Teilflurstück verursacht heftige Diskussion

Nabu kritisiert Amtsbergs Bürgermeister für Aussage in Abwägungsverfahren

Amtsberg.

Ein Teilflurstück im Amtsberger Ortsteil Dittersdorf sorgt derzeit für Diskussionsstoff. In einer Pressemitteilung kritisiert der Naturschutzbund (Nabu) Sachsen "mangelndes Demokratieverständnis im Amtsberger Rathaus". Grund dafür ist der Umgang mit einer Stellungnahme, die der Nabu im Rahmen der angedachten Klarstellungs- und Ergänzungssatzung eingereicht hatte. Durch den von der Gemeinde geplanten Schritt sollen auf der grünen Fläche an der Bergstraße Voraussetzungen für eine Wohnbebauung geschaffen werden. Einwände seitens des Nabu gegen dieses Vorhaben seien vom Bürgermeister "einfach mal weggewägt worden".

Stein des Anstoßes ist ein Protokoll der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses. Thema war dort die Stellungnahme, in der der Nabu auf Mängel in den Unterlagen hinweist und tiefergehende Untersuchungen fordert. Trotz der Einwände "im Hinblick auf den Gehölzbestand und den Artenschutz" habe Bürgermeister Sylvio Krause vorgeschlagen, die Bedenken im Gemeinderat "wegzuwägen". "Da bin ich nahezu fassungslos", sagt Joachim Schruth. Dem Naturschutzreferenten sei in langjähriger Tätigkeit so etwas "in dieser Dreistigkeit noch nicht untergekommen". Das Ehrenamt, das in diesem Fall den Einfluss von Verfahren auf Natur und Landschaft einschätzt, werde nicht geachtet und demotiviert.

Auf Nachfrage erklärt Krause, dass eine Entscheidung im Interesse der Gemeinde zu treffen sei. Von Trägern öffentlicher Belange sowie aus der Bevölkerung seien zum Vorhaben mehr als 50 Stellungnahmen eingegangen. "Und in weniger als einer Handvoll wird Kritik geäußert", so der Bürgermeister. Neben dem Nabu gab es auch vom Landratsamt Bedenken. Ein dabei angeregtes Gutachten habe der Eigentümer des Flurstücks bereits in Auftrag gegeben. Erst wenn dieses vorliegt, werde es zu einer Abwägung im Gemeinderat kommen. Das Verfahren laufe also noch, betont Krause, der aus seiner aktuellen Einschätzung keinen Hehl macht: "Nach jetziger Lesart ist das Interesse der Gemeinde über das des Nabu zu stellen." Es nicht allen recht machen zu können, sei ein Stück Demokratie. (anr)


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