Betonklotz verschwunden

Vom ehemaligen Saatgut in Hainichen ist bis auf eine Bodenplatte nichts übrig geblieben. Auch darüber wächst Gras. Nun wurde das Ende des unschönen Wahrzeichens gefeiert.

Hainichen.

Über Jahrzehnte hat ein Betonklotz das Bild der Stadt geprägt. Der Abriss des aus DDR-Zeiten stammenden Saatgutes hatte vor knapp einem Jahr begonnen. Seit Juni wächst nun schon Gras über die Sache. Für Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) war dies nun ein Grund zum Feiern, schließlich hatte der Stadtrat das Vorhaben auch einhellig unterstützt.

Neben Vertreten des Sächsischen Innenministerium und der Sächsischen Aufbaubank als Geldgeber des Projekts waren auch Planer, Mitarbeiter der Baufirma und Anwohner gekommen, die sich bedankten und nun wissen wollten, was an der Stelle mal entstehen soll. Das Stadtoberhaupt kann sich vom "Spielplatz der Generationen" bis zum Eigenheimstandort viel vorstellen, entschieden sei noch nichts.

Der Spielplatz als soziales Projekt sei schnell umsetzbar, für eine Bebauung mit Häusern müssten zehn Jahre ins Land gehen, das sieht die Richtlinie für Fördermittel vor. Christian Blümich, der ehemalige Leiter des früheren Gymnasiums hat den Abriss mit mehr als 100 Fotos festgehalten. "Einige sollen mal die Abrissarbeiten öffentlich dokumentieren", sagte Greysinger.

Schon kurz nach der Wende kam in Hainichen das Aus für das Saatgut, ein Objekt mit vielen Silos. Die Brache wurde von einem Treuhand-Nachfolger dann vor zwölf Jahren an eine Privatperson verkauft. Laut Greysinger ein "Glücksritter" aus der Berliner Region, der lediglich Schrott zu Geld machte. Irgendwann habe der Bürgermeister schon die Hoffnung auf einen Abriss aufgegeben. Im Frühjahr 2017 wurde dann aber Geld aus Dresden in Aussicht gestellt. Mit viel Mühe und einigen Dienstaufsichtsbeschwerden des Hainichener Bürgermeisters an die Behörden der Hauptstadt ließ sich auch der Eigentümer noch ausfindig machen und überzeugen.

Der ersten Kostenschätzung von fast 1,7 Millionen Euro folgte bald ein viel günstigeres Angebot der Firma M. Günther & Co. aus Burgstädt mit knapp 680.000 Euro. Am Ende waren es nur 10.000 Euro mehr, für Greysinger immer noch eine sehr positive Sache. "Es ist äußerst selten, dass bei Abrissen in dieser enormen Größenordnung die Kostendisziplin so eingehalten wird." Der Eigenanteil der Stadt liegt bei zehn Prozent.

Immerhin ging es bei dem 40 Meter langen und 14 Meter breiten Gebäude um 40.000 Kubikmeter umbauten Raum, vorwiegend mit Stahlbeton. Der höchste Turm ragte 30 Meter empor und war von fast allen Stellen der Stadt sichtbar. "Schon eine Art Wahrzeichen, das sogar den Blick auf die Kirche verstellte", sagte Greysinger. Etwa 20.000 Tonnen Material mussten abgefahren werden, die Firma arbeitete oft auch samstags. Geblieben ist nur ein Teil einer Bodenplatte, laut Firma für einen Neubau durchaus geeignet. Das Areal ist eingezäunt und wächst nun zu. Über die Zukunft sollen Stadtrat und Bürger entscheiden. Aktuell wird vor dem Areal die August-Bebelstraße ausgebaut, voraussichtlich noch bis Ende September.

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