Krippen kommen aus aller Welt

Mehr als 100 Exponate zeigt die Sonderschau in Oederan, die am Samstag eröffnet wird. Marita Pesenecker hat sie gesammelt. Die Besucher erwartet manche Überraschung.

Oederan.

Früher fehlte in keiner der weihnachtlich geschmückten Stuben die Krippe mit der figürlichen Darstellung der Geburt Christi. Dass die Weihnachtskrippe keine erzgebirgische Besonderheit ist, belegt die Sonderausstellung "Krippen der Völker", die am Sonnabend im Oederaner Museum eröffnet wird. Zu sehen sind über 100 der mehr als 300 Krippen, die Marita Pesenecker aus Bahren bei Grimma in etwa drei Jahrzehnten gesammelt hat.

Die Museologin und Kulturwissenschaftlerin leitet seit 1984 das Kreismuseum Grimma, wo unter dem Motto "Weihnachten in Grimma" auch eine Ausstellung vorzubereiten ist, weshalb die 60-Jährige gemeinsam mit ihrer Freundin Ingrid Keller und Peter Fricke vom Förderverein des Museums an einem Sonntag nach Oederan gekommen war, um die Sonderschau aufzubauen. Da türmen sich Kartons gleich an der Treppe zur Galerie. Museumsmitarbeiter Andreas Seltmann turnt auf eine Leiter, und Museumschefin Ramona Metzler hilft beim Aufhängen der Stoffbahnen, auf denen viel zum Thema Weihnachtskrippen geschrieben steht.

Es gibt sie auf der ganzen Welt, in der Sonderausstellung sind Exponate aus vier Kontinenten zu sehen. Marita Pesenecker hat sie auf Antikmärkten und in Weltläden erstanden oder von Urlaubsreisen mitgebracht, was nicht immer ganz problemlos war. Beispiel Flughafen Neapel: Alle Hürden des Eincheckens waren genommen, als eine Stewardess im Flugzeug sagte: Die Krippe muss in den Frachtraum. "Nee", empört sich Marita Pesenecker noch heute, wenn auch mit einem Lächeln. "An meine Krippen darf niemand ran. Zumal das ein total schöner Berg ist mit Figurinen nach barockem Duktus." Langer Disput, die Abflugzeit rückte heran und ein Kompromiss wurde gefunden: Die Krippe kam während Start und Landung in der Toilette unter.

Die meisten Krippen sind neu, manche 50, einige wenige um die 100 Jahre alt. Alle wurden von der Sammlerin fotografiert und inventarisiert, die jeweils wichtigsten Informationen findet der Besucher nun auch in der Ausstellung, die mit der Unterschiedlichkeit der Gestaltung und der Vielfalt des eingesetzten Materials punktet. "Die Vielfalt ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal der Krippe, die Eingang in ganz unterschiedliche Kulturen fand. Eine einzige Szene, ein fester Figurenkreis werden unzählige Male in den verschiedenen Sprachen und Ausdrucksweisen wiederholt", so Marita Pesenecker. Genau das ist es, was sie fasziniert. "Man erhält also auch Informationen über eine Kultur. Die Bolivianer und die anderen Bewohner der Anden ersetzten Ochs und Esel durch das Lama und kleiden Maria und Josef mit den landestypischen Mützen und Ponchos." Genauso mannigfaltig wie die Formen sind auch die Materialien, so Olivenholz und Perlmutt aus Israel, Stroh und Brotteig aus Ecuador, Elfenbein und Ebenholz aus Tansania, Bambus aus China, Bronze und Messing aus Kamerun, Kork aus Portugal, Maisblatt aus Tschechien und Stanniolpapier aus Krakau; außerdem Papier, Pappe, Pappmaché, Gips, Zinn, Blei, Wachs und vor allem Holz und Ton.

Die Schau "Krippen der Völker" kann vom 24. November bis 23. Februar 2020 im Museum Oederan - Die Weberei besucht werden. Geöffnet: täglich außer montags, 12 bis 17 Uhr.


Aus Kolumbien

Die Krippe im Koffer stammt aus Kolumbien und wurde aus Maisstroh und der Luffa-Samenkapsel gefertigt. Luffa ist ein Kürbisgewächs. In der Ausstellung sind auch andere außergewöhnlich gestaltete Exponate zu finden, so eine Krippe in einem Kasten, die bereits 1920 in Tschechien entstand. (uls)


Aus Peru

In der Ausstellung sind zahlreiche Exponate aus Peru zu sehen. Zu diesem Land hat Marita Pesenecker Verbindung über Freunde. Diese Figuren tragen Kleider mit Mustern der Shipibo-Indianer. Die Krippe wurde von der Künstlerin Selva Tico 2006 mit der Hand aus Ton geformt, gebrannt und bemalt. (uls)


Aus Burundi

In einer Vitrine sind Krippen aus verschiedenen Ländern Afrikas ausgestellt. Die Krippe mit Stall (Foto) stammt aus Burundi. Sie ist aus Holz geschnitzt, für das Dach wurde Sisal verwendet. Die Figuren aus Messing kommen aus Burkina Faso, und die geschnitzte Heilige Familie stammt aus Malawi. (uls)

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