Drei Meister ihres Fachs

Das Konzert mit Lindsay Funchal, Anja Bachmann und Jörg Pitschmann zog am Samstag rund 50 Gäste an. Eigentlich sollte es schon im Mai stattfinden.

Freiberg.

Ein Sommerguss ist gerade runtergegangen, die Luft riecht nach Urlaub. Doch das Konzert "Der Hirt auf dem Felsen" am Samstagabend im Städtischen Festsaal entführt die rund 50 Zuhörer in den Frühling. Denn der Abend mit Sopranistin Lindsay Funchal, Klarinettistin Anja Bachmann und Jörg Pitschmann (Klavier) war eigentlich im Mai geplant, wurde aber coronabedingt verschoben. Aus Platzgründen fand er jetzt im Festsaal statt.

Augenzwinkernd erzählt Anja Bachmann, dass die aus Brasilien stammende Lindsay Funchal sich erst wunderte, warum deutsche Komponisten der Romantik so oft ihre Freude über den Frühling vertonten. "Nach ihrem erstem Winter in Deutschland im Jahr 2007 konnte sie die Komponisten verstehen."

In dem etwa anderthalbstündigen Konzert erleben die Besucher einen musikalischen Reigen, der mit dem "Hirtenlied" von Giacomo Meyerbeer (1791-1864) beginnt: "Von glänzender Sonne beschienen, zieh'n wandernde Vögel vorbei!" singt Lindsay Funchal in ihrem ersten Konzert nach der Coronapause mit glasklarer Stimme. Zu den Höhepunkten des Abends gehört "Das heimliche Lied" von Louis Spohr (1784-1859). Mit ausdrucksvollem Gesang, Mimik und Gestik bringt Funchal das Gefühl unerwiderter Liebe ("Es gibt geheime Schmerzen") rüber. Die Besucher spüren förmlich, wie gern die Sängerin, die in Freiberg beispielsweise als Giulietta brillierte, wieder auf der Opernbühne stehen würde.

Nicht nur Lindsay Funchal, sondern auch Anja Bachmann und Jörg Pitschmann erweisen sich als Meister ihres Fachs. Eine Besucherin sagt später: "Schön, dass auch der Nachfolger von Generalmusikdirektor Raoul Grüneis super Klavier spielt." Es gibt zwei überragende Zugaben, eine davon aus der "West Side Story". Origineller Einfall: Erst streiten sich Anja Bachmann als Anita und Lindsay Funchal als Maria mit Worten, dann musikalisch. Langer Beifall.

Ein Lob hat auch Ausstatterin Anja-Katharina Halbig verdient. Auf den 16 kleinen runden Tischen standen Vasen mit wunderschönen Sommerblumen, Gräsern und Frauenmantel. Begeistert zeigt sich Barbara Dupke aus Oberbobritzsch. "Es war mein erstes Konzert nach Corona. Und es hat so gut getan", sagt sie.

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