Stresstest Corona: Wie sind die Erzgebirgskliniken vorbereitet?

Holding-Geschäftsführer Knut Hinkel: Stabsstelle ähnlich wie ein Katastrophenstab aufgestellt

Ab Donnerstag werden an allen vier Klinikstandorten der Krankenhaus-Gesundheitsholding Erzgebirge in Annaberg, Stollberg, Zschopau und Olbernhau Tests auf das Corona-Virus Covid-19 vorgenommen. Neben den Teststationen in den Notfallambulanzen sind Kapazitäten für die Aufnahme von Corona-Patienten geschaffen worden. Die Holding hat eine Stabsstelle Corona eingerichtet, die je nach Lage täglich oder wöchentlich zusammentritt. "Wir sind ähnlich aufgestellt wie ein Katastrophenstab", sagt Geschäftsführer Knut Hinkel. Zusammen mit den Ärztlichen Leitern der Häuser Zschopau und Olbernhau, Dr. Norbert Heide und Dr. Dieter Jakob, beantwortet er die häufigsten Fragen.

Wer wird getestet?

Es können sich Menschen testen lassen, die erhebliche Symptome der Lungenkrankheit aufweisen - Fieber, Hustenauswurf, Atemnot. Getestet werden zudem Patienten mit einer Überweisung von einem niedergelassenen Arzt oder mit einer Aufforderung vom Gesundheitsamt. Ebenso Menschen, die unmittelbar körperlichen Kontakt mit einem nachweislich Corona-Infizierten hatten. Die Indikationen, die zu einem Test führen, können sich täglich ändern. Deshalb sollten auch die Hinweise des Robert-Koch-Instituts beachtet werden. "Wir wollen gezielt diejenigen testen, die am meisten gefährdet sind, oder die andere am meisten gefährden", sagt Chefarzt Dr. Dieter Jakob.

Wie erfolgt der Test?

Die Aufnahme erfolgt in allen vier Häusern täglich zwei Stunden in der Notaufnahme. Dazu sind extra Bereiche mit speziellen Eingängen vorbereitet und entsprechend beschildert. Für die Probeentnahme wurden Mitarbeiter geschult. Das Ergebnis sollte spätestens nach zwei Tagen vorliegen. Der Patient muss seine Kontaktdaten hinterlegen, um über das Ergebnis informiert werden zu können.

Wie hoch sind die Testkapazitäten?

Täglich können an allen vier Kliniken jeweils bis zu 25 Tests vorgenommen werden. "Wir rechnen in den ersten Tagen mit einem verstärkten Aufkommen an Menschen, die sich testen lassen möchten. Das könnte später aber wieder rückläufig sein", sagt Chefarzt Dr. Norbert Heide. Bei Bedarf kann die Kapazität erweitert werden.

Wie ist die Holding auf die Aufnahme von Covid-19-Patienten vorbereitet?

60 bis 70 Prozent aller geplanten OPs wurden auf Eis gelegt, um Betten frei zu bekommen. "Die Patienten waren sehr kooperativ. Viele stimmten dieser notwendigen Entscheidung zu", betont Chefarzt Heide. Patienten, die weiter stationär behandelt werden müssen, wurden auf die Kliniken in Annaberg und Zschopau konzentriert. Für Corona-Patienten können in Olbernhau und Stollberg maximal bis zu 400 Betten bereitgestellt werden. "Im absoluten Pandemie-Fall können wir in Sporthallen weitere Kapazitäten schaffen", fügt Knut Hinkel an. An allen vier Klinikstandorten gibt es insgesamt maximal 58 Betten mit Beatmungsmöglichkeit.

Was passiert mit schwerkranken Patienten, die etwa in Stollberg chemotherapeutisch behandelt werden?

Der Komplex ist hermetisch abgeschottet, sodass Patienten nicht gefährdet werden. "In Stollberg arbeitet ein exzellentes Team. Die hervorragende onkologische Betreuung dort wollen wir nicht gefährden", begründet Holding-Geschäftsführer Knut Hinkel.

Steht eine Welle von Einweisungen von Corona-Erkrankten bevor?

Knut Hinkel: "Ich gehe nicht davon aus, dass wir kurzfristig viele Patienten bekommen. Trotzdem kann die Anzahl der Kranken von einem Tag auf den anderen explodieren. Darauf sind wir vorbereitet." Zustände wie in einigen italienischen Krankenhäusern befürchten die Mediziner mit 100-prozentiger Sicherheit nicht.

Gibt es genügend Personal?

Der überwiegende Teil der vom Pendlerstopp betroffenen Mitarbeiter aus Tschechien sei daran interessiert, weiter am Klinikum Mittleres Erzgebirge zu arbeiten und bleibe, erklärt Norbert Heide für seinen Bereich. Mit den frei gewordenen Betten stehe ein Pool an Ärzten und Schwestern bereit. Die Kollegen sollen in kurzer Zeit fit gemacht werden, um im Bedarfsfall auch Beatmungsplätze bedienen zu können.

Steht ausreichend Schutzausrüstung bereit?

Bestehende Engpässe sollen in Kürze abgebaut werden. Über die Holding erfolgt eine zentrale Verteilung von Schutzausrüstung an die vier Einrichtungen, erklärt Hinkel. Sensible Bereiche seien gut ausgestattet. "Sobald wir wieder genug Masken haben, werden diese auch andere Mitarbeiter im Haus tragen. Das Erzgebirgsklinikum Annaberg hat eine eigene Apotheke, stellt selbst Desinfektionsmittel her und kann im Bedarfsfall auch die anderen Standorte beliefern", so Hinkel.

Ist die Finanzierung der Krankenhäuser mit den angekündigten staatlichen Hilfen gesichert?

"Unter den jetzigen Maßgaben und Bewertungen ist das Gesundheitssystem gut finanziert. Nur der Bürokratismus hätte abgebaut werden müssen", befindet Knut Hinkel. "Mir wäre es lieber, wenn die finanziellen Verluste 1:1 ausgeglichen würden", fügt Norbert Heide an.

Die Corona-Teststationen an den Notaufnahmen sind montags bis freitags geöffnet: in Stollberg und Olbernhau in der Zeit von 10 bis 12 Uhr; in Zschopau 15 bis 17 und in Annaberg von 16 bis 18 Uhr.

Alle Entwicklungen zum Corona-Virus im Erzgebirge


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