Ausverkauf in der Gartensparte

Die Hobbygärtner der Anlage "Hochwarte" in Frankenberg mussten ihre Parzellen räumen. Was sie zurückließen, sicherten sich andere. Der Ansturm war groß.

Frankenberg.

Weil in Frankenberg die Nachfrage nach Bauland steigt, mussten die Hobbygärtner der Gartensparte "Hochwarte" zwischen Äußerer Freiberger Straße und Mühlbacher Straße ihre Pachtgärten abgeben. Die von den Kleingärtnern zurückgelassenen Utensi-lien und Pflanzen brachte am Samstag die Stadtverwaltung an den Mann.

"In der ersten Stunde kamen bereits über 100 Besucher", so Florian Aurich von der Frankenberger Wirtschaftsförderung. Der gewaltige Ansturm war schon auf der anliegenden Straße zur Gartensparte sichtbar, wo sich eine Schlange vor dem kontrollierten Einlass bildete. "Wir freuen uns über den Zuspruch und haben am Ende eventuell ein Plus-Minus-Null-Geschäft gemacht", so Aurich weiter. "Wir verkaufen die Pflanzen und Gegenstände deutlich unter ihrem Wert. Viele nutzten die Situation, um ein Schnäppchen zu ergattern." Auch Familie Spangenberg ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und grub mit vereinten Kräften eine Magnolie aus einem der Gärten aus. "Der Baum kommt in den eigenen Vorgarten", erklärte die Familie schwitzend.

"Ausverkauf finde ich geil, da entdecke ich den Ossi in mir und gehe gerne plündern.", erklärte Tobias Fürschke, der die Gelegenheit ebenfalls nutzte. "Da wird nicht alles weggeschmissen, wie sonst in der Gesellschaft", führte er fort. Zum Schicksal der ehemaligen Pächter sagte er: "Pachten ist billig, natürlich ist dabei mit einem Risiko zu rechnen". Ähnlich sah das die Chemnitzerin Karin Tausch, welche mit dem Familiengarten in der Gartensparte "Hochwarte" aufwuchs: "Da es Pachtland der Stadt ist, konnten wir von Anfang an damit rechnen, dass wir bei einer Baulandausschreibung den Garten abgeben müssen".

Der 160 Quadratmeter große Kleingarten war seit 1978 der Rückzugsort der Familie. "Es war ein sehr angenehmes Klima in der Gartenanlage, jeder kannte jeden. Wir waren wie eine große Familie. Natürlich hängen viele Erinnerungen an den Gärten", berichtete sie. Trotzdem seien viele ehemalige ältere Pächter nicht böse über die Entscheidung. "Mit ein bisschen Wehmut geht die Auflösung aber einher", so Tausch weiter. "Ein kleines Stück Frankenberg nehme ich mir in meinen Chemnitzer Garten als Erinnerung mit", erklärte sie, während sie eigene Pflanzen aus dem Garten rettete.


Das wird aus dem Grundstück

Die Fläche, auf der sich bis vor Kurzem die 26 Gärten der Anlage "Hochwarte" befanden, soll als Wohnbaustandort entwickelt werden. Laut Frankenbergs Stadtsprecherin Anja Sparmann wurde dieser Entschluss im Juni 2018 im Stadtrat gefasst.

Wann mit einer Bebauung zu rechnen ist, kann die Sprecherin noch nicht sagen. "Zunächst soll das Gelände in diesem Jahr beräumt und im Anschluss mit der Erschließungsplanung begonnen werden." Neben dem rund 4500 Quadratmeter großen Areal der Gartenanlage "Hochwarte" sollen auch das Flurstück des einstigen Gasthauses "Hochwarte" und Flächen des Kleingartenvereins "Am Bach" als Bauland entwickelt werden.

Die Kleingärtner seien finanziell entschädigt worden. "Im Stadtgebiet gibt es einige leerstehende Kleingärten in anderen Gartensparten", so Sparmann. "Einzelne Pächter haben das Angebot zur Umsiedlung in leerstehende Gärten angenommen." (lkb)


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