Abwasserkanal ohne Aufschachten saniert

Mit einem modernen Verfahren werden die Leitungen unter der Frankenberger Badstraße gleich im Erdreich abgedichtet. Das spart Zeit. Spätestens im August soll der Straßenteil fertig sein.

Frankenberg.

Mehr als 140 Meter Abwasserkanal mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern haben die Bauleute an nur einem Tag stabilisiert und abgedichtet. Und das, ohne Gräben zu schachten und Erdmassen zu bewegen. Möglich macht das ein modernes Verfahren.

"Mit diesem Inliner-Verfahren können wir innerhalb kürzester Zeit den Kanal ertüchtigen", erklärt Heiner Golchert vom Chemnitzer Sanierungsspezialisten Haas unmittelbar an der Baustelle auf der Frankenberger Badstraße. Der alte Asphalt wurde bereits abgetragen, derzeit werden die Leitungen saniert und die Hausanschlüsse erneuert. Spätestens im August soll dieses Teilstück der Staatsstraße 203 wieder befahrbar sein. Dann folgt der nächste Bauabschnitt zwischen Winklerstraße und Humboldtstraße.

Damit während des Straßenbaus die Abwässer aus den Häusern ohne Unterbrechung entsorgt werden können, obwohl zeitgleich das Kanalsystem saniert wird, liegt an einer ausgeklügelten Technologie. "Wir pumpen das Abwasser während dieser Zeit in die nächstgelegene Einleitstelle, überbrücken quasi den zu sanierenden Teil des Kanals mit einem Bypass", erklärt Niederlassungsleiter Golchert. Die Standsicherheit des Kanals werde so Stück für Stück wieder hergestellt. "Das Gesetz schreibt vor, dass Abwasserkanäle absolut dicht sein müssen." Erreicht werde das auch durch dieses spezielle Verfahren, bei dem die Kanalsysteme von innen durch Einbringen eines besonderen Harzes abgedichtet werden.

Die Firma Haas arbeitet im Auftrag des Wasserzweckverbandes ZWA. Jan Pönitz, Nennmeister Kanalnetz beim ZWA, sieht große Vorteile dieses modernen Sanierungsverfahrens. "Das spart Kosten und Zeit." Und es könne vor allem auch an Stellen angewandt werden, wo Platzmangel herrsche und wo man nicht oder nur schwer aufschachten könne. An der Badstraße werden im Zuge des Straßenbaus auch die Hausanschlüsse erneuert.

Laut Bauamtsleiter Michael Thiel liegen die Arbeiten derzeit im Zeitplan. Ist der Abschnitt fertig, werde bis Jahresende das Teilstück bis zur Humboldtstraße gebaut. Die darauffolgende Bauetappe erstrecke sich dann bis zur Parkstraße und soll bis Mitte Mai 2018 beendet sein. Laut Thiel werden im Zusammenhang mit dem Straßenbau unter Regie der Stadt auch gleich die Fußwege mit angepasst und die Straßenbeleuchtung erneuert. Da sei es selbstverständlich, dass moderne LED-Technik eingesetzt werde.


Rohr wird von innen aus verdichtet - so funktioniert das moderne Verfahren

Beim Inliner-Verfahren, das bei der Sanierung des Abwasserkanals auf der Badstraße in Frankenberg angewandt wird, erfolgt eine Abdichtung von innen. Gleichzeitig wird der Kanal auf diese Weise stabilisiert. Ist der Zufluss des Abwassers für den zu sanierenden Abschnitt unterbrochen und ist das Wasser in die nächste Einleitstelle umgeleitet, erfolgt das Verdichten. Dazu wird ein spezieller Schlauch, der sogenannte Inliner, vom Versorgungsschacht aus in den Kanal eingezogen. Durch den Schlauch wird ein spezielles Harz auf die Innenwände aufgebracht. Und diese Harzschicht, die das Rohr verdichtet und stabiler macht, wird dann durch eine UV-Leuchte ausgehärtet. So ähnlich funktioniert auch das Aushärten von Zahnfüllungen, wie es beim Zahnarzt angewandt wird. Das Inliner-Verfahren spart gegenüber dem Aufschachten viel Zeit. (ule)

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