Auerswalder eröffnet Kneipe am künftigen Chemnitztal-Radweg

Noch ist die Strecke zwischen Wittgensdorf und Markersdorf nicht befahrbar. Auch fehlt eine Brücke über die Chemnitz. Das hält einen 63-Jährigen nicht davon ab, noch einmal durchzustarten.

Auerswalde.

Als Matthias Gluba 1996 das Gelände der alten Mühle an der Chemnitz in Auerswalde von der Treuhand kaufte, wollte der Bauingenieur eigentlich eine Wasserkraftanlage dort errichten. Denn damals wurden diese Projekte gefördert, sagt der 63-Jährige. Doch wegen des ständigen Niedrigwassers und auch fehlender Genehmigungen habe er von diesem Vorhaben Abstand genommen. Als Straßenplaner in einem Ingenieurbüro hatte er noch genügend zu tun, die Heimatgeschichte, speziell der alten Mühle, blieben seitdem sein Hobby.

Die Mühle war in Geschichtsbüchern 1349 erstmals erwähnt worden. 1747 brannte das Gebäude ab und wurde anschließend wieder aufgebaut. 1912 erwarb die Stadt Chemnitz die Mühle zur Erlangung der Wasserrechte für den Bau der Kläranlage Heinersdorf. 1928 wurde die Mühle abgerissen, weil sie total verfallen war, heißt es in der Chronik. "Damit ging Auerswalde eine historische Stätte verloren", schrieb schon damals der Ortschronist Ottwin Saupe aus Auerswalde in seinen Aufzeichnungen. Übrig blieben Kellergewölbe. "Diesen Keller wollte ich unbedingt der Nachwelt erhalten", ergänzt Gluba. Das Gelände neben einem ehemaligen Automarkt war lange Zeit von der Öffentlichkeit unbemerkt. Denn die Chemnitztalstraße macht in diesem Bereich einen Knick, Autofahrer müssen aufpassen, wenn sie die schmale Kurve zwischen Auerswalder Dorfbach und Felsen passieren.

Seine Chance witterte Gluba, als vor reichlich zehn Jahren die Pläne für einen Chemnitztal-Radweg auf der stillgelegten Bahntrasse zwischen Wittgensdorf und Wechselburg bekannt wurden. Die Linie Chemnitz-Wechselburg diente nahezu ein Jahrhundert lang dem Personen- und Güterverkehr. 1902 fuhren die ersten Züge. Mit dem Fahrplanwechsel wurde die Verbindung 1998/99 eingestellt. Er wisse, dass entlang eines Radweges Touristen Einkehrmöglichkeiten, Übernachtungen und Sehenswürdigkeiten brauchen. Deshalb hatte er die Idee, den Mühlenkeller als Gaststätte umzubauen.

Der Baubeginn für den Radweg verzögerte sich. Ende dieses Jahres soll der 5,7 Kilometer lange Abschnitt zwischen Wittgensdorf und Markersdorf passierbar sein. Doch in Auerswalde dauert es länger.

Aufgrund von Grundstücks-Streitigkeiten und Planänderungen kam es zu Verzögerungen, sagt eine Sprecherin des zuständigen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr. Von der ehemaligen Bahnstrecke soll eine 105 Meter lange Hängebrücke über den Chemnitz-Fluss führen, die Brücke über den Auerswalder Dorfbach soll versetzt werden. Die Weiterführung eines etwa 100 Meter langen Radweges entlang der B 107 ist der Zubringer für den Lichtenauer Ortsteil Auerswalde.

Vor wenigen Tagen ist mit den Bauarbeiten begonnen worden. Zuerst suchte ein Kampfmittel-Trupp das Gelände nach möglichen Blindgängern aus den Weltkriegen ab. Dann begannen Erdarbeiten. Dabei werden zurzeit die Fundamente für die Brücke in der Chemnitz gesetzt.

Und auch Gluba war nicht untätig. Der 63-Jährige, der inzwischen in Rente gegangen ist und mehr Zeit hat, hat den Mühlenkeller saniert. "Für eine nicht unbedeutende Summe", wie er sagt, ohne die genauen Kosten zu nennen. Eine kleine Küche wurde eingebaut, ein Gastraum mit zwölf Plätzen und drei Tischen entstand. "Seitdem ich mit Plakaten für den Imbiss werbe, schauten schon einige Neugierige vorbei", sagt Gluba. Seine treuesten Gäste seien die Bauarbeiter, die fast jeden Mittag zwischen Salat, Steaks und Bratwürsten wählen. Außerdem gebe es einen Getränke-Ausschank.

Der Anfang sei gemacht, nun müsse nur noch die Hängebrücke fertig werden, sagt Gluba.

Der Chemnitztal-Radweg war gestern ebenso ein Thema während der Sitzung des Ortschaftsrates von Köthensdorf im Speisesaal der Johann-Esche-Grundschule. Darüber hinaus gibt es heute während der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Chemnitztal-Radweg Informationen zum Weiterbau von Markersdorf nach Diethensdorf. Erste Bauarbeiten sollen vergeben werden. Treff ist 18 Uhr im Vereinsraum im Königshain-Wiederauer Ortsteil Stein, Bergstraße 47 (Kindergarten).

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