Geklaute Mopeds: Vier von fünf sind wieder da

Facebook-Fahndungen, inzwischen gängige Praxis, können hilfreich sein - auch für die Ermittlungen der Polizei. Der Fall aus Wingendorf ist aber irgendwie verrückt.

Wingendorf.

Es klingt nach einer schlechten Räuberpistole. Was sich seit einer Woche rund um Wingendorf abspielt, sorgt nicht nur in dem kleinen Dorf für große Aufregung, sondern auch für viel Diskussionsstoff im Internet. Aber seit einer Verfolgungsjagd am Dienstagnachmittag gibt es doch Hoffnung auf ein Happy End.

Die Tat: Einem Sammler werden in der Nacht zu Donnerstag vor einer Woche vier Fahrzeuge gestohlen. Die Polizei informiert später in ihrer Pressemitteilung, dass Unbekannte in eine Garage eingebrochen seien. Ihre Beute sind vier Simson und eine MZ. Gesamtschaden: annähernd 10.000 Euro.


"Ich war wie ohnmächtig. Ich habe mich in die Garage gekniet, konnte das alles nicht glauben", schildert Eigentümer Enrico S. seine Situation. Wegen der laufenden Polizeiermittlungen bleibt der Wingendorfer vorerst anonym. Zu jedem Moped gibt es eine Geschichte. Die MZ beispielsweise ist ein Exportmodell, Baujahr 1982, mit nur gut 170 Kilometern auf dem Tacho. Ein unwiederbringlicher Schatz.

Gemeinsam mit dem Vater habe er gesammelt, originalgetreu die Simsons restauriert und nur wenig verändert. "Ich bin planlos losgelaufen, ob ich nicht doch irgendwas finde. Der Nachbar hat beim Suchen geholfen", sagt der 46-Jährige. Dann habe er die Polizei informiert. Hoffnung? Nein, die Hoffnung, die gestohlenen Fahrzeuge zu finden, schwand mit jeder Stunde. "Die kriegst du nicht wieder", habe er sich gedacht.

Die Fahndung: Unzählige Male wird die Facebook-Fahndung in den folgenden Stunden geteilt. Auf der Seite der "Mokickers Oederan", Fans der Modelle aus der Suhler Zweiradschmiede, sind die genauen Beschreibungen samt Fotos zu finden: "ETZ 250, rot; Enduro N, gelb; S 51, saftgrün 1988, langer Benzinhahn; S 50 Elektronik, Sahara braun, Büffeltank; SR 50-Roller lila." Die Internetgemeinde nimmt großen Anteil - wie es bei solchen Geschichten oft der Fall ist.

Dann erhält Enrico S. einen Telefonanruf. Den Roller, auf den die Beschreibung passt, hat ein Wingendorfer am Ortseingang entdeckt. Die Freude ist groß: "Ich vermute, die Diebe müssen die Mopeds in der Nacht einzeln weggefahren haben. Weil der Roller nicht ansprang, war er wohl hinderlich. Und ich habe mir gedacht: Na, wenigstens einer. Die anderen Simson kriegst Du eh nicht zurück." Was der Wingen- dorfer zu diesem Zeitpunkt nicht wissen kann: Donnerstagfrüh hatte ein Passant bereits die grüne Simson in einem Wald bei Augustusburg entdeckt und die Polizei verständigt. Die ETZ tauchte am Montag nahe der Soldatengrabkurve zwischen Oederan und Falkenau auf.

Die Verfolgungsjagd: Es muss gegen 15.30 Uhr am Dienstag gewesen sein, als ein Nachbar Stephan Drichelt anrief und meinte, er habe am Breitenauer Steinbruch die gestohlene Enduro gesehen - angelehnt an einen Baum. Er sei sofort losgefahren. Auf der Fahrt zum Fundort wäre ihm dann jemand mit der Simson entgegengekommen. Der Oederaner versucht, den Fahrer zu stoppen, stellt sich mit dem Auto in den Weg. Es beginnt eine verrückte Verfolgungsjagd. Schließlich gibt der mutmaßliche Dieb auf, lässt das Moped auf einem Waldweg liegen und flüchtet zu Fuß.

Stephan Drichelt: "Das ist Stoff für einen Tatort. Cool. Ich habe einfach nur versucht, am Moped dranzubleiben. Zwei Minuten später und der Typ wäre verschwunden gewesen. Aber so war der Nachbar halt zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort." Vielen einzelnen Mosaiksteinen sei es zu verdanken, dass man Erfolg mit der Facebook-Fahndung hatte.

Das Happy End: Enrico S. quält sich mächtig. Der Wingendorfer, seit Sonntag im Urlaub, kann selbst nichts tun. "Sicher gehe ich auf dem Campingplatz mittlerweile schon allen mit meiner Unruhe auf den Geist", sagt er am Telefon. Wenn dann auch das letzte noch fehlende Fahrzeug gefunden wird, wird es in Wingendorf definitiv eine Party geben, kündigt der Sammler an.

Von der Polizei wiederum gab es am gestrigen Mittwoch wegen der laufenden Ermittlungen nur wenige Informationen. Bestätigt wurde nur, dass es tatsächlich die vier Fahr- zeuge des Wingendorfers sind, die inzwischen von der Kriminaltechnik auf verwertbare Spuren untersucht werden. Die Spur, die der am Mittwoch eingesetzte Fährtenhund aufnahm, brachte vorerst keinen Ermittlungserfolg.

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