Tödlicher Unfall bei Gelenau: Gericht verhängt härtere Strafe

Die 19-Jährige beteuerte während der Berufungsverhandlung erneut, dass ihr das Geschehene sehr leid tue. Zugleich fehle ihr aber die Erinnerung.

Chemnitz/Gelenau.

Es sei ein reines Glücksspiel gewesen, das die Angeklagte an jedem Tag betrieb, so der Richter. Ein Glücksspiel, das für alle Beteiligten in einem tragischen Unglück endete. Vor einer kaum einsehbaren Kurve auf der Herolder Straße zwischen Spinnerei und Gelenau hatte die damals 18-Jährige am 2. Oktober 2018 mit einem Überholmanöver einen schweren Unfall ausgelöst, der unter anderem ein Todesopfer forderte.

Am gestrigen Donnerstag musste sich die 19-Jährige vor dem Landgericht Chemnitz wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz hatte zuvor gegen des Urteil des Amtsgerichtes Marienberg Berufung eingelegt, um eine höhere Strafe zu erzielen. Die Nebenklage schloss sich an. 90 Tagessätze zu je 20 Euro sowie drei Monate Fahrverbot lautete damals das Urteil. So wurde nun das Verfahren in zweiter Instanz neu aufgerollt.


Dass die Angeklagte Schuld trifft, darüber waren sich Staatsanwaltschaft, Nebenklage sowie Verteidigung einig. Entsprechend mussten keine Zeugen vorgeladen werden, lediglich die im Zuge des vorangegangenen Verfahrens getätigten Aussagen wurden durch den Richter verlesen. Diese zeichneten folgendes Bild: An jenem Tag war die 18-Jährige gegen 8.05 Uhr mit ihrem Audi auf der Herolder Straße zur Berufsschule in Chemnitz unterwegs. Sie überholte mit rund 80 Stundenkilometern einen Opel, als ihr ein Volkswagen entgegen kam. Der Versuch einzuscheren misslang. So streifte die 18-Jährige mit ihrem Wagen den Opel. Der Audi brach aus und stieß mit dem Volkswagen zusammen. Dessen 28-jähriger Fahrer habe keine Chance gehabt auszuweichen, erklärte der Richter. Der Mann verstarb. Die 19-jährige Opel-Fahrerin verletzte sich leicht, die 18-jährige Verursacherin zog sich schwere Verletzungen zu. Sie selbst könne sich nicht an das Geschehen erinnern. Sie befinde sich inzwischen in psychologischer Behandlung.

"Mir tut das alles unendlich leid", beteuerte die Angeklagte unter Tränen. Sie würde das Geschehene gern rückgängig machen, sagte sie während der Verhandlung. Ob sie sich der Schwere ihrer Schuld ausreichend bewusst sei, bezweifelte die Nebenklage. Dabei bezog sich der Anwalt der Mutter des Verstorbenen auf eine Kondolenzkarte. Die Angeklagte hatte sie an die Familie des Mannes geschickt. Die Karte wurde vor Gericht verlesen. Zwar habe sie geschrieben, dass es ihr leid tue, so der Anwalt. Ein "Ich bin schuld" sei allerdings nicht ersichtlich.

Dass die 19-Jährige in geordneten Verhältnissen lebe, bescheinigte eine Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe. Sie befinde sich in Ausbildung und aufgrund ihres fehlenden Einkommens in finanzieller Abhängigkeit zu ihren Eltern. Die Verteidigerin unterstrich, dass eine Geldstrafe vor allem die Eltern treffen würde. Sie sprach sich gegen den von der Nebenklage geforderten Entzug der Fahrerlaubnis aus. Denn diese werde von ihrer Mandantin benötigt, um nach der Ausbildung eine Anstellung finden zu können. Ob sie wieder hinter dem Steuer sitze, wollte die Staatsanwaltschaft wissen. Ja, sie fahre wieder Auto, antwortete die Angeklagte: "Ich fahre sehr vorausschauend und versuche, alle möglichen Situationen vorherzusehen. Und ich überhole nicht mehr."

Nach drei Stunden Verhandlung kam das Schöffengericht unter Berücksichtigung der fehlenden Vorstrafen zu einem Ergebnis und änderte das Urteil des Amtsgerichtes. Eine Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr wurde verhängt - ausgesetzt zu einer zweijährigen Bewährungszeit. Die 19-Jährige muss 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Damit kam das Landgericht den Forderungen der Staatsanwaltschaft und Nebenklage weitgehend nach. Ihre Fahrerlaubnis darf die Angeklagte behalten. Ihr dreimonatiges Fahrverbot hatte sie bereits abgegolten. Gegen das Urteil können noch Rechtsmittel eingelegt werden.

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