250 Besucher und eine besondere Spende

Nur noch bei wenigen Sonderveranstaltungen ist eine Fahrt mit der historischen Erzbahn in Schönborn-Dreiwerden möglich. Am Wochenende war es wieder so weit.

Schönborn-Dreiwerden.

Wo einst Ponys das Silbererz aus dem Stollen "Alte Hoffnung" im Rossauer Ortsteil Schönborn-Dreiwerden zogen, entstand ab 1998 eine elektrisch betriebene Bahnstrecke für den touristischen Personentransport. 2016 stellte der Verein "Förderkreis für den historischen Bergbau im Mittleren Zschopautal Sachsen" den regelmäßigen Fahrbetrieb von der ehemaligen Erzwäsche zum Eingang des Bergwerkes ein.

Die Folgen langjähriger Versäumnisse in der Vereinsarbeit kamen zutage: wenig Geld, heruntergekommene Technik und vor allem ein Mitgliedermangel. Noch im April 2017 kümmerten sich lediglich drei über 70-jährige Mitglieder um den Erhalt der Technik. Beim Besuch des Familienfestes am vergangenen Wochenende scheint es, die Krise sei überwunden. Um die 15 Mitglieder ab dem Kindesalter kümmern sich nun wieder um die Erhaltung eines Stückes Historie.

Seit Oktober 2017 ist Michael Amlung Vorsitzender des Vorstands. Der in Leipzig lebende 41-Jährige erzählt, wie es dazu kam: "Wir wollten im vergangenen Jahr beim Besuch unserer alten Heimat mit der Bahn fahren und dann ging es nicht mehr." So sei er mit dem Verein ins Gespräch gekommen. Nun nimmt er so oft es geht die Strecke ins Zschopautal auf sich und schläft, wenn es wieder später wird, auch mal im Bauwagen neben dem Lokschuppen. Das Familienfest war nach Ostern, Pfingsten und Himmelfahrt die vierte Sonderveranstaltung in diesem Jahr. Dabei habe man sich mit der Werbung für die Veranstaltung ein wenig zurückgehalten wie Amlung sagt: "Ostern war mit rund 750 Besuchern grenzwertig, weil wir die Leute nicht verprellen wollen, wenn sie ewig für eine Fahrt anstehen müssen".

Am Wochenende kamen nach ersten Schätzungen lediglich um die 250 Gäste, was aber auch an den schlechten Wetterverhältnissen lag. Man wolle weiter an den wenigen Sonderfahrtagen im Jahr festhalten, da einfach die Zeit fehle. An einer Verbindung der Erzbahn mit den Öffnungszeiten des Bergwerkes "Alte Hoffnung", wie sie früher bestand, sei der Betreiber "Alte Hoffnung Erbstolln" leider nicht interessiert. Vielmehr soll rund um die Sonderfahrtage die Möglichkeit bestehen, dass sich andere regionale Vereine mit in das Festgeschehen einbinden. "Wir wollen, dass die Gemeinde zusammenwächst", so Michael Amlung. Deshalb waren gestern und vorgestern unter anderem der Tierschutzverein Mittweida und die Freiwillige Feuerwehr Rossau vor Ort. Der Tierschutzverein übernahm mit einem Kuchenbasar und anderen Köstlichkeiten die Aufgabe des Caterings im entrümpelten Lokschuppen. "Wir sind das dritte Mal mit dabei und es läuft immer sehr gut", sagt Vereinsmitglied Brita Kern aus Seifersbach. Die Einnahmen aus den Verkäufen würden sich Tierschutz- und Erzbahnverein teilen.

Komplett auf Einnahmen verzichtet Tobias Rogal, der eine Hüpfburg und eine Zuckerwattemaschine anbietet. Der Projektsteuerer bei der Frankenberger Wohnungsgesellschaft erzählt: "Wir hatten zwei Schulanfänge, da hätte man für die Miete viel Geld bezahlt. Darum habe ich gleich selber eine Hüpfburg gekauft". Nun stellt der 35-Jährige aus Dreiwerden seine Hüpfburg oft anderen Kindern zur Verfügung. Besonders freuten sich die Mitglieder am Sonnabendvormittag über neue Arbeitssachen. Thomas Wild, Vertriebsleiter der Wattana GmbH aus Hohenstein-Ernstthal, überreichte 20 fabrikneue Arbeitsjacken im Wert von je 200 Euro. Die gespendeten Sachen seien eine Überproduktion des Herstellers von Schutzkleidung, der unter anderem die Deutsche Bahn und die Bundespolizei ausstattet.

"Das ist eine der besten und sinnvollsten Spenden bis jetzt", sagt Vereinsmitglied Florian Altmann über die neuen Jacken. Weitere Spenden und Mitglieder sind aber weiter gefragt. Denn etwa jede fünfte Bahnschwelle sei defekt, die Weichenverbindung muss repariert und Teile der Hangabfangung erneuert werden. Die nächsten Fahrten finden Halloween und im Dezember zur Glühweinfahrt statt. Letztere ist dann vor allem bei Erwachsenen beliebt.

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