Bohrer gräbt sich unter die Zschopau

Seit Anfang August laufen in Falkenhain die Bohrarbeiten für eine unterirdische Stromleitung. Die Hälfte des ersten Abschnittes ist nun geschafft.

Mittweida.

"Der Grund der Maßnahme ist Friederike", sagt Evelyn Zaruba, Pressesprecherin der Mitnetz Strom GmbH. Gemeint ist das Sturmtief, das Anfang des Jahres rund 17.000 Kunden aus Mittelsachsen ohne Strom dastehen ließ. Ursache war eine Unterbrechung der Mittelspannungsfreileitung zwischen Falkenhain und Tanneberg über der Zschopau.

Wie der Projektplaner Jörg Naumann erklärt, überspannt die Freileitung zwischen den Masten auf beiden Uferseiten rund 300 Meter. Der normale Richtwert, der aus den 1980er-Jahren stammenden Leitung, sei aber ein Abstand von 100 Metern zwischen zwei Masten. Die Folge waren immer wieder Störungen und Stromausfälle bei Gewittern. Deswegen bekam die Verrohrung durch Mittelspannungskabel eine höhere Priorität.

Seit Anfang August bohren drei Bauarbeiter der Grimme GmbH aus Meuselwitz nun an der insgesamt 400 Meter langen Strecke. "Bei 34 Grad Celsius Außentemperatur war das in den vergangenen Tagen eine Herausforderung für uns alle", so Jörg Naumann. Gebaut wird dabei in zwei Abschnitten. Der erste verläuft vom Feldrand des Falkenhainer Hackberges zu der 60 Meter tiefer gelegenen Uferstelle am Zschopauwanderweg in der Ortslage Lauenhain.

Der zweite Abschnitt startet im Herbst auf Lauenhainer Seite und führt rund 80 Meter hinab bis zu eben dieser Uferstelle.

Zurzeit haben die Bauleute etwa die Hälfte des ersten, 240 Meter langen, Abschnitts geschafft. Der mit einer um drei Prozent neigbaren Sonde ausgestattete Bohrkopf befindet sich momentan unter dem Flussbett der Zschopau. Mit dabei ist auch Bohrhelfer Christopher Gerschler, der die Sonde mit einem Boot auf der Zschopau verfolgt und die mit einem speziellen Gerät gemessenen Höhendaten per Funk an den Geräteführer weiterleitet. "Gerade, wenn Ausflugsschiffe vorbeikommen, kommt man da sehr stark ins Schaukeln", sagt sein Kollege René Hugon. Er ist der Leiter der Baustelle und seit 13 Jahren in der thüringischen Baufirma tätig. Er berichtet weiter: "Unter der Zschopau liegt mit Granulit einer der härtesten Steine Deutschlands". Deswegen sei das Spülbohrverfahren am besten geeignet. Dabei wird Betonitlösung, eine Art Tonmehl mit Wasser, in das Loch gespült und sorgt dafür, dass abgetragenes Material hydraulisch an der Oberfläche austritt und in zwei Gruben läuft. "Würde man nur Wasser nehmen, könnte das Material nicht nach oben transportiert werden und das Loch verstopfen", erklärt Naumann den Prozess.

Bereits viermal mussten die Arbeiter, darunter ein Aushilfsstudent, den Bohrkopf und die batteriebetriebene Sonde wechseln. Bis zu 15 Meter gräbt sich der Bohrer unter der Erdoberfläche durch das Felsgestein. René Hugon orientiert sich dabei an einer mit dem Echolot ausgemessenen Geländekarte. Maximal fünf Messpunkte pro Meter nimmt das Team und überwacht so den Winkel des Bohrkopfes. Denn am Ende soll eine parabelförmige Kabelleitung entstehen.

Wenn der erste Abschnitt erfolgreich durchgeführt wurde, wird der Kabelkanal inklusive der Mittelspannungskabel am Anfang des Bohrers angehangen und in Richtung Falkenhain gezogen. Bis November soll dann auch der zweite Abschnitt aus Richtung Tanneberg abgeschlossen sein. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf rund 520.000 Euro. Laut Mitnetz profitieren von der Baumaßnahme etwa 7200 Kunden in Teilen von Mittweida sowie Ringethal, Weinsdorf, Erlebach, Falkenhain, Tanneberg, Crossen und Erlau. Die Freileitung über den Fluss sei die letzte noch Betriebene ihrer Art in der Mittweidaer Region.


Neue Leitungen sollen Unwettern trotzen

Mitnetz Strom verlegt Mittelspannungskabel unter der Zschopau

in der Region Tanneberg/Falkenhain. Ziel ist, zukünftig Störungen auf Grund von Unwettern auf der Freileitung zu vermeiden. Die Kosten belaufen sich auf rund 520.000 Euro. Von der Baumaßnahme und einer sicheren Stromversorgung profitieren rund 7200 Kunden in Teilen von Mittweida sowie in Ringethal, Weinsdorf, Erlebach, Falkenhain, Tanneberg, Crossen und Erlau.

Im Maximum müssen circa 80 Meter Höhenunterschied auf einer Länge von 200 Metern überwunden werden. Die Bohrlänge beträgt rund 400 Meter der Ortslage Falkenhain zur anderen Uferseite in Höhe Tannenberg.

Die Arbeiten haben Anfang August begonnen. Die gesamte Baumaßnahme soll bis November 2018 abgeschlossen sein.

Am 18. Januar wurden durch das Sturmtief Friederike die Masten der Mittelspannungsfreileitung zwischen Tanneberg und Falkenhain umgebrochen. Um schnellstmöglich eine Stromversorgung in der Region zu gewährleisten, kamen zwei Netzersatzanlagen zum Einsatz. Zudem wurden Freileitungsprovisorien aufgebaut. Die Kosten beliefen sich auf rund 30.000 Euro. Insgesamt waren damals etwa 17.000 Kunden im Landkreis Mittelsachsen vom Stromausfall betroffen.

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