Landpartie in die Vergangenheit

Im historischen Gemäuer von Schloss Augustusburg wurden die Besucher am Sonntag mit Speisen aus vergangener Zeit bewirtet.

Augustusburg.

Geschichtsinteressierte Feinschmecker versammelten sich am Wochenende an einer nichtalltäglichen Speisetafel im urigen Keller von Schloss Augustusburg. Zum zweiten Mal hatte der Förderkreis zum Erhalt des mächtigen Gemäuers zur kulinarischen Landpartie eingeladen. Mit dem am Sonntag kredenzten Speiseplan wussten die Gastgeber um Vereinschefin Evelyn Jugelt und Veranstaltungsmanagerin Heike Opitz eine aufgeschlossene Teilnehmerrunde zu begeistern.

Da kamen Fasan und Lamm auf den Tisch, dazu gespicktes Rebhuhn, gebackenes Brot und süß-saure Desserts samt obergärigem Bier und süffiger Landweine. Unter dem Motto "Zitrusfrüchte für die Tafel des Kurfürsten" wurde ein Mehr-Gänge-Menü serviert, welches einen Hauch Esskultur am sächsischen Hofe vermitteln sollte. Reichlich 120 Unternehmungshungrige ließen sich die Köstlichkeiten schmecken. Wie zur Premierenveranstaltung 2018 waren Karten unter enormer Nachfrage wie warme Semmeln weggegangen, sodass eine zusätzliche Menüabfolge anberaumt wurde.

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Wissenschaftler Josef Matzerath lieferte erneut die historische Grundlage der Rezepturen. Für den Professor für Zeitgeschichte an der TU Dresden stellt die mittelalterliche Gourmetküche einen Forschungsschwerpunkt dar. Im Projekt Landpartie hatten die im Verein organisierten Profiköche und Kochliebhaber mit dem Theoretiker diesmal die Plattform gefunden, den Besuchern Kostproben aus dem ältesten Kochbuch der Welt zu bieten. Aus der der Kurfürstin Anna gewidmeten Sammlung "Ein new Kochbuch" von Marx Rumpolt hatten die Organisatoren einen Menüplan erstellt, der vor allem auf Zitronen und Pomeranzen (Bitterlemone) als aromatisierendes Geschmackserlebnis setzte. Für heutige Zeitgenossen schwer vorstellbar, dass diese Früchte einst Ausdruck des Reichtums waren, deren Beschaffung enormen Aufwand bedeuteten.

Professor Matzerath wusste zu berichten, dass in der strengen nach gesellschaftlichem Stand der Herrscher vorbereiteten Menüabfolge dem Kurfürsten zwei Mal am Tag jeweils 10 und 17 Uhr Drei-Gänge-Menüs vorgesetzt worden sind. Während der dritte als Dessert mit Obst, Süßigkeiten, Nüssen und Käse gestaltet wurde, umfassten die beiden anderen immer Fleisch und Fischspeisen. Für ein Raunen im Publikum sorgte der Fakt, dass davon jeder bis zu 55 verschiedene Speisen umfasste, aus denen sich der Fürst bediente. Was seinerzeit jeder herrschaftliche Hofkoch aus dem Effeff kannte, heißt für die heutige Kochgeneration vor allem: Experimentieren und Probieren. Mandy und Ingolf Fischer von der Gourmetfabrikation Grüner Wald Marbach hatten den Zubereitungspart von Fasan, Rebhuhn und Lamm inne und standen vor einer Herausforderung. "Es gibt in den Rezepten keinerlei Maß- oder Zeitangaben. Also haben wir uns seit Jahresbeginn in mehreren Versuchen dem jeweiligen Gericht genähert", sagte Mandy Fischer.

Gabriele Bock aus Frankenberg gehörte zu den Gästen, die erneut zum Schmaus erschienen waren. "Das ist ein prima Projekt für Augustusburg - die Rahmenbedingungen, der Speiseplan und die theoretischen Erläuterungen gefallen mir sehr", sagte sie. "Ich habe ungezählte Kochbücher und probiere selbst gern einmal etwas aus, aber dieser Mix ist interessanter."

Als lehrreichen Exkurs in die Geschichte erweist sich das Projekt für die Schüler des Regenbogen-Gymnasiums. Die standen nicht nur als Beiköche und Mundschenke ihren Mann, sondern steuerten als Mitglieder der Schloss-Arbeitsgemeinschaft auch szenische Handlungen bei. "Das macht Laune, wir erhalten einen Blick hinter die Kulissen und lernen Lebensumstände von einst kennen", waren sich Laurentine Müller und Milena Brandt aus der 7. Klasse angetan.

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