Am Bahnhof ist es immer fünf nach zwölf

Aufwändig und für viel Geld wurde der Vorplatz des Bahnhofes Mittweida modernisiert. Dennoch sticht besonders ein Objekt noch negativ ins Auge: die Bahnhofsuhr.

Mittweida.

So wirklich notwendig ist so eine Bahnhofsuhr eigentlich nicht mehr. In Zeiten von Armbanduhren und Smartphones hat fast jeder stets die genaue Uhrzeit bei sich. Und dennoch ist ein Bahnhof ohne eigene Uhr kein richtiger Bahnhof. Das dachten sich wohl einst auch die Erbauer des Gebäudes an der Haltestelle Mittweida und setzten die Uhr gut sichtbar direkt über den Eingang. Doch heute sorgt der Blick auf das Zifferblatt für Unmut oder zumindest für manchen Lacher.

Denn seit Jahren steht die Uhr still. Das fällt auch den hier per Zug oder Bus ankommenden Besuchern der Stadt auf. Den ganzen Tag ist es laut der Bahnhofsuhr fünf nach zwölf. High Noon. Oder Geisterstunde. Im übertragenen Sinn könnte man meinen, der Bahnhof sei nicht mehr zu retten. Dabei arbeitet die Stadtverwaltung an einer Perspektive für das weitgehend leerstehende Gebäude, entwickelt neue Nutzungsmöglichkeiten für ihr Eigentum. Doch wo liegt da das Problem? Wieso drehen sich die Zeiger dieser so zentral platzierten Uhr nicht?

Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) nennt zwei Gründe. Zum einen der Strom. Der liegt zwar am Gebäude an, versorgt aber nur das Reisecenter. Der Rest des Hauses werde nicht mit Energie versorgt - und dazu zählt eben auch die Uhr. Erschwerend kommt hinzu: das Uhrwerk ist praktisch kaum erreichbar. Von innen sei das unmöglich, da der Zeitmesser so eingebaut ist, dass ein Elektriker nicht heran komme. Und von außen bräuchte es einen Hubwagens, um das Objekt zu erreichen. Nur würde dann noch immer der Strom fehlen. Was also tun?

Abmontieren wäre eine Möglichkeit. Alternativ könnte man den großen Uhrzeiger fünf Minuten zurückdrehen, meint Schreiber. Dann wäre es wenigstens Punkt zwölf und der Anblick nicht mehr so unsymmetrisch. Diese Lösungen seien aber wenig zielführend. Schließlich sollte eine Bahnhofsuhr die richtige Zeit anzeigen. Keiner ist gern in der Zeit gefangen - ob um zwölf oder fünf Minuten später.

Konkrete Pläne für die Lösung dieses Problems hat die Stadtverwaltung aktuell aber nicht. Oberbürgermeister Schreiber ist sich der Situation, die so bereits seit Jahren besteht, bewusst. Mehr aber auch nicht. Bis die Uhrzeiger sich wieder drehen, zumindest auf Punkt zwölf gedreht werden oder die Uhr ganz verschwindet, kann also noch einige Zeit vergehen. Zumindest auf Armbanduhren und Smartphones. Am Bahnhof ist es schließlich immer fünf nach zwölf.

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