Trockenzeit: Werden die Trinkwasservorräte knapp?

Im Erzgebirge befindet sich Sachsens größtes Speichersystem für das Grundnahrungsmittel Nummer 1. Seit knapp einem halben Jahr schrumpft der Bestand.

Zschopau/Pirna.

Die Trockenheit im Erzgebirge dauert inzwischen fast ein halbes Jahr an. Während der Süden und Westen Deutschlands im Frühjahr und Sommer heftige Regenfälle abbekam, ging der Osten bis auf lokale Starkniederschläge leer aus. Eine Folge: Die Trinkwasserreservoire im Erzgebirge geben im Moment mehr Wasser ab, als sie aufnehmen.

Daran haben auch die drei Regentage in der zurückliegenden Woche nichts geändert. "Das war lediglich eine Erfrischung für die Vegetation", sagt Ulf Winkler von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) in Pirna. Nur geringfügig seien die Pegel der Zuflüsse gestiegen, eine durchgreifende Änderung aber ausgeblieben und auch nicht in Sicht.

Müssen sich die Menschen im Erzgebirge auf Trinkwasserknappheit einstellen, falls die Trockenperiode anhält? In absehbarer Zeit ist das nicht zu befürchten, gibt der Referatsleiter Wassermengenbewirtschaftung Entwarnung. Die Niederschlagsarmut könnte das nächste halbe und das ganze folgende Jahr fortdauern, ohne dass die Trinkwasserversorgung darunter leidet. "Erst nach zwei extrem trockenen Jahren wird es kritisch", sagt Winkler.

Die Füllstände einiger Talsperren würden dann nach den Berechnungen der LTV stark absinken. Zuerst wäre der Mangel im Dresdner Raum spürbar. Im Osterzgebirge bilden die Talsperren Lehnmühle, Klingenberg und Rauschenbach für die Versorgung dieser Region ein Verbundsystem, das Winkler zufolge schon heute stark ausgelastet sei.

Noch die geringsten Probleme dürfte der Chemnitzer Großraum bekommen, weil der Trinkwasserbedarf dort weniger hoch ist. Gründe sieht Ulf Winkler in der Sparsamkeit der Bevölkerung, dem Wegbruch von Industrie und der Senkung von Rohrnetzverlusten. Die Wasserspeicher im mittleren und westlichen Erzgebirge sind derzeit noch gut gefüllt. Die Saidenbachtalsperre - das größte Reservoire im mittleren Erzgebirge - verfügt über knapp 18 Millionen Kubikmeter Inhalt. Das entspricht 91 Prozent ihres Stauraumes. Ähnlich sieht es bei Sachsens größtem Trinkwasserstausee aus: Die Talsperre Eibenstock ist zu 92 Prozent gefüllt. Fast 65 Millionen Kubikmeter passen bis zum Stauziel hinein. Bis zum Überlauf wäre sogar für 75 Millionen Kubikmeter Platz.

Auch der für die Versorgung der Kreisstadt Annaberg-Buchholz und umliegenden Kommunen benötigte Stausee Cranzahl weist einen Füllstand von 91 Prozent auf (das entspricht 2,59 Millionen Kubikmeter). Ulf Winkler spricht von einer Insellösung, weil die Region ohne aufwendige Baumaßnahmen aus anderen Talsperren nicht mit versorgt werden könnte. Um deren Leistungsfähigkeit zu sichern, muss zusätzlich von einem Hanggraben am Fichtelberg Wasser herangeführt werden, erklärt der Fachmann.

Die weitreichenden Trinkwasservorräte im Erzgebirge sieht Ulf Winkler als "gute Versicherung für die Zukunft". Schließlich wisse niemand, was uns mit der Klimaänderung noch alles bevorsteht. Die Gesellschaft habe schließlich die Verpflichtung, Vorsorge zu treffen. Eine Umnutzung von Trinkwassertalsperren zu Naherholungsgebieten wäre daher ein Fehler. Die letzte große Trockenheit liegt eineinhalb Jahrzehnte zurück. Im Februar 2004 war eine neunmonatige Trockenheit zu Ende gegangen. Damals war die Saidenbachtalsperre nur noch zu 34 Prozent gefüllt.

Wenn auch die Trinkwasserspeicher zurzeit keinen Anlass zur Sorge geben, dürfte mancher Naturfreund besorgt auf die Flussläufe blicken. Beispiel Schwarze Pockau. Von dem nahezu unverbauten Nebenfluss der Flöha ist nur noch ein Rinnsal geblieben. Zu Monatsbeginn betrug die Durchflussmenge an der Messstelle nahe der Strobelmühle bei Pockau 195 Liter pro Sekunde. "Das ist sehr wenig, normal wären 2240 Liter", sagt Winkler. Doch was ist normal? Wasserwirtschaftler sprechen von der mittleren Durchflussmenge - das Mittel aus vielen über die Jahre hinweg aufgezeichneten Werten. Die Beobachtungen an dem Fluss reichen 82 Jahre zurück.

Zuletzt wurde im August 2016 mit 178 Liter pro Sekunde ein ähnlich niedriger Wert gemessen. Das andere Extrem: Während des Jahrhunderthochwassers 2002 betrug die Durchflussmenge am 13. August an derselben Stelle 160.000 Liter pro Sekunde.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...