Warum Erika einst in keinem Haushalt fehlen durfte

Als Möbelkombinat Karl-Marx-Stadt gegründet, hat sich das Leubsdorfer Unternehmen Ratiomat längst über Sachsen hinaus einen Namen gemacht. Sogar auf Sylt findet man die Produkte aus Mittelsachsen.

Leubsdorf/Eppendorf.

Das Erlebniszentrums "Lindenhof" ist am Sonnabend Treffpunkt für die Mitarbeiter des Unternehmens Ratiomat Einbauküchen Leubsdorf. Gemeinsam mit Angehörigen aber auch mit Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft wird der 50. Geburtstag des Unternehmens gefeiert.

"Unser Jubiläum basiert auf dem am 1. Januar 1969 erfolgten Zusammenschluss von Eppendorfer und Leubsdorfer Holzbetrieben zum Möbelkombinat Karl-Marx-Stadt", erklärt Pressesprecher Ronny Richter. "In Leubsdorf geht die Holzverarbeitung bis in Jahr 1870 zurück. Auch unser heutiger Betrieb hat Wurzeln in dieser Zeit. Firmen wie Schumann und Schmidt, Haeser und Brodt oder Anton Findeisen legten seinerzeit den Grundstein für diese Branche. Wir arbeiten heute noch an Standorten dieser Vorgänger."

Zeitdokumente zeigen, dass damals kleinere Küchenutensilien wie Quirle, Nudelrollen und Schneidbretter angefertigt wurden. Schrittweise wurden größere Objekte realisiert, wie Wandregale, Putzkommoden und einzelnen Vorratsschränke für Küchen. "Es folgten Spülen- und Hochschränke. 1959 gilt als Jahr, in dem die erste komplette Einbauküche angefertigt wurde", berichtet Ronny Richter. Ein Großteil der Erzeugnisse sei damals in die Sowjetunion geliefert worden.

Aber auch das ehrgeizigen Wohnungsbauprogramm der DDR habe für das Kombinat eine große Rolle gespielt. "Tausende Küchen wurden angefertigt, mit denen Generationen von Kunden groß geworden sind", sagt Richter. Damals sei der Markenname "ratiomat" entwickelt worden, der am 17. Juni 1974 in das Verzeichnis des Patentamtes der DDR eingetragen wurde und auch im bundesdeutschen Patentbuch zu finden sei. "Nur wenige Kunden dürften indes die Bedeutung des Begriffes kennen. Die Wortschöpfung sollte den 'rationellen Arbeitsplatz und die Raumausnutzung mit zweckmäßig konstruierten und funktionell ausgestatteten Möbelteilen in aktivierender Formgestaltung' darstellen", erklärt Richter.

Die Möbel aus Leubsdorf seien begehrt gewesen, hätten sich großer Nachfrage erfreut, die in der DDR-Planwirtschaft nur schwer gedeckt werden konnte. "Erika, Janin oder Annerose - auch in Westdeutschland waren die mit Frauennamen bezeichneten Modellserien der Küchen bekannt."

Dann kamen die Wendejahre. "Groß war die Anstrengungen der damaligen Geschäftsleitung, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten", so der Unternehmenssprecher. Der Standort des nun unter dem Namen Ratiomat Einbauküchen produzierenden Betriebes sollte gefestigt werden. "Es wurde viel in den Ausbau investiert", verweist Richter auf Fotos und Zeitdokumente. Der Konkurrenzdruck sei enorm gewesen, doch die Leubsdorfer hätten sich am Markt behaupten können. Das Modellsortiment sei umgestellten worden.

"Im Zuge der Modernisierung der Produktionsanlage wurde 1993 beispielsweise eine alte Traglufthalle für die Arbeitsplattenfertigung abgerissen. An dieser Stelle errichtete das Unternehmen einen 2500 Quadratmeter großen Neubau. Weiterhin wurde eine 4500 Quadratmeter große Haupthalle gebaut, in der sich heute die Tischlerei, eine Lackieranlage und verschiedene Bearbeitungszentren befinden", zählt Richter auf.

Derzeit beschäftigt das Unternehmen 145 Mitarbeiter, darunter auch sechs Azubis. "Aktuell beraten wir Kunden in 17 bundesweiten Küchenstudios", so Richter. Die Produkte aus Leubsdorf seien in Feriendomizilen auf der Insel Sylt und im Weltquartier Hamburg genauso zu finden, wie in der Frauenklinik Stuttgart, den Studentenwohnheimen in Augsburg und Mittweida und in Diplomatischen Vertretungen in Berlin.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    mops0106
    16.09.2019

    Könnte es sein, dass es sich nicht um das Modell Erika sondern das Modell Ratiomat 85/08 handelt?



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