Alte Wirkbau-Fabrik wird zum Schauplatz für Kunst und Kultur

Das Areal mit den früheren Werkhallen steht am Wochenende im Mittelpunkt der Tage der Industriekultur. Am heutigen Freitagabend eröffnet in einem gerade sanierten Gebäude eine besondere Ausstellung.

Chemnitz.

Allzu viel ist nicht mehr zu erledigen. Ein paar Aufräumarbeiten, dazu einige Kunstwerke, die sich noch nicht an Ort und Stelle befinden. Doch ansonsten ist alles fertig. Tobias Fischer, Hausleiter des Wirkbaus an der Lothringer Straße, blickt zufrieden in die Räume. "Vor zwei Monaten war das hier noch ein VW-Lager. Überall lagen Schrauben und kleine Teile herum", sagt er über das Haus G auf dem ehemaligen Fabrikareal in Altchemnitz. In dem weiß getünchten Gebäude wurde am gestrigen Donnerstag die Kunstausstellung "Looking forward" eröffnet. Ein Vorgriff auf die Tage der Industriekultur, anlässlich derer am Wochenende möglichst viele Menschen auf das Gelände strömen sollen.

Im Jahr 2015 hatte das in Leipzig ansässige Unternehmen MIB-Coloured-Fields den Wirkbau vom vorherigen Eigentümer, der TLG-Immobilien, gekauft. Nach eigenen Angaben beheimatet das Areal, das noch bis 1993 Produktionsstandort für Textilmaschinen war, mittlerweile mehr als 50 Firmen mit annähernd 1400 Mitarbeitern. Die Zusammensetzung sei heterogen: Im Schatten des auffälligen Glockenturms von Erich Basarke, errichtet im Jahr 1927, sind Ausbildungswerkstätten und TU-Start-up-Unternehmen ebenso zu finden wie Druckereien und Ateliers verschiedener Künstler. Platz für weitere Ansiedlungen sei vorhanden, von einer Gesamtnutzfläche von 42.700 Quadratmetern seien rund 25.000 belegt, so Fischer. Saniert werde nach Bedarf.

Jüngster Mosaikstein ist nun also die zentral auf dem Gelände gelegene Halle G. Das einstöckige Gebäude mit einer Grundfläche von etwa 1500 Quadratmetern wurde entkernt, erhielt ein neues Dach, neue Beleuchtung und einen neuen Brandschutz. Geplant ist zudem ein vom Nachbargebäude aus betretbarer Dachgarten, eine grüne Oase mit Bäumen und Rasenflächen, die auch Besuchern aus dem Umfeld zugänglich sein soll. Generell sei das Gebäude als Multifunktionshalle konzipiert, in der Ausstellungen ebenso wie Veranstaltungen durchgeführt werden können. Bis zu 600 Personen dürften gleichzeitig hinein, so Fischer.

Die Ausstellung, die der Schauspieler und DJ Lars Eidinger miteröffnet hat, ist bis zum 27.Oktober zu sehen. Sie setzt sich mit dem industriellen Erbe von Chemnitz auseinander, aber auch mit dem technischen Fortschritt insgesamt. Zu den zwölf Künstlern, die ihre Werke präsentieren, zählt Ricarda Roggan, deren Fotografien ausrangierte Spielautomaten zeigen, so wie sie früher in Spielhallen zu finden waren. Einen moderneren Bezug haben Fotos von Edgar Leciejewski. Der Berliner nutzt den Google-Onlinedienst "Street View" als Inspirationsquelle. Er rückt die verpixelten Gesichter von Menschen, die bei der Erfassung der Straßen zufällig mitfotografiert wurden, in den Mittelpunkt seiner Kunst. Einige Beispiele davon sind in der Schau zu sehen. Einen zentralen Raum nimmt ein Projekt von Olaf Nicolai ein. Der in Karl-Marx-Stadt aufgewachsene Künstler zeigt eine Reihe von farbig lackierten, zeitgenössischen Bienenhäusern, die nicht nur Show-Objekte sind. In Leipzig hatte sie das Museum der Bildenden Künste tatsächlich in Grünanlagen ausgestellt, mit Bienen bestückt und von Imkern betreuen lassen. Die Biene als Symbol für Arbeit und Fleiß - das passe in eine Ausstellung, die sich mit dem Thema Industrie befasst, sagt Fischer, der gleichzeitig Kurator der Schau ist.


Zwei weitere Hallen laden Besucher ein

Noch mehr zu erleben gibt es während der Tage der Industriekultur in weiteren Hallen des früheren Wirkbaus.

Haus C: Beim "E.Artis-lab" im Haus C handelt es sich um einen Raum, in dem künftig jeden Donnerstag von 17bis 22 Uhr regelmäßig wechselnde Videoinstallationen verschiedener Künstler zu sehen sein sollen. Den Anfang macht die Luxemburger Galeriekünstlerin Sali Muller.

Haus D: Am Samstag und Sonntag geht in der Halle D das RAW-Festival über die Bühne, bei dem unter anderem Vertreter der Stadt das Konzept für die Chemnitzer Bewerbung um den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2025 präsentieren wollen (Sonntag, 14 Uhr). Dass Chemnitz den Zuschlag erhält, hofft Wirkbau-Hausleiter Tobias Fischer sehr. "Kein anderer Bewerber wäre besser geeignet", sagt er. Ausdruck der Hoffnung ist eine Lichtinstallation: Der aus 33Neonleuchtröhren bestehende Schriftzug "Europa", angebracht am Hauptgebäude, war am Donnerstagabend erstmals zu sehen und soll nun für mindestens ein Jahr leuchten. (jüw)

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