau, sagt auf Nachfrage, dass das Verfahren selbst in Olbernhau kaum bekannt sei. Ganz anders sah dies in früheren Jahrhunderten aus, als Grünthal europaweit für das Saigern bekannt war. Dabei wurde Silber vom Kupfer getrennt.

Das Verfahren hatte 1430 seinen Ursprung im Nürnberger Raum. "Es wurde jede Menge Holz benötigt", so Brückner. Als die Wälder gerodet waren, sei die Saigerhütte über den Thüringer Wald weiterzogen, bis sie sich 1537 in Olbernhau ansiedelte. Dort wurde für jeden gefällten Baum ein neuer gepflanzt. Dieses Prinzip der Nachhaltigkeit gehe auf Hans Carl von Carlowitz zurück. Noch heute zeugen bei Grünthal Buchenwälder davon.

Dass große Mengen Brennholz benötigt wurden, hat seinen Grund in dem mehrstufigen Verfahren. Saigern leitet sich von senkrecht ab, erklärt Udo Brückner, der häufig Gäste über das Saigerhüttenareal führt. Zunächst sei das Schwarzkupfer (es enthielt zu rund 70 Prozent Kupfer) in einem Schachtofen (eine Art Hochofen) mit Blei versetzt und mit Holzkohle erhitzt worden. Da Silber und Blei chemisch eng miteinander verwandt sind, binden sich beide Elemente aneinander. Im nächsten Schritt wurden die abgestochenen abgekühlten Scheiben senkrecht in den Saigerherd gestellt, sagt Udo Brückner. Anschließend kam Holzkohle darauf und darunter. Die Kunst des Saigerns sei es gewesen, die richtige Temperatur zu halten, sodass die Silber-Blei-Legierung heraustropfte und Kupfer übrig blieb. Später wurde das Kupfer in weiteren Öfen von Reststoffen wie Schwefel befreit. Die Silber-Blei-Legierung sei in einen Treibeherd geschmolzen worden, erläutert Brückner. Dank unterschiedlicher Schmelzpunkte ließen sich beide Elemente voneinander trennen, das Blei konnte wiederverwendet werden. Erst 1859 wurde das Saigern eingestellt. Es folgte Buntmetallurgie und später Stahlverarbeitung.

Olbernhau hatte einst das Monopol auf das Saigern inne. Genau das mache die gut erhaltene Saigerhütte so besonders, so Brückner. Zudem lasse sich noch immer Grünthaler Kupfer, das im zugehörigen Hammer vor allem zu Dacheindeckung verarbeitet wurde, an vielen Bauwerken finden. Als Beispiele nennt er den Stephansdom in Wien, die Wagner-Villa in Bayreuth und die Schlosskirche in Pfaffroda.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.