Bonner Geschäftsmann macht eine fragwürdige Entdeckung

Heinz Mundorf besucht mehrmals im Jahr seine Hallen in Rossau. Doch diesmal ist etwas anders. Hinter dem "Kornhaus" hat jemand mehrere Säcke mit gepressten Pfand-Flaschen illegal entsorgt. "Freie Presse" ist dem vermeintlichen Pfandgeld-Schatz nachgegangen.

Rossau.

Angefangen hatte alles mit ein paar alten Matratzen und entsorgten Autorädern. Was Heinz Mundorf aber jetzt hinter einer seiner Hallen entdeckt hat, macht den Rheinländer wütend. Unmengen gepresster Plastik-Einweg-Pfandflaschen, die offenbar aus Pfandautomaten von Supermärkten stammen, sind hinter dem "Kornhaus" unweit der Rossauer Tankstelle abgeladen worden. "So viel Müll lagerte hier noch nie. Ich werde alles daran setzen, dass die Übeltäter gefasst werden", kündigt der Bonner Geschäftsmann an und hat Anzeige bei der Polizei erstattet. Zugleich stellt er sich die Frage, wer ein Interesse daran haben könnte, Pfandflaschen in dieser Größenordnung wegzuwerfen. "Und bekommt man für sie eventuell noch Pfandgeld?" "Freie Presse" hat den Test gemacht.

In Begleitung von Marion Metzner, Verkäuferin im unweit vom Fundort der Flaschen entfernten Norma-Einkaufsmarkt, legen wir nacheinander fünf der gepressten Pfandflaschen in den Scanner des Automaten. Ergebnis: Er kann den Strichcode nicht lesen. Den gleichen Test wiederholen wir in einem anderen Supermarkt, diesmal in Hainichen. Das Ergebnis ist dasselbe: Es gibt kein Pfandgeld. Die Leiterin, die namentlich nicht genannt sein möchte, erklärt, warum: "Der Scanner erkennt auch die Form. Wenn die Flasche gepresst ist und sich nicht dreht, gilt sie als entwertet."


Dieses Verfahren solle davor schützen, dass für Pfandflaschen mehrmals das Pfandgeld von 25 Cent ausgezahlt werde. Auch sei es dadurch unmöglich, dass beispielsweise eine Flasche im Scanner-Kanal etwa mit einem Faden nach der Berechnung des Pfandgeldes wieder herausgezogen wird. Laut Marktleiterin werden die Flaschen, nachdem sie der Kunde in den Automaten eingelegt hat, gescannt, gepresst und dann in Säcke sortiert. Diese werden dann im Zentrallager gesammelt und anschließend abgeholt. Einen Wert stelle eine solch gepresste Flasche für den Supermarkt nicht mehr dar. "Denn wir verkaufen die Flaschen mit Pfand und zahlen diesen für den Erhalt der leeren Flaschen wieder aus", erklärt die Marktleiterin.

Laut Bund Getränkeverpackungen der Zukunft (BGVZ) werden die gepressten Flaschen ins Recyclingwerk transportiert. Hier werden sie nach Farben sortiert und zu Granulat verarbeitet. Aus diesem werden dann neue PET-Flaschen hergestellt. Das bestätigt die Zentrale des Lebensmittel-Discounters Netto. Neben dem ökologischen habe man auch ein wirtschaftliches Interesse, so viele Flaschen und Dosen wie möglich dem Recycling zuzuführen. Eine ungeregelte oder gar illegale Entsorgung laufe diesen beiden Interessen grundsätzlich entgegen.

Woher die Presslinge also stammen könnten, die hinter der Rossauer Halle lagern, ist unklar. Denn von der "Freien Presse" befragte Supermärkte haben keinen Diebstahl dieser Art angezeigt. Das bestätigt auch die Polizei. "Diesbezügliche Anzeigen liegen uns innerhalb der letzten vier Wochen nicht vor", sagt Sprecherin Jana Kindt. Der Anzeige von Heinz Mundorf wegen des Verdachts einer Umweltordnungswidrigkeit werde die Polizei nachgehen und führe Ermittlungen.

Die an der Rossauer Halle gefundenen Plastikflaschen sind kein Einzelfall, wie Bürgermeister Dietmar Gottwald (parteilos) weiß. "Auch in unserem Gewerbegebiet sind diese aufgetaucht und unter anderem auch an der Zschopau bei Krumbach", so der Ortschef. Er habe das Landratsamt informiert, denn für die Entsorgung wilder Mülldeponien im öffentlichen Raum sei dieses zuständig. Eine Sprecherin bestätigte dies auf Anfrage. Für Privatgrundstücke, wie im Rossauer Fall, sei man hingegen nicht verantwortlich. Auch Thomas Granz, Abteilungsleiter Abfallwirtschaft im kreislichen Entsorgungsunternehmen EKM, kann sich nicht erklären, was hinter diesem Flaschenfund stecken könnte. "Wenn dafür nochmals Pfand gezahlt würde, wäre jede Flasche 25 Cent wert", sagt er. Doch dies ist durch die Rücknahmemodalitäten des Handels ausgeschlossen, wie "Freie Presse" herausfand.

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