Was blüht denn da?

Gelb und weiß schimmert es derzeit auf Feldern im Erzgebirge. Gewollt sind die Blüten nicht. Den Bauern nutzen die Pflanzen trotzdem.

Zschopau.

Zwischen Zschopau und Marienberg leuchtet ein gelbes Blumenmeer im herbstlichen Nebel, auch zwischen Wolkenstein und Heinzebank und an anderen Stellen im Landkreis wiegen sich Blüten auf Feldern. Was blüht da, und warum bauen die Landwirte so kurz vor dem Winter noch etwas an?

Auf den Feldern der Bauernland Agrar AG blühen zurzeit Senfpflanzen gelb und Erbsen weiß, erklärt Mario Loos. Der 36-Jährige ist bei dem Großolbersdorfer Unternehmen für den Bereich Pflanzenbau Wolkenstein und Großrückerswalde zuständig. Die Bauernland AG bewirtschaftet Felder zwischen Marienberg und Zschopau bis in Richtung Annaberg. Es gebe noch eine blau blühende Pflanze: Phacelia, auch Bienenweide genannt. "Die Blüte ist gar nicht gewollt", sagt Werner Bergelt. Landwirte bauen Senf, Erbsen oder Phacelia als Zwischenfrucht an, so der Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Erzgebirges. Da in diesem Jahr die Ernte zeitig beendet und der Herbst relativ mild war, blühen diese Pflanzen nun. Eigentlich säen die Bauern sie aus, weil sie gleich mehrfachen Nutzen aus den Zwischenfrüchten ziehen: Sie helfen bei der Unkrautbekämpfung, dienen als Düngemittel und als Wasserspeicher, zudem schützen sie vor Erosion.

Gleich nach der Ernte im Sommer wird die Zwischenfrucht gesät. Da Senf und Co schnell wachsen, verdrängen sie das Unkraut auf den Feldern. Zudem schützen die Pflanzen mit ihren Wurzeln den Boden davor, vom Regen fortgespült zu werden. Mit dem ersten Frost werden die Pflanzen braun und fallen in sich zusammen. Wie eine Schicht Mulch schützen sie dann im Frühjahr den Boden vor dem Austrocknen, so Werner Bergelt. Gerade Erbsen speichern als Leguminosen, also Hülsenfrüchte, besonders viel Stickstoff aus der Luft, erklärt Mario Loos. Im nächsten Frühjahr werden die erfrorenen Pflanzen untergepflügt, und der Stickstoff landet als natürlicher Dünger unter der Erde. So könne er schon Dünger einsparen, bestätigt Mario Loos.

Der 36-Jährige ist verantwortlich für die den Anbau auf rund 1200 Hektar Land. Auf etwa einem Zehntel davon wächst derzeit die Zwischenfrucht. Die wird auf Feldern angepflanzt, auf denen vorher Wintergetreide stand. Wintergerste, -weizen und -roggen werden vor der kalten Jahreszeit gesät und im Sommer geerntet. Danach hat die Zwischenfrucht genug Zeit zum Gedeihen. Im kommenden Jahr wird Loos auf diesen Feldern Mais anpflanzen.

Seit vergangenem Jahr gibt es von der EU eine sogenannte Greening-Richtlinie: Bauern müssen, um bestimmte Fördermittel zu erhalten, einen gewissen Anteil ihrer Fläche als Grünfläche erhalten. Dazu zählt auch die Zwischenfrucht.

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